Immer wieder höre ich, wenn es zum Thema Prostitution kommt, das Argument: „Aber das ist doch total schlimm, wer möchte schon 30 hässliche, stinkende Freier pro Nacht über sich drüberlassen?“
Und jedes Mal rolle ich innerlich ein bisschen mit den Augen.
Weil das total am Kern des Problems vorbeigeht.
Erstens stimmt das so nicht. Prostitution ist vielfältig. Es gibt Frauen, die 30 Freier pro Tag oder Nacht abfertigen, ja. Aber es gibt genauso Frauen, die machen nur einen Freier im Monat klar. Oder 4 pro Woche.
Prostitution ist nicht schlimm, weil es VIELE Männer sind, mit denen man Verkehr hat, sondern weil es Männer sind, die sexuellen Konsens mittels Geld übergehen.
Wenn es schlimm wäre, mit vielen Männern zu schlafen, wäre ja jede (unbezahlte) Promiskuität auch schädlich. Ist sie aber nicht. Wer rumvögeln will, soll das halt tun – das ist ja nicht das Problem.
Zweitens sind eben nicht alle Freier hässlich oder stinken. Das stimmt halt so einfach nicht. Freier sind ganz normale Männer. Ja, da sind auch welche dabei, die sehen verkorkst aus oder riechen nicht gut.
Aber: jeder Mann, den man nicht an sich dran und in sich drin haben will, riecht schlecht. Weil man ihn halt nicht haben will.
Das Problem ist auch nicht, dass Freier nicht gut aussehen würden.
Und ein sexueller Missbrauch wird übrigens nicht dadurch angenehmer für das Opfer, dass er von einem schönen Mann ausgeübt wird.
Freier sind ganz normale Männer. Geh mal in den Park.
Setz Dich mal hin und dann schau Dir dort mal die Männer an. Jeder vierte Mann in Deutschland ist Freier. Zähl mal durch: 1, 2, 3, – Freier. 1, 2, 3, – Freier. Siehst Du, wie unterschiedlich die Männer sind?
Das Problem bei Freiern ist weder die Körperhygiene noch das Aussehen.
Sondern das Problem bei Freiern ist, dass sie sexuellen Missbrauch ausüben und denken, das wäre ok, weil sie ja dafür bezahlt haben.
Weder die Anzahl der Freier noch ihr Aussehen noch ihr Geruch sind der Kern der ganzen Problematik, sondern ihr Verhalten: dass sie sich nämlich als Freier betätigen.
DARUM geht´s.
Freier als Monster zu malen, hilft nicht in der Argumentation gegen Prostitution.
Im Gegenteil hilft es Freiern: indem man sie zu abartigen, monströsen Kreaturen zeichnet, lässt es die Gesellschaft vergessen, dass es ganz normale Männer sind, die unter uns leben. Unsere Väter, Brüder, Chefs, Arbeitskollegen, Onkel, Ehemänner, Partner, Kaufhallenkassierer, Zeitungsausträger, Grundschullehrer.
Jeder Mann, den Du siehst oder triffst, könnte ein Freier sein. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch.
Wenn wir Freier als äußerlich erkennbare abscheuliche Ungeheuer zeichnen, gehen wir am Kern der Sache vorbei, denn genau das sind sie eben nicht.
Wie oft hab ich schon gehört: „Was, der soll Freier sein? Kann ich mir nicht vorstellen. Hat der bei seinem Aussehen doch gar nicht nötig!“
Oder: „Kann ja mit ihm für die Prostituierte nicht so schlimm gewesen sein, der sieht doch gut aus.“
Sowas kommt dann halt von sowas.
In der Debatte um Prostitution, lasst uns daran denken: viele Menschen verstehen nicht, dass fehlender Konsens das Problem ist. Und dass es viele Freier unter uns gibt. Denen man es vielleicht nicht zutraut. Das ist das Problem: Freier tragen nicht gemeinsame äußerliche Merkmale an sich, sondern ein bestimmtes, frauenfeindliches Tätermindset.
Und DARÜBER müssen wir reden.
© Huschke Mau 2026