Legalisierung, Prostitutionsverbot, Entkriminalisierung, Nordisches Modell – wie gesetzgeberisch umgehen mit Prostitution?

    Mein Name ist Huschke Mau[1], und ich bin eine Frau aus der Prostitution. Momentan bin ich Doktorandin. Seit 2014 bin ich als Aktivistin für das Nordische Modell aktiv und halte Vorträge. Im Januar 2018 habe ich das Netzwerk Ella[2] gegründet, wir sind ein Zusammenschluss von Frauen, die in der Prostitution waren oder noch sind, und wir definieren das, was wir erlebt haben und noch erleben, als Gewalt. Die Konsequenz, die wir daraus ziehen, ist die Forderung nach der Einführung des Nordischen Modells auch in Deutschland. Wir haben erfahren, wie Prostitution in einer legalisierenden Gesetzgebung ist, und wir finden, dass sie uns nichts als Nachteile gebracht hat. Mit Aussteigerinnen aus Ländern, in denen das Nordische Modell eingeführt worden ist, stehen wir in Kontakt.

    Wenn man von den gesetzgeberischen Umgängen mit Prostitution spricht, herrscht oftmals eine große Verwirrung. Ist Legalisierung dasselbe wie Entkriminalisierung? Ist das Nordische Modell de facto ein Prostitutionsverbot? Dieser Beitrag soll dabei helfen, die einzelnen Begriffe zu klären und die Konsequenzen der jeweiligen Regelung bezüglich Prostitution für uns Betroffene, aber auch für die gesamte Gesellschaft, darzustellen.

    Es gibt bisher 3 Arten, mit Prostitution gesetzgeberisch umzugehen: Legalisierung, Prostitutionsverbot oder das Nordische Modell. Der jeweilige regulative Umgang mit Prostitution sagt auch etwas darüber aus, ob Prostitution in der betreffenden Gesellschaft als Gewalt gegen Frauen wahrgenommen wird oder nicht.  Mein Standpunkt ist ein abolitionistischer. Ich argumentiere nicht nur aus meiner Erfahrung heraus – und aus der vieler meiner (Ex-)Kolleginnen -, sondern ich finde, es braucht eine politische Analyse, um zu begreifen, was Prostitution wirklich ist. Schauen wir uns an, wie Prostitution sich heute gestaltet.

    Für den Einstieg kommen in den allermeisten Fällen vier Faktoren zusammen: die Frauen (oder Mädchen) sind sexuell vortraumatisiert[3], sie befinden sich in einer ökonomischen Notlage, es gibt oft eine dritte Person, die ihnen „beim Einstieg hilft“ (und dann auch profitiert) und sie haben in einer sexistischen Gesellschaft bereits eine Abwertung als Frau erfahren, ebenso wie eine Konditionierung auf ihre weibliche Geschlechterrolle (die inkludiert, dem Mann zu gefallen und ihm sexuell verfügbar sein zu müssen). Manchmal fühlt sich für bereits zuvor missbrauchte / vergewaltigte Frauen der Einstieg in die Prostitution wie eine Aufwertung an: wo vorher jeden ran und rüber durfte, kann jetzt selektiert werden –  es dürfen jetzt nur noch die, die zahlen. Da sich der Prostitutionsmarkt auf Anbieterinnenseite also vornehmlich aus Frauen rekrutiert, die sich in (emotionalen, finanziellen, psychischen) Notlagen befindet und die (sexistisch, rassistisch, klassistisch) diskriminiert werden, kann man sich hier zunächst schon die Frage stellen, ob ein System, das darauf angewiesen ist, auf vielerlei Ebenen gewaltvorgeschädigte Personen zu rekrutieren, nicht selber ein System der Gewalt ist. Ob das System der Prostitution ein existierenswertes ist, können wir also nicht davon abhängig machen, ob die einzelne Frau dazu „ja“ gesagt hat oder nicht. Diese Last ist Individuen nicht aufzubürden. Vielmehr gehören die Umstände analysiert, unter denen die betreffende Person „ja“ gesagt hat – wenn sie das überhaupt getan hat: die Polizei in Augsburg berichtet davon, bei bis zu 90% aller Prostituierten deutliche Merkmale von Zwangsprostitution durch Dritte vorzufinden.

    Sicherlich erscheint Prostitution mancher als Mittel, die Armut zu bekämpfen (oder mit ihrer Vortraumatisierung umzugehen), dennoch kann man wohl kaum davon sprechen, dass Prostitution immer eine Wahl ist: denn eine Wahl setzt voraus, dass es mehrere Handlungsoptionen gibt, zwischen denen man sich entscheiden kann. Für die meisten Frauen in der Prostitution war Prostitution aber eben der letzte Ausweg. Das bedeutet: Prostitution ist keine Alternative, sondern der Mangel an Alternativen. Sie gehört nicht als „Wahl“ verklärt, sondern ihr gehören Handlungsalternativen hinzugefügt – die dann wiederum zeigen würden, dass sich die meisten Frauen eben nicht für Prostitution entscheiden würden, wenn sie eine wirkliche Wahl hätten. Jetzt könnte man sagen: gut, es gibt Frauen, die sich unter Zwang prostituieren, aber das ist ja nicht das Wesen der Prostitution, und es ist nur die Zwangsprostitution, die schlecht ist, aber freiwillige Prostitution ist doch okay. Auch das lässt sich aber in Frage stellen. Denn wenn kapitalismuskritisch betrachtet jede Form von Arbeit in einem kapitalistischen System Zwang ist, dann ist „Sexarbeit“ auch Zwang. Da erzwungener Sex aber eben keine „(Sex)Zwangsarbeit“ ist, sondern sexuelle Nötigung, Missbrauch oder Vergewaltigung, wird klar: Prostitution ist immer Gewalt. Denn sie ist ihres Wesens nach ja auch immer fremdbestimmt: es kommt in ihr darauf an, die Sexualität des Freiers zu bedienen (nicht die der Frau), die sexuellen Bedürfnisse des Freiers zu bedienen (nicht die der Frau). Von „selbstbestimmter Sexualität“ kann also in der Prostitution zumindest auf Anbieterinnenseite nicht die Rede sein, das, was geboten wird, ist eingezwängt in die Gegebenheiten des Marktes und die Bedürfnisse der Käufer. Und ist Prostitution wirklich der Verkauf einer „Dienstleistung“? Dem deutschen Recht nach nicht[4]: hier wird eine Dienstleistung definiert als etwas, das man nicht anfassen kann. Jetzt könnte man sagen: ja, aber Altenpflegerinnen, Friseurinnen und Physiotherapeutinnen fassen ihre Kunden doch auch an. Und das tun sie. Der Unterschied besteht darin, dass es hierbei nicht darum geht, wie ihr Körper ausschaut. Grob gesagt: dem Kunden, der die Dienstleistungen einer Physiotherapeutinnen in Anspruch nimmt, ist nur wichtig, dass sie korrekt und gut ihren Job ausübt. Dem Prostitutionskunden hingegen kann nicht nur das wichtig sein, denn sonst wäre es ihm egal, ob z.B. ein männlicher Rentner die Dienstleistung ausübt oder eben eine junge, hübsche Frau. Dienstleistung ist schließlich Dienstleistung, und Blowjob ist Blowjob, oder? Dem ist in der Prostitution nicht so: Freier wollen einen bestimmten Körper, der die sexuelle Handlung vollführt. Er soll z.B. jung sein, hübsch sein, langhaarig, blond oder brünett, schlank oder füllig, mit großer oder kleiner Oberweite… Und damit steht fest: Prostitution ist keine Dienstleistung, sie ist der Kauf – oder besser: das Mieten – eines Frauenkörpers auf Zeit.

    Nehmen wir dennoch mal an, es gäbe so etwas wie die „schlimme Zwangsprostitution“ und die „gute, freiwillige Prostitution“, und beides sei ganz klar zu trennen – wie möchte der Freier sich darüber klar werden, was hier vorliegt? In der Realität ist es so, dass viele Freier sehr wohl wissen, dass Zwangsprostitution vorliegt. Es macht sie geil oder es ist ihnen egal – klar wird, ihre sexuelle Befriedigung ist wichtiger als die Sicherheit von Frauen. Doch selbst wenn ein Kunde glaubt, es läge keine Zwangsprostitution vor: wie kann er sich da sicher sein? Schließlich hat er die prostituierte Frau ja dafür bezahlt, dass sie JA gesagt hat und so tut, als gefiele es ihr. Die volle Wahrheit kennt er naturgemäß nicht. Das bedeutet: er kann nicht ausschließen, dass er gerade eine Vergewaltigung begeht. Ist das im Jahr 2019, in dem wir so heftig über Konsens streiten, eine Art von Sex, die wir noch dulden wollen – ein Sex, bei dem der Mann nachher nicht sagen kann, ob er einen sexuellen Übergriff begangen hat?[5]

    Zudem zeigen Studien, dass auch Frauen, die „freiwillig“ in die Prostitution eingestiegen sind, durch die dort gemachten Erfahrungen traumatisiert werden. 68% erfüllen die Kriterien für eine Posttraumatische Belastungsstörung.[6]

    Wenn man also Prostitution als Gewalt per definitionem betrachtet, ist es natürlich zynisch, darüber nachzudenken, unter welchen Umständen dieser sexuelle Missbrauch stattfinden sollte und unter welchen nicht. Ist der sexuelle Übergriff okayer, wenn er in einer schönen Verrichtungsbox am Strich stattfindet, statt zwischen dem Müll dort? Ist er okayer, wenn er registriert wurde und besteuert? Darum kann es nicht gehen. Einem sexuellen Missbrauch gegen Geld aus welchen Gründen auch immer zuzustimmen, macht keinen Job daraus. Es geht hierbei nicht darum, Frauen für die von ihnen getroffenen Entscheidungen zu verteufeln, sondern die Situation zu analysieren und zu sagen: im Zweifel gehört diese Situation abgeschafft.

    Genau das geschieht in einem System der legalisierten Prostitution nicht.

    Da Entkriminalisierung und Legalisierung häufig durcheinandergeworfen werden, hier eine kurze Erläuterung: Legalisierung bedeutet, sich zu prostituieren ist, ebenso wie Prostitution in Anspruch zu nehmen, grundsätzlich erlaubt. Kriminalisierung bedeutet: für Prostitution werden gesetzliche Extraregelungen geschaffen. Dazu gehören zum Beispiel: Regeln, nach denen Straßenstriche erst ab bestimmten Uhrzeiten geöffnet werden, Sperrbezirke um Kitas, Schulen usw., die Anmeldepflicht, der prostituierte Frauen seit dem ProstSchG2017 unterliegen.

    Mit dem Prostitutionsgesetz von 2002 wurde Prostitution in Deutschland nicht legalisiert, denn Prostitution war in Deutschland nie verboten – aber stark kriminalisiert. Zudem war Prostitution sittenwidrig, was konkret bedeutete, dass ein „Hurenlohn“ vor Gericht nicht einklagbar war. Dies wurde mit dem Gesetz geändert. Ein weiteres Ziel war, Frauen in der Prostitution die Möglichkeit zu geben, sich sozialversichern zu können.  Das ist nicht gelungen: gerade mal 44 Prostituierte sind über die Prostitution sozialversichert. Die meisten Frauen in der Prostitution sind höchstens über den Ehemann in ihrem Herkunftsland krankenversichert und haben keine Altersvorsorge. Steuern zahlen müssen sie dennoch: ironischerweise auch eine „Vergnügungssteuer“, wobei unklar ist, wieso nicht der Freier, der das Vergnügen ja schließlich hat, diese zahlen muss.

    Profiteure der Legalisierung sind Bordellbetreiber und Zuhälter: diese können jetzt nicht mehr wegen Förderung der Prostitution belangt werden. Die Polizei hat nur noch wenig Handhabe, in die Bordelle reinzugehen und Anfangsverdachten von Prostitution Minderjähriger oder Zwangsprostitution nachzugehen. Da vieles um die Prostitution herum entkriminalisiert worden ist, ist Zuhälterei de facto nicht mehr strafbar, nur noch dann, wenn sie als „ausbeuterische Zuhälterei“ mehr als 50% der Einnahmen der Prostituierten kassiert. Prostitution zu legalisieren lohnt sich für diesen Staat: bei den offiziell geschätzten 1,2 Millionen Männern, die in Deutschland täglich (!) eine Prostituierte aufsuchen, beläuft sich der Jahresumsatz des Prostitutionsgeschäftes auf 12 bis 15 Milliarden Euro pro Jahr. Der Staat profitiert in Form von Steuern – und wird damit einer Zuhälterfunktion gerecht, denn Steuern werden auch von Zwangsprostituierten kassiert. Bei der Flucht vor einem Zuhälter aus dem Fenster zu springen, wird jetzt als Arbeitsunfall deklariert[7], eine Statistik über ermordete Frauen in der Prostitution gibt es offiziell nicht mehr, dies sei diskriminierend.

    Nach dem Gesetz von 2002 hat das Prostitutionsgeschäft in Deutschland, auch wegen der EU-Osterweiterung, einen Aufschwung erfahren. Mittlerweile kommen 90% der Prostituierten aus den Armenhäusern Europas. Eingebunden in patriarchale Familiensysteme haben sie kaum eine Chance, denen, die sie zur Prostitution nötigen – ihre Brüder, Väter, Cousins, Ehemänner – und sie in diese verkaufen zu entkommen. Selbst wenn sie entkämen: wohin sollten sie gehen und welche Alternativen könnten sie wählen? Ihre Prostitution wird in Deutschland noch immer verkauft als großartige Chance für sie, sich (und ihren Familien) ein Auskommen zu sichern. Der kolonialistische Aspekt davon, arme, rassistisch und sexistisch diskriminierte Frauen ohne Wahlmöglichkeit zur sexuellen Ausbeutung durch deutsche Männer freizugeben, findet in der allgemeingesellschaftlichen Betrachtung keine Beachtung.

    Das Prostitutionsschutzgesetz von 2017 ist eine Art Nachfolgegesetz des Prostitutionsgesetzes von 2002. Mit ihm wird versucht, die heftigsten Auswirkungen dieses Gesetzes einzudämmen, wie z.B. Clubs, in denen nur AO (alles ohne Gummi) angeboten wird, oder Gangbangpartys, bei denen Gruppenvergewaltigungen  nachgestellt werden, ebenso Flatrateclubs, also Angebote wie das, für 70 Euro alle Frauen des Bordells in allen Stellungen und ohne Gummi anal, oral und vaginal penetrieren zu dürfen (Bratwurst und Getränke inclusive) . Es handelt sich hierbei nicht um einen gesetzgeberischen Umschwung, sondern um eine Detailregulierung innerhalb der Prostitutionslegalisierung.

    Das Gesetz von 2017 gliedert sich in 2 Teile: der eine Teil betrifft Prostituierte, der andere BetreiberInnen bzw. Prostitutionsstätten. Prostituierte müssen sich jetzt anmelden, sie haben die Pflicht, sich einem Beratungs- und Informationsgespräch zu unterziehen sowie einer gesundheitlichen Beratung. Diese ist nicht zu verwechseln mit einer Zwangsuntersuchung (die z.B. in Österreich stattfindet). Bei der Anmeldung wird eine besondere Bescheinigung ausgestellt, der sogenannte „Hurenpass“, der bei der Ausübung der Prostitution mitzuführen ist und auch unter Aliasnamen ausgestellt werden kann. Unter bestimmten Umständen (Person ist noch nicht 18, die Frau ist 6 Wochen vor der Entbindung, Vorliegen von Hinweisen auf Zwang durch Dritte) kann die Anmeldung verweigert werden. Gleichzeitig zur Anmeldung werden die persönlichen Daten dem Finanzamt übermittelt. Die Anmeldepflicht gehört zu den Dingen, die unter „Kriminalisierung von Prostituierten“ fallen – dennoch muss gesagt werden, dass bei aller gegebenen Vorsicht bzgl. der Übermittlung von Daten an Dritte die Anmeldung auch eine Chance für prostituierte Frauen aus Osteuropa sein kann: diese kommen in Kontakt mit Behörden, sie erfahren, an welche Beratungsstelle sie sich wenden können (sofern es in diesem Bundesland eine gibt: in Thüringen gibt es z.B. keine einzige). Sie kann außerdem der Nachweis über die Länge des Aufenthalts in einem Land sein und so helfen, beim Ausstieg Zugang zu Sozialleistungen zu bekommen.  Im Informationsgespräch werden Frauen, die in die Prostitution gehen oder schon darin sind, darüber aufgeklärt, welche lokalen Vorschriften gelten (z.B. Sperrbezirke) , sie werden auf Hilfsangebote (Gesundheitsämter usw.) verwiesen und über ihre Steuerpflicht informiert. Das Gespräch muss in einer Sprache geschehen, die die jeweilige Person versteht. Zwar ist die Tatsache, dass bei deutlichen Hinweisen auf Zwangslagen die Anmeldung auch verweigert werden kann, zunächst ein Schutz für Opfer von Menschenhandel und durch Dritte in die Prostitution verbrachte Personen, sie kann aber auch dafür sorgen, dass diejenigen Personen, die ihre Freiwilligkeit bei der Anmeldung nicht gut genug vorgespielt haben, danach von Zuhältern und Menschenhändlern bestraft oder einfach woanders angemeldet werden.

    Die Gesundheitsberatung findet für alle über 21-jährigen aller 12 Monate statt, für Frauen unter 21 alle 6 Monate. Fragen zu Verhütung, Schwangerschaft, Infektionskrankheiten, Drogen und Alkohol können hier gestellt werden. Verstößt eine Frau gegen die Anmeldepflicht, kann ihr ein Bußgeld auferlegt werden.

    Auch BetreiberInnen unterliegen jetzt neuen Anordnungen. Sie benötigen jetzt für die Eröffnung einer jeden Prostitutionsstätte eine Erlaubnispflicht, d.h. verurteilte Menschenhändler oder Männer, die gegen die sexuelle Selbstbestimmung verstoßen haben, können nicht wie zuvor ein Bordell eröffnen. Bei Verstößen gegen die Kondompflicht oder bei Zwangsprostitution kann diese Erlaubnis wieder entzogen werden. Während das Gesetz einerseits eine Verbesserung bringt, weil Kriminelle jetzt nicht mehr so einfach ein Bordell eröffnen dürfen, muss ganz klar gesagt werden, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit von diesen jetzt einfach Strohmänner und –frauen für die Anmeldung des Betriebs eingesetzt werden. Zudem setzt die Prüfung durch den Staat an alle Freier eine fatales Signal: hier ist alles in Ordnung, sagt die Genehmigung aus, hier kannst du reinen Gewissens Frauen kaufen, der Staat hat alles kontrolliert und genehmigt.

    Dabei ist es doch eigentlich die Verantwortung eines jeden, der einen sexuellen Akt begeht, sicherzustellen, dass ein Konsens besteht. Kein Staat, keine Behörde kann dies der handelnden Person abnehmen – ein sexueller Übergriff ist stets die Verantwortung dessen, der sie direkt ausübt. Warum sollte das bei Freiern anders sein, warum sollten sie aus der Verantwortung genommen werden, indem ihnen vorgegaukelt wird, im staatlich genehmigten Ökobordell sei alles in Ordnung?

    Alle drei Jahre werden die BetreiberInnen jetzt auf Zuverlässigkeit geprüft. Angebote wie Flatrate oder Gangbang sind verboten, bauliche Änderungen müssen vorgenommen werden: z.B. Notfallknöpfe auf den Zimmern (ein deutlicher Hinweis darauf, dass Prostitution auch unter legalen Umständen verdammt gefährlich ist), abschließbare Spinde im Pausenraum usw., zudem dürfen Prostituierte nicht mehr in denselben Betten schlafen, in denen sie ihre Freier bedienen. Die BetreiberInnen haben aus dieser Not mittlerweile eine Tugend gemacht und vermieten den Prostituierten jetzt extra Schlafräume – gegen Cash natürlich. Was als Schutz für Prostituierte gedacht war, die teilweise aus den Bordellen nie rauskommen, wurde hier zur Möglichkeit für BetreiberInnen, Prostituierte nur noch weiter abzuzocken: gleich zwei Mal Miete.

    Betreiber haben jetzt Pflichten: sie müssen sichergehen, dass die Frauen in ihrem Betrieb 18 Jahre alt sind, dass sie der Pflicht zur Gesundheitsberatung nachgehen und angemeldet sind. (Was bedeutet: sie erhalten sehr viele Daten von Prostituierten. Damit wird keine Prostituierte geschützt: jemandem, der von einem finanziell profitiert und der also ein Interesse daran hat, einen auszubeuten, viele Informationen über sich zu geben, ist generell eine schlechte Idee.)

    Neu ist: BetreiberInnen haben jetzt keine Weisungsbefugnis mehr. Zuvor durften sie, obwohl Prostituierte im Bordell de facto scheinselbstständig sind, Weisungen zu Freiern, Praktiken und Preisen erteilen.

    Das ProstSchG von 2017 ändert also nichts daran, dass die legalisierende Prostitutionsgesetzgebung in Deutschland zu vielen hunderttausend sexuell ausgebeuteten Frauen geführt hat. Es versucht nur, nach gutbürgerlicher Doppelmoral, die Auswüchse einzudämmen und das Elend zu verschleiern. Es gibt nur einen Punkt am ProstSchG, der wirklich positiv ist, und das ist die Kondompflicht. Denn hier wird endlich der bestraft, der für das Weglassen des Gummis verantwortlich ist. Ich kenne keine Prostituierte, die gerne ohne Gummi mit ihren Freiern schläft, es ist vielmehr so, dass Freier dies verlangen und ggf. mit Druck oder mehr Geld, unter Ausnutzung der wirtschaftlichen Lage der Frau, dies durchsetzen und die Frau dann unter Umständen anstecken. (Eine Gesundheitsberatung wäre also eigentlich für die Freier viel eher passend…) Bis zu 50.000 Euro Strafe muss ein Freier zahlen, der darauf drängt, das Kondom wegzulassen, auch bei Oralverkehr. Ein derartig großes Bußgeld ist bis dato nicht verhängt worden, die angezeigten Fälle endeten aber bis jetzt sehr wohl mit Strafgeldern im unteren vierstelligen Bereich. Ob die Kondompflicht durchsetzbar ist oder nicht, sie ist zumindest eine Argumentationshilfe für von der Prostitution betroffene Frauen:  sie sind nicht mehr so heftig dem Konkurrenzdruck des Marktes und der Freier ausgeliefert und können jetzt sagen: „das darf ich nicht, es ist verboten und du würdest dafür bestraft werden“. Das ist vor allem in den Fällen von Vorteil, in denen andere für die Frauen die Werbeanzeigen schreiben – oft wissen die Frauen nämlich gar nicht, mit welchem Service sie da angeboten werden.  Die Frauen, die, warum auch immer, Prostitution ohne Gummi anbieten (müssen), können deswegen jetzt wenigstens einen höheren Preis verlangen. Ein Blick in die Freierforen zeigt: dieses Gesetz hat durchaus Auswirkungen auf das Verhalten von Freiern. Auch das Gesetz, nach welchem Kunden von Zwangsprostituierten neuerdings bestraft werden, scheucht die Freiergemeinschaft auf, ist jedoch insofern nutzlos, als dem Freier nachgewiesen werden muss, dass er bewusst und wissentlich eine Zwangsprostituierte aufgesucht hat – was in der Realität so kaum je nachzuweisen sein dürfte.

    Macht die Legalisierung Prostitution denn jetzt wenigstens sicherer? Das Gegenteil ist der Fall. Während BordellBetreiberInnen weitere Zugriffe auf das Leben und die Daten von prostituierten Frauen bekommen und Zuhälterei nur noch geahndet wird, wenn sie übermäßig geschieht, blühen Menschenhandel und Zwangsprostitution in Deutschland ebenso wie die Freiergewalt. Legalisierung bedeutet, nicht zu fragen: Was ist Prostitution? Warum gibt es sie? Und zu was führt sie? Prostitution zu legalisieren bedeutet nur, zu sagen: „ja, das gibt es, lasst uns einen Weg finden, damit umzugehen“. Bei keiner anderen Gewaltform würden wir das sagen. Wir würden niemals sagen: „Die Frau, deren Ehemann sie schlägt, ist doch freiwillig zurückgegangen, deswegen ist es jetzt keine Gewalt mehr, dass er sie schlägt.“ Und wir würden auch niemals sagen: „Frauen, die von ihren Partner geschlagen werden, schämen sich, auf ihnen liegt ein Stigma, sie seien selbst schuld. Das Stigma ist das Problem, lasst uns also Partnergewalt legalisieren, damit die Frauen nichts mehr haben, wofür sie sich schämen müssen.“ Und wir würden auch bei keiner anderen Gewaltform sagen, dass die Gewalt sicherer gemacht werden muss. Unvorstellbar ist es, dass in Deutschland vorgeschlagen würde, Vergewaltigungen zu legalisieren, damit Frauen, die vergewaltigt werden, „sicherer“ sind, weil die Täter sie ja sonst aus Vertuschungs- und Verdeckungsgründen und aus Angst vor der Strafverfolgung umbringen könnten. Bei Prostitution passiert aber genau das. Es wird gesagt: „Das hat es schon immer gegeben.“ (Dass das nicht stimmt, sondern dass Prostitution nicht zufällig gleichzeitig mit der Sklaverei entstanden ist, ist in der Forschung längst angekommen.[8]) Es wird gesagt: „Prostitution brauchen wir, damit es weniger Vergewaltigungen an Frauen gibt.“ Dabei ist gerade diese Annahme es wert, auseinandergenommen zu werden. Denn sie geht davon aus, dass Männer gar nicht anders können, als zu vergewaltigen – sprich, Männer sind der Biologie wegen Vergewaltiger. Nehmen wir an, dass das stimmt, und dass es nicht so ist, dass, wie Feministinnen annehmen, Gewalt gegen Frauen ein ansozialisiertes Herrenrecht für Männer ist, das man auch wieder ent-lernen kann: ist es dann nicht so, dass wir dann mit Männern nicht mehr in einer Gesellschaft zusammenleben könnten, wenn jeder Mann ein geborener Triebtäter ist? Ist es dann nicht so, dass die Lösung wäre, Männer von uns Frauen komplett fernzuhalten, und nicht, unsolidarischerweise eine Gruppe von Frauen für sie zur Verfügung zu stellen, eine Gruppe, an der sie sich abreagieren können, damit die soliden Frauen in Ruhe gelassen werden? Und davon mal ab: Was ist das für ein Männer-, was für ein Frauenbild?

    Übergriffe gegen nichtprostituierte Frauen lassen sich nicht verhindern, indem man Prostitution gestattet. Es ist im Gegenteil so, dass in Gesellschaften, in denen Prostitutionsnutzung als Teil des Männlichkeitsnormativs erweist, deutlich mehr Übergriffe auch auf solide Frauen vorkommen.[9] Das liegt ganz einfach daran, dass Männer eben nicht vergessen, dass sie gerade Lust daran empfunden haben, eine Frau missbraucht zu haben, wenn sie die Bordelltür wieder hinter sich zumachen. Prostitution geht uns alle an, sie betrifft uns alle, nicht nur uns prostituierte Frauen. Auch solide Frauen kriegen ihr Fett weg: sie müssen ebenso mit den Freiern zusammenleben (oft ohne es zu wissen), denn die Freier sind ihre Brüder, Ehemänner, Chefs, Freunde, Kollegen. Sie müssen ausbaden, was Freier im Bordell gelernt haben: dass es unter Umständen okay ist, mit einer Frau zu schlafen, die eigentlich nicht will. Oder extrem demütigende Praktiken an einer Frau auszuüben, die nicht nein sagen kann und darf. Das Frauenbild, das durch die Prostitution generiert wird, betrifft uns alle ohne Ausnahme.

    Legalisieren wir Prostitution, dann nehmen wir uns die Chance, eine Gesellschaft zu formen, wie wir sie gerne hätten. Wir nehmen uns die Fähigkeit, gesellschaftspolitische Visionen zu entwickeln. Warum sollte eine Gesellschaft ohne Prostitution nicht möglich sein? Würden wir vor anderen Aufgaben auch so kapitulieren? Würden wir sagen, ach, Armut, Vergewaltigungen, Unterdrückung, das gibt es alles schon so lange, das ist jetzt so und bleibt jetzt so, kann man eh nicht abschaffen, lassen wir es, wie es ist und betreiben ein bisschen Schadensbegrenzung?

    Das würden wir natürlich nicht tun.

    Und es gibt keinen Grund, für Prostitution eine Ausnahme zu machen. Denn Prostitution hat keinen Nutzen für eine Gesellschaft. Im Gegenteil fügt sie ihr Schaden zu.

    In der legalisierten Prostitution wird nicht hinterfragt, warum Prostitution existiert. Sie existiert einfach. Das führt dann dazu, dass man meint, es allen an der Prostitution Beteiligten besser einrichten zu müssen. Die Frauen am Strich bekommen eine Verrichtungsbox hingestellt und eine Waschgelegenheit, damit sie sich zwischen zwei missbräuchlichen Akten mal frisch machen können. (Signal an die Freier: schau, der Staat baut euch mit Steuergeldern Verrichtungsboxen hin, es ist okay, was ihr tut und unterstützendwert!) In der Schweiz fiel der Polizei schon vor Jahren auf, dass es immer mehr minderjährige Mädchen auf den Strichs gab. Man wollte diese nicht bestrafen, ein ehrenwertes Anliegen. Also erlaubte man die Prostitutionsausübung ab 16 Jahren. (Signal an die Freier: es ist okay, sich sexuellen Zugang zu 16-jährigen Mädchen zu kaufen!) Diese Massnahme wurde wieder zurückgenommen, weil immer mehr Freier ganz junge Mädchen kaufen wollten. Zuhälter und Menschenhändler witterten zurecht das große Geschäft und sorgten für genug Angebot. Beruhigt hat sich dadurch nichts, im Gegenteil standen plötzlich massenweise minderjährige Mädchen auf den Straßenstrichs. Denn eine legalisierte Prostitutionsgesetzgebung hat nicht im Blick, dass sie, wenn sie Freiertum legalisiert, immer auch das Signal sendet, dass dies ein annehmbares Verhalten wäre, und dass Prostitution auf diesen Markt reagieren wird: mehr Legalisierung bedeutet mehr Nachfrage – und die muss befriedigt werden, das bedeutet, es wird, so oder so, freiwillig oder nicht, mehr Angebot rangeschafft, mittels Menschenhandels, mittels Zwangsprostitution. Die wenigsten Frauen gehen dieser Tätigkeit ohne direkten Zwang aus, der größte Teil wird immer direkt gezwungen werden müssen. Wer soll die große Nachfrage also bedienen? Wer Prostitution legalisiert, nimmt damit automatisch Menschenhandel und Zwangsprostitution in Kauf. Und was ist eigentlich Zwangsprostitution? Ist es Zwangsprostitution, wenn eine rumänische Familie die Töchter drängt, hier in Deutschland das Familienauskommen zu verdienen, und wenn diese Mädchen dazu ja sagen, weil sie es nicht anders kennen? Ist es Zwangsprostitution, wenn ich im Bordell keine Freier ablehnen darf, weil ich sonst Ärger mit dem Chef bekomme? Ist es Zwangsprostitution, wenn ein Ehemann seiner Frau den Vorschlag macht, doch im Bordell die gemeinsamen Schulden abzuarbeiten? Es gibt so viele Grauzonen. Bis jetzt ist es so, dass jede Frau einzeln vor Gericht beweisen muss, dass Zwang ausgeübt wurde. „Zwang“ ist aber gesetzgeberisch nicht definiert, das heißt, es kommt auf die Definition des Richters oder der Richterin an. So oder so bedeutet eine legalisierte Prostitution immer, dass es mehr Prostitution gibt.

    Während also Legalisierung einerseits den Freiern nützt, weil Prostitution öffentlich nicht mehr als Missbrauch anerkannt ist und weil sie für die Übergriffe, für die sie gezahlt haben, nicht belangt werden, verbleibt nicht nur das Stigma komplett bei uns Frauen aus der Prostitution[10], nein, es gibt auch kaum noch einen Weg heraus. Denn wenn Prostitution ein Job ist wie jeder andere, braucht es auch keine eine Ausstiegshilfe – eine Friseurin, Ingenieurin oder Lehrerin benötigt ja auch keine Ausstiegshilfe aus ihrem Beruf. Indem der Missbrauch unsichtbar gemacht wird, wird auch verdeckt, was Prostitution an der Frauen selbst anrichtet – jedes Trauma, jede aus der Zeit in der Prostitution herrührende Depression, Zwangserkrankung usw. wird ihr allein angelastet – am Beruf kann es ja nicht liegen. Wir vom Netzwerk Ella haben viele Erfahrungen gemacht mit PsychologInnen, die uns erstmal darüber belehrten, dass Prostitution nicht per se schlecht sei, es seien nur wir, die wir – aus welchen Gründen auch immer, anscheinend übersensible Persönlichkeit? – darunter litten, mit uns könne ja was nicht stimmen. Das ist die Auswirkung, die eine legalisierte Prostitution hat. Alle wollen was von einem ab: die Steuer, die Krankenkasse… aber mit den Schäden bleiben wir allein. Auszusteigen in einer legalisierten Prostitutionsgesetzgebung ist schwer. Denn wer einmal drin ist, der ist bei den Behörden als Prostituierte festgeschrieben, und der wird, ob Finanzamt oder ALG“, vorgeworfen werden, sie verdiene sich heimlich noch was dazu. Da sich nicht beweisen lässt, dass man nicht mehr anschafft (wie sollte das auch gehen?), kommt es hier zu unmöglichen Steuerschätzungen und dazu, dass Frauen, die über HartzIV aus der Prostitution aussteigen wollen, Teile der Minimalsicherung vorenthalten werden, da ihnen unterstellt wird, sie verdienten ja noch. Den Nachteil an der Legalisierung und der völligen Verkapitalisierung des menschlichen Ichs tragen also prostituierte Frauen, aber damit nicht genug. Um die Schmuddelei doch irgendwie einzudämmen, erlässt der Staat bestimmte Regeln, z.B. Sperrbezirke. Er verhängt Bußgelder und zwingt damit Frauen, sich weiter zu prostituieren, um die Strafe zu zahlen und einer Haftstrafe zu entgehen. Was ist das anderes als Zwangsprostitution?

    Halten wir fest: Legalisierung nützt uns Frauen in der Prostitution nichts. Was uns nützen würde, wäre die Entkriminalisierung – aber eben nicht, wie jetzt, die Entkriminalisierung der Freier, Zuhälter und Bordellbetreiber, sondern unsere Entkriminalisierung.

    Und das bedeutet in der Konsequenz: sich zu prostituieren, darf keinen Sonderregulierungen unterliegen und darf nicht verboten sein. Denn die Prostitutionsverbote, wie sie in Russland und in den USA gängig sind, helfen Prostituierten nicht, sondern bedeuten am Ende ja eine für sie verschärfte Kriminalisierung. Die Kriminalisierung die Freier, Zuhälter usw. betreffend, müsste aber eingeführt werden, um deutlich zu machen, dass die Gesellschaft an sich verurteilt, sich mit finanziellen Mitteln Zugang zu anderen Menschen – konkret: zum Geschlecht Frau – zu verschaffen. Der Unterschied besteht ganz einfach darin, dass man Frauen nicht vorschreiben kann, was sie mit dem eigenen Körpern tun, Freiern aber eben sehr wohl, was sie mit dem Körper anderer tun.

    Genau das geschieht im Nordischen Modell. Das Nordische Modell ist ein Maßnahmenpaket, und es besteht aus 5 Punkten:

    1. Der Anerkennung der Tatsache, dass Prostitution sexuelle Gewalt gegen Frauen ist und Gleichstellung verhindert.

    2. Der völligen Entkriminalisierung der prostituierten Frau.

    3. Ausstiegshilfen.

    4. Der Einführung der Freierbestrafung.

    5. Aufklärung über Prostitution, z.T. auch schon in der Schule.

    Das Nordische Modell wurde nach jahrzehntelanger Forschung und Rücksprache mit Betroffenen 1999 zuerst in Schweden implementiert. (Und mittlerweile auch in Norwegen, Island, Frankreich, Irland, Kanada und Israel.) Freiertum wird als Suchtkrankheit behandelt, auch für Freier gibt es Beratungsstellen. In Kanada werden z.B. Freier gezwungen, an einem Sensibilisierungskurs teilzunehmen, in welchem sie konfrontiert werden mit den Konsequenzen, die ihre Handlungen haben. Die Freier müssen diese Kurse bezahlen – der Erlös geht an Hilfestellen für prostituierte Frauen. Kommen die Freier dem Zahlungsbescheid nicht nach, wird ihr Auto beschlagnahmt. Durch die normative Wirkung des Gesetzes ist es zudem in Schweden zu einer Einstellungsänderung gekommen – war vor der Einführung des Gesetzes noch die Mehrheit der Gesellschaft, vor allem die Männer, gegen ein Sexkaufverbot, sind jetzt 70% der Gesamtbevölkerung dafür[11]. Die Anzahl der Freier nahm im Zeitraum von 1996 bis 2006 um je 0,5%-Punkte im Jahr ab und lag im Jahr 2006 noch bei 8% der männlichen Bevölkerung.[12] Dies sind Zahlen von denen wir in Deutschland nur träumen können: je nach Statistik geht jeder fünfte[13] bis zehnte[14] Mann regelmäßig ins Bordell. Wenn es über das Nordische Modell gelänge, diese Zahlen zu minimieren, wäre das also schon ein Fortschritt – was KritikerInnen des Nordischen Modells, die immer wieder betonen, es gäbe ja Prostitution auch in Schweden immer noch, nämlich gerne vergessen: ja, es gibt sie noch, aber eben quantitativ weniger. Prostitution ist nicht einfach „da“, sie findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern wieviel es von ihr gibt und wie sie sich gestaltet, kann durchaus beeinflusst werden.

    Dadurch, dass die Kunden fürchten, wegen Sexkaufs angezeigt zu werden, bleiben sie eher weg und es findet, wenn doch ein Sexkauf stattfindet, eine deutliche Machtverschiebung statt: wo jetzt in der Legalisierung eine gebuchte Stunde durchaus mal zu einem durch die prostituierte Frau nicht anzeigbaren Hatefuck werden kann, sind Freier im Nordischen Modell eher bemüht, keine weiteren Grenzverletzungen zu begehen, denn allein, dass sie eine Frau angesprochen und ihr Geld für Sex geboten haben, ist bereits strafbar. Dass, wie von GegnerInnen des Nordischen Modells behauptet, Gewalt gegen Prostituierte zugenommen hätte, haben die Evaluationen des Gesetzes aus Norwegen und Schweden nicht bestätigt[15]. Das Nordische Modell schützt also nicht nur Frauen davor, in die Prostitution zu geraten, es schützt auch die Frauen, die in der Prostitution sind.

    Durch die verminderte Nachfrage ist es unlukrativ geworden, eine Frau nach z.B. Schweden zu handeln und sie dort zur Prostitution zu zwingen. Die Formel lautet: weniger Nachfrage, weniger Angebot, und damit automatisch weniger Menschenhandel und Zwangsprostitution. Es gibt nur zwei Wege, Zwangsprostitution und Menschenhandel zu verhindern, dies ist eben zum einen das Nordische Modell mit seiner Nachfrageminimierung und zum anderen, wie in Deutschland, ein legalisierter Markt, der durch permanente Razzien kontrolliert werden muss, wenn auch völlig unzureichend. Wir vom Netzwerk Ella haben uns bereits gegen diese Razzien ausgesprochen, weil sie unter der deutschen Gesetzgebung nur Ausdruck der Doppelmoral eines Staates sind, der einerseits durch seine Prostitutionspolitik dafür sorgt, dass Frauen nach Deutschland gehandelt und hier sexuelle ausgebeutet werden und sich andererseits dann durch diese vereinzelten Razzien zum Retter zwangsprostituierter Frauen stilisiert.[16] Es ist auch nicht einzusehen, warum prostituierte Frauen mit der Polizei zu tun haben sollten, während die Hintermänner regelmäßig um Verurteilungen herumkommen. Hinzu kommt, dass in Deutschland eben auch Polizisten ungestraft Freier sein dürfen und dann auch sind.[17] Es lässt sich ganz einfach ausrechnen, mit welchem Frauenbild solche Männer die „befreiten“ Frauen konfrontieren.[18] Kann man solch einer Polizei vertrauen? Eher nicht, im Gegenteil öffnet es Tür und Tor für Erpressungs- und Missbrauchssituationen. In Schweden hingegen ist es keine Privatsache, ob jemand zu Prostituierten geht. Menschen, die z.B. im öffentlichen Dienst arbeiten, können, wie bei der Polizei[19], vom Dienst suspendiert oder gefeuert werden, wenn sie sich als Freier hervortun.

    Das Nordische Modell hat auch bei der Polizei, nicht zuletzt durch den Kontakt mit prostituierten Frauen und dem Austausch mit SozialarbeiterInnen, zu einem Einstellungswechsel geführt. Prostituierte werden nicht mehr als kriminell oder verdorben, sondern als in einer Notlage feststeckend wahrgenommen.[20] Das ist definitiv begrüßenswert und schafft mehr Vertrauen. Die Prostitution Units, die den Sexkauf ahnden, sind geschulte PolizistInnen. Gibt es keine Hinweise auf Straftaten (Zuhälterei usw.), wird nur noch eine Sozialarbeiterin hinzugezogen, deren Hilfe die prostituierte Frau natürlich auch verweigern kann.

    Anders als im deutschen Modell hängt es auch nicht vom Opfer ab, ob eine Anzeige wegen Zuhälterei und Menschenhandel ergeht oder nicht. Während in Deutschland jedes Opfer einzeln anzeigen, die Zwangslage beweisen und aussagen muss (was die betroffene Frau in eine schwere Gefahrenlage versetzen kann), gelten in Schweden objektive Kriterien dafür, was Zwang, Menschenhandel und Zuhälterei ist. Für letzteres reicht es z.B. aus, Geld von der betroffenen Frau genommen zu haben.

    Entgegen der oft vorgebrachten Kritik, Prostitution wandere in den Untergrund, wenn man ein Sexkaufverbot erließe, ist Prostitution für alle, die sie angeht immer noch leicht auffindbar. Das liegt daran, dass Prostitution nicht in dunklen Ecken stattfinden kann[21], sondern sichtbar sein muss, damit Prostituierte und Freier sie finden – und wenn Freier das herausfinden können, können PolizistInnen und SozialarbeiterInnen das auch.[22] Der Untergrund, der so gern auf Schweden projiziert wird, findet im Gegenteil hier in Deutschland statt: obwohl Prostitution legal ist, gibt es dennoch den Tatbestand der verbotenen Prostitution, wie z.B. im Sperrbezirk, für den die prostituierte Frau bestraft werden kann. Zugleich findet der Missbrauch vor aller Augen statt, denn in jeder größeren Stadt sind mittlerweile Megabordelle zu finden.

    Nicht zuletzt: seit der Einführung des Nordischen Modells in Schweden hat es, statt wie in Deutschland über 80, nur einen einzigen Mord an einer prostituierten Frau gegeben (und der wurde nicht ausgeführt von einem Freier, sondern von ihrem Exfreund).

    Das Nordische Modell ist auch das, was wir vom Netzwerk Ella fordern, denn es geht gegen Prostitution, aber nicht gegen Prostituierte vor. Es beschämt nicht die einzelne Prostituierte, sondern kritisiert, in welchen Strukturen sich Dinge abspielen und verändert diese, statt jede einzelne Frau für die Existenz der Prostitution verantwortlich zu machen, nur weil diese unter bestimmten Umstände zu dieser vielleicht ja gesagt hat. Frauen dafür verantwortlich zu machen, in welchen Strukturen sie sich bewegen / bewegen müssen, ist nicht feministisch, das gilt bei Abtreibung ebenso wie bei partnerschaftlicher Gewalt, sexueller Belästigung usw. – man würde ja auch nicht an den Frauen rumregulieren, die von ihren Ehemänner geschlagen werden, sondern an den Ehemännern. Wichtig ist, dass das Nordische Modell komplett umgesetzt wird, jeder der 5 Punkte muss fest installiert und gesichert sein, auch finanziell – eine reine Verkürzung auf die Freierbestrafung funktioniert nicht! Ohne Ausstiegshilfen oder die Entkriminalisierung prostituierter Frauen geht es nicht. Für viele Frauen ist Prostitution die letzte Option, und es darf nicht darum gehen, ihnen diese wegzunehmen, sondern, weitere hinzuzufügen. Wir vom Netzwerk Ella fordern auch Gefängnisstrafen statt der bisher im Nordischen Modell implementierten Bußgelder. Zwar steht jeder prostituierten Frau in Schweden bis dato frei, zu der ordnungspolitischen Bußgeldmaßnahme, die der Freier erhält, auch eine Anzeige wegen Vergewaltigung zu stellen, aber wir finden, dies sollte automatisch geschehen. Wenn die wirtschaftliche Notlage einer Frau auszunutzen, um sexuelle Handlungen an ihr zu vollziehen, eine Gewalttat ist, darf dies nicht mit einem Bußgeld erledigt sein!

    Wir wenden uns außerdem gegen jede Regulierung, die prostituierte Frauen betrifft, weil diese Regelungen es uns Frauen noch schwerer machen, auszusteigen. Mit Haftstrafen und Bußgeldschulden steigt es sich nicht mehr so leicht aus!

    Immer wieder: gegen Prostitution sein kann jedeR, aus den unterschiedlichsten Gründen, aber wir sind Abolitionistinnen, und das bedeutet: gegen Prostitution, aber für Prostituierte zu sein. Und das bedeutet eben auch: nicht zu spalten in „die arme unschuldige Zwangsprostituierte“ und „die freiwillige deutsche studierende Prostituierte“. Auch letztere haben ihre Gründe für das, was sie tun, und sie schulden uns keine Erklärung für ihr Verhalten. Und nein, auch sie sind nicht schuld daran, dass es Prostitution gibt – Prostitution gibt es, weil es Freier gibt. Ohne Nachfrage kein Markt! Es geht darum, solidarisch zu sein mit Prostituierten, auch wenn uns ihre Meinung, wie oft bei sog. Sexworkerinnenverbänden, nicht passt, denn die Strukturen betreffen auch sie, und diese sollten wir kritisieren, nicht die Frauen, die in ihnen handeln, und hier gehören Argumente her, auf Sachebene, keine persönlichen Beschuldigungen.

    Feminismus bedeutet, Frauen zu befreien und nicht, ihre Ausbeutung bestehen zu lassen und lediglich ein bisschen erträglicher zu machen. Prostitution ist nicht deswegen verkehrt, weil es in ihr Menschenhandel und Zwangsprostitution gibt, sondern weil sie Gewalt an sich ist. Das Nordische Modell ist das einzige gesetzgeberische System, das Prostitution als Gewalt erkennt, als sexistische, rassistische und klassistische Gewalt gegen Frauen, und das konsequent danach handelt. Es kann nicht nur um den Ausstieg einzelner Frauen aus der Prostitution gehen, wenn wegen der hohen Nachfrage doch sogleich eine neue nachrückt, sondern es geht um den Ausstieg der Gesellschaft aus der Prostitution.

    Es geht um die gesellschaftliche Entscheidung: ist Prostitution sexuelle Gewalt oder nicht?

    Und wenn sie das ist, müssen wir die Konsequenzen ziehen, denn eine Gesellschaft, die Prostitution akzeptiert, ist eine Gesellschaft, die Gewalt gegen Frauen akzeptiert.

    (c) Huschke Mau 2019

    Please note: Dieser Text wird in einem Sammelband über Prostitution des Feministischen Bündnisses Heidelberg erscheinen.

    QUELLEN:


    [1] https://huschkemau.de/

    [2] https://netzwerk-ella.de/

    [3] Melissa Farley, eine u.s.-amerikanische Psychologin, hat herausgefunden, dass 57% der Frauen und Mädchen in der Prostitution davon berichten, in der Kindheit sexuell missbraucht worden zu sein, 49% berichten von teilweise schweren körperlichen Misshandlungen. Farley, Melissa, Prostitution in five Countries, 1998, S. 11: http://www.prostitutionresearch.com/ProstitutioninFiveCountries01182013.pdf, Datum des Abrufs: 14.10.2019

    [4] Nimierski, Saskia, Sachgutbenutzung versus Dienstleistung – oder: warum Prostitution keine Dienstleistung wie jede andere ist, 2018, https://netzwerk-ella.de/index.php/2018/03/02/sachgutbenutztung-versus-dienstleistung-oder-waum-prostitution-keine-dienstleistung-wie-jede-andere-ist/, Datum des Abrufs: 14.10.2019

    [5] Mau, Huschke, Warum ist Prostitution Gewalt?, 2019, https://huschkemau.de/2019/08/30/freiwilligkeit-und-prostitution/, Datum des Abrufs: 14.10.2019

    [6] Farley, M.; Cotton, A.; Lynne, J.; Zumbeck, S.; Spiwak, F.; Reyes, M. E.; Alvarez, D.; Sezgin, U. (2003): Prostitution and Trafficking in Nine Countries: An Update on Violence and Posttraumatic Stress Disorder. In: Journal of Trauma Practice. 2(3/4): 33-74.

    [7] Kleine, Inge, It´s an accident, stupid!, 2016, https://banishea.wordpress.com/2016/08/19/its-an-accident-stupid/, Datum des Abrufs 14.10.2019

    [8] Sigel, Mira, Die Geschichte der Prostitution – keineswegs das älteste Gewerbe der Welt, 2016, https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-prostitution-keineswegs-das-aelteste-gewerbe-der-welt/, Datum des Abrufs: 14.10.2019

    [9] Kalms, Nicole, No harm done? ‘Sexual entertainment districts’ make the city a more threatening place for women, 2017, https://theconversation.com/no-harm-done-sexual-entertainment-districts-make-the-city-a-more-threatening-place-for-women-81091, Datum des Abrufs: 14.10.2019

    [10] Gwynne, Jacqueline, Myth: Legalising Prostitution reduces the Stigma, o.D., https://nordicmodelnow.org/myths-about-prostitution/myth-legalising-prostitution-reduces-the-stigma/, Datum des Abrufs: 14.10.2019

    [11] Schon, Manuela, Das Nordische Modell – über Mythen, blinde Flecken und Realität, 2014, https://manuelaschon.blogspot.com/2016/04/das-nordische-modell-uber-mythen-blinde.html, Datum des Abrufs: 14.10.2019

    [12] ebenso

    [13] Udo Gerheim: Motive der männlichen Nachfrage nach käuflichem Sex. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 9/2013, S. 44.

    [14] https://dieunsichtbarenmaenner.wordpress.com/statistiken-ueber-freier/

    [15] Schon, Manuela, Die Evaluation des norwegischen Sexkaufverbots, 2014, https://abolition2014.blogspot.com/2014/08/evaluation-des-norwegischen.html, Datum des Abrufs: 14.10.2019

    [16] Netzwerk Ella, Pressemitteilungen zu den bundesweiten Bordellrazzien am 18. April 2018, 2018, https://netzwerk-ella.de/index.php/2018/04/19/pressemitteilungen-zu-den-bundesweiten-bordellrazzien-am-18-april-2018/?fbclid=IwAR2ddHw07GBGJMIRJgXu86oRGLQjs2CNYBebjzZHv1tQQuHnTa_iAJC2hlE, Datum des Abrufs: 14.10.2019

    [17] Und nicht nur das: mein 1. Zuhälter war beim damaligen Bundesgrenzschutz, jetzt Bundespolizei.

    [18] Ich hatte viele Freier, die Polizisten waren. Einer davon ermittelte beruflich gegen Menschenhandel. Als ich ihn fragte, wie er das übereinbekomme, schaute er mich an und sagte: „Ach, wieso, ich tu ja hier keinem weh, du willst das doch, du machst das doch freiwillig.“ Und das war eine Feststellung, keine Frage.

    [19] Schon, Manuela: Schweden: Polizist wegen Prostitutionsnutzung suspendiert, 2018, https://abolition2014.blogspot.com/2018/05/schweden-polizist-wegen.html, Datum des Abrufs: 14.10.2019

    [20] Häggström, Simon, Shadow’s Law: The True Story of a Swedish Detective Inspector Fighting Prostitution (English Edition), 2016

    [21] Mau, Huschke, “Wenn wir das Nordische Modell einführen, wandert Prostitution in den Untergrund” – eine kleine Aufklärung, 2019, https://huschkemau.de/2019/09/14/wenn-wir-das-nordische-modell-einfuehren-wandert-prostitution-in-den-untergrund-eine-kleine-aufklaerung/, Datum des Abrufs: 14.10.2019

    [22] Schon, Manuela, Mythbusting: Wenn man Sexkauf verbietet, wandert die Prostitution in den Untergrund, 2017, https://abolition2014.blogspot.com/2017/01/mythbusting-wenn-man-sexkauf-verbietet.html, Datum des Abrufs: 14.10.2019

    Sind Edelprostitution und Escorts etwas anderes als Prostitution?

      In letzter Zeit häufen sich mal wieder die Artikel über Escorts und Edelprostituierte, und ihnen gemein ist der Tenor: das ist doch was ganz anderes als Prostitution, also muss es auch anders behandelt werden!
      Aber ist das wirklich so?

      Ich war auch im Escort, nachdem ich in 2 Wohnungsbordellen gewesen war. Das bedeutet konkret: Haus- und Hotelbesuche, und auch mal essen gehen, oder Theater usw – und danach halt ins Hotel.
      Ja, es ist etwas anderes, als im Bordell zu sitzen und 10 Stunden lang rumzuhocken, sich einem Freier nach dem anderen vorzustellen und ihn abzufertigen (oder halt mit Leerlauf und Langeweile klarzukommen).
      Im Prinzip verstehe ich aber die Medien nicht, wenn sie behaupten, das sei etwas grundlegend anderes. Warum sollte es das sein?
      Im untenstehenden Artikel wird eine Escortdame interviewt, und auch wenn der / die InterviewerIn zu dem Schluss kommt, das sei ja etwas ganz anderes als Prostitution, erzählt sie doch eigentlich, dass es dasselbe ist.

      Macht es einen Unterschied, ob die Prostitution in „Luxusrestaurants, Fünfsternehotels und Opernhäusern“ stattfindet oder auf dem Strassenstrich?
      Einerseits ganz sicher, denn es gibt mehr Geld. Dafür ist es aber auch so, dass eine Arbeit hinzukommt, die bei der 10-Minuten-Nummer auf dem Strich nicht verlangt wird: die emotionale. Auch für ein Escorttreffen muss man – und davon berichtet diese Frau auch – in eine andere Rolle schlüpfen, um das ICH zu schützen. Zunächst macht man sich fertig für den male gaze, den männlichen Blick: das heisst, stundenlang am eigenen Körper zu werkeln, bis der so ausschaut, dass er begehrenswert und konsumierbar für den Mann erscheint. Da beginnt es, das sich-verbiegen, das in-eine-Rolle-schlüpfen, das jemand-anders-werden.

      Habt ihr euch mal gefragt, warum wir Frauen aus der Prostitution uns einen anderen Namen geben, wenn wir anschaffen gehen? Das ist nicht nur, um uns vor dem Erkanntwerden, dem Stigma und potentiell sehr anhänglichen Freiern zu schützen, die versuchen, etwas über uns rauszukriegen. Es ist auch, weil wir Theater spielen: Du hast einen anderen Namen, Du trägst andere Klamotten, Du verhältst Dich so, wie Du denkst, dass der Freier es wünscht – nicht so, wie Du eigentlich bist. Es ist wie im Theater, und es nennt sich: Dissoziation. Es ist ein Mittel und eine Strategie, Distanz zu schaffen zwischen mir und einem Ereignis, das ich eigentlich nicht erleben will, nämlich dass ich jemandem, dem ich eigentlich nicht nahekommen will, sexuelle Befriedigung verschaffen werde.

      Und wenn es mir nachher nicht gut geht damit, weil es eben potentiell traumatisierend ist, mit jemandem zu schlafen, mit dem man nicht schlafen will, dann kann ich sagen: das ist ja gar nicht mir passiert, das ist der Frau passiert, die ich gespielt habe. Es ist die Rolle, die Figur, der das geschehen ist, aber ich bin heile geblieben, weil ich mich ganz tief in mir verkrochen habe, so, dass mich nicht trifft, was da passiert. Manche Frauen können dissoziieren, weil sie vorher schon sexuelle Gewalterfahrungen gemacht und gelernt haben, sich bei erneutem Missbrauch vom Körper zu trennen. Manche Frauen lernen es in der Prostitution, manche können es irgendwann nicht mehr und brauchen Drogen und Alkohol dazu. Ich habe mir manchmal vorgestellt, dass wir gefilmt werden und ich das hier alles bloss für eine Kamera spiele, dass es gar nicht wirklich passiert, sondern nur gedreht wird, geschauspielert wird. Das hat mir geholfen, meinem Impuls, auf den sexuellen Missbrauch zu reagieren, nicht nachzugeben (indem ich zum Beispiel: das Gesicht verziehe, weine oder die Flucht ergreife), sondern den Freier, der an mir sexuelle Handlungen vornimmt, die ich eigentlich nicht vornehmen will, auch noch anzulächeln.

      Fest steht: Dissoziation ist ein Skill, das dabei hilft, Vergewaltigungen und Traumata zu überleben. Welcher Job hat sowas bitte in der Jobbeschreibung? Was in den Medien oft als ach so spannendes „Doppelleben“ beschrieben wird, als prickelndes „Ich schlüpfe gern in neue Rollen“ und als „es ist so aufregend, ich werde jemand anderes und probiere mich sexuell aus“ ist Dissoziation und sonst nichts.

      Das ist, was Escort und Edelprostitution mit jeder anderen Art der Prostitution gemein haben. Nur, dass es eben nicht mehr reicht, die Dissoziation auf den rein sexuellen Akt zu beschränken, sondern dass der Kunde eben vorher noch anderes will: emotionale Arbeit. Reden. (Und ich muss den Part im Gespräch einnehmen, den er sich wünscht: die Zustimmerin, die Freche, die hart zu knackende Nuss, die Bewundererin.) Und: so tun, als wäre er sowas von begehrenswert. Und das kostet oft richtig doll Mühe und ist eigentlich nichts anderes als eine permanente Verleugnung des Selbst, der eigenen Impulse (Ekel z.B. oder Langeweile), des eigenen Ichs. Und das schadet auf Dauer halt auch.

      Ich kenne Frauen, die irgendwann nicht mehr damit klarkamen, von ihren Freiern vollgelabert zu werden, weil sie das als anstrengender empfunden haben, als eine Nummer nach der anderen zu schieben, bei der sie weder quatschen noch zuhören müssen noch ewig so tun, als fänden sie das hier geil.
      Im Escort geht es auch nicht darum, sich sexuell auszutoben. Zumindest nicht für die Frau. Auch hier ist alles auf den Mann ausgerichtet: wie gefalle ich ihm, welche Rolle soll ich für ihn spielen, was möchte er, was gefällt ihm? Und es mag Gäste geben, die sagen: „Ich will, dass es dir auch gefällt.“ Dahinter steht aber eigentlich: ich will nicht nur, dass du deine Rolle spielst und mir Befriedigung verschaffst, ich will, dass du auch noch so richtig authentisch vorspielst, du fändest das hier geil und aussergewöhnlich, und: ich will ein Stück echtes Ich von dir, ich will mehr von dir als die Rolle. Und das ist eigentlich nur eins: vereinnahmend – und anstrengend.

      Wenn ihr das nächste Mal in den Medien lest, Luxusprostitution oder Escort sei ja so was anderes als Prostitution: fallt nicht drauf rein. Was uns als „prickelndes Doppelleben“ verkauft wird, ist eine Überlebensstrategie, die uns von anderen Missbrauchsopfern bekannt ist.

      Wenn ihr demnächst wieder im Restaurant sitzt, schaut doch mal nach links oder rechts: ja, genau, der Typ da. Könnt ihr euch vorstellen, mit dem jetzt 3 Stunden essen und ins Theater zu gehen, ohne ihn merken zu lassen, dass er euch anekelt, langweilt, zuwider ist oder dass seine Meinung zu verschiedenen Dingen der euren diametral entgegensteht? Könnt ihr euch vorstellen, danach mit ihm ins Bett zu gehen, ohne ihn spüren zu lassen, dass euch das nicht gefällt? Nein?
      Tja.
      Dann ist Escort wohl doch nichts anderes als der übliche sexuelle Missbrauch, der in der Prostitution stattfindet.
      Trust your guts!

      Zwischen den Fronten

        Waaaaaah. Gerade macht Presseschau mal wieder überhaupt keinen Spass.
        Die FPÖ in Österreich möchte Asylbewerberinnen verbieten, mit Prostitution Geld zu verdienen, während ihr Verfahren noch läuft.

        Erstmal den Kopf aufräumen. Und dann feststellen: wir Frauen in und aus der Prostitution sind mal wieder die Gearschten. Aber von vorne.

        Österreich ist ein Land mit einer äusserst konservativen Prostitutionspolitik. Das bedeutet: Freier sein ist voll okay, Prostitution ist voll okay, Prostituierte sind pfui. Und weil sie pfui sind, müssen prostituierte Frauen dort alle 6 Wochen zu einer verpflichtenden medizinischen Untersuchung. Ja, ihr habt richtig gelesen: UNTERSUCHUNG. Nicht Beratung. UNTERSUCHUNG. Ja, das bedeutet: so richtig mit ab auf den Gynstuhl, Beine breit und drin rumfummeln. Unschön? Nicht nur das. Sondern ein klarer Verstoß gegen die Menschenwürde und gegen die körperliche Selbstbestimmung von Frauen. Und wenn ich mir das mal kurz erlauben darf: unsere werte CDU hier wollte genau das ins 2017 in Kraft getretene ProstSchG einschreiben. Denn augenscheinlich kommt es bei prostituierten Frauen auf einmal mehr Beinebreitmachen dann schon gar nicht mehr an. Aber wir wundern uns ja nicht jetzt, dass von Frauenfeinden frauenfeindliche Vorschläge kommen.
        Jedenfalls ist es in Österreich so, dass Asylbewerberinnen und Asylbewerber nicht arbeiten dürfen, während ihr Verfahren läuft. So weit, so scheisse. Aber prostituieren dürfen sie sich. So weit, so noch scheisserer. Es riecht nach Kolonialismus hier und nach einer fetten Kombi aus Rassismus und Frauenverachtung – die Arbeitsplätze dürfen AsylbewerberInnen keinem wegnehmen dürfen, gell, aber unseren weissen Herren die Schwänze lutschen, das geht. Passt schon.

        Das ist ein Zustand, der geändert werden muss. So weit so klar. Jetzt kommt ausgerechnet die rechte FPÖ ums Eck und befindet, dass nichtösterreichische Frauen von Schleppern, Menschenhändlern und anderen Kriminellen unter Druck gesetzt werden, sich zu prostituieren. Und damit hat die FPÖ auch noch recht! Erwartungsgemäss kommt aber kein ordentlicher Lösungsvorschlag. Denn die FPÖ fordert ein Prostitutionsverbot für Asylbewerberinnen. Das ist deswegen bescheuert, weil es zu kurz gedacht und, wie anders zu erwarten von den rechten, frauenfeindlich ist. DENN. Frauen werden in Österreich in die Prostitution gedrängt, weil es so viele Freier gibt, die die Nachfrage stellen. Damit ist es für Kriminelle klar, dass es sich lohnt, Frauen in Österreich zur Prostitution zu zwingen. Da kann man richtig Kohle machen bei. Sind ja genug Abnehmer da! Aber anstatt logisch vorzugehen und ein Sexkaufverbot zu fordern und damit die Nachfrage zu reduzieren und es für Menschenhändler und Zuhälter unrentabel zu machen, Druck auf Frauen auszuüben, lässt sich die FPÖ an den Frauen aus. Denn das Herrenrecht, eine Gruppe von Frauen zur ständigen sexuellen Verfügbarkeit in sklavenähnlichen Zuständen zu halten, das darf nicht angetastet werden.

        Stattdessen wird an prostituierten Frauen rumreguliert. Wo ist da der Sinn? Warum reguliert man an denen rum, die Gewalt erfahren? Denn eine Asylbewerberin, die dabei erwischt wird, wie sie sich prostituiert oder wie sie prostituiert wird, hat ganz gewiss straf- und aufenthaltsrechtliche Konsequenzen zu befürchten. Was soll das? Bestrafen wir jetzt Opfer von Gewalt? Würden wir auch an Frauen rumregulieren, die von ihrem Partner geschlagen werden? Würden wir sie bestrafen, weil es ja schliesslich verboten ist, jemanden zu schlagen, und sie aber geschlagen worden sind? Niemals, das ergäbe überhaupt keinen Sinn. Aber genau das wird hier vorgeschlagen.

        Ich konstatiere: der Lösungsvorschlag ist zum kotzen. Genauso zum kotzen ist aber auch, dass die FPÖ die einzige Partei ist, die das Problem anspricht. Aus allen anderen Ecken hört man dazu mal wieder nur die Grillen zirpen. Denn während die FPÖ wenigstens zu ihrem Frauenhass steht und kein Problem damit hat, ihn offen herauszuposaunen, wird das Thema „In Deutschland und Österreich werden Frauen aus armen Schichten, mit gewaltbesetzten Biographien und aus anderen, als minderwertig erachteten Ländern dafür hergenommen, dem weissen Herrenmenschen die Schwänze zu lutschen“ hier unter den Tisch fallen gelassen. Warum? Nun, weil unsere „bürgerliche Mitte“ und leider auch die Linke nicht wirklich ein Problem mit Frauenhass hat, sondern ihn uns noch als Empowerment, choice und Befreiung verkauft. Und das bisschen Rassismus und Klassismus, dass da am Sexismus dranklebt, ach, man nimmt es in Kauf. Kommt ja schon nicht mehr drauf an, gell?
        Nicht mal Organisationen, die explizit für Frauenrechte eintreten sollten, haben uns Frauen aus der Prostitution noch auf dem Schirm. Auf den Lösungsvorschlag der FPÖ angesprochen, sagt eine österreichische Beratungsstelle für Frauen aus der Prostitution: „”Wir haben oft Frauen beraten, die in sehr langen Verfahren steckten, und wir wissen, dass es für die Menschen positiv ist, wenn sie das Gefühl haben, dass sie auch erwerbstätig sein können. Auch wenn es Sexarbeit ist.”

        Einfach mal sacken lassen.

        Und sich dann fragen, wer überhaupt für uns eintritt. Die Rechte? Ganz sicher nicht. Die Linke? Kann man allzu oft nur abwinken, selbst als sehr linke Person. Feministinnen? Solange sie nicht radikalfeministisch sind: goodbye.
        Schade. Die einen wollen an uns rumregulieren, die anderen wollen auch ein Stück von unserer sexuellen Ausbeutung und die wieder anderen reden unsere Ausbeutung schön.
        So wird sich an den herrschenden Zuständen niemals was ändern!

        Eiswürfelherzmomente – Wenn man in der Prostitution die Seiten wechselt

          Mein Name ist Huschke Mau, ich bin Exprostituierte, und auch wenn ich weiss, und am eigenen Leib erfahren habe, dass Prostitution Gewalt gegen Frauen ist, schreibe ich heute darüber, dass ich mir wünsche, dass eine Zuhälterin ein bisschen mehr Solidarität erfährt.
          Das klingt schockierend – wie begründe ich das?

          Der Stern-Artikel zu Schwesta Ewas Biographie hat für ganz schön Furore gesorgt. Die Rapperin war nach gewaltbesetzter Kindheit lange selber in der Prostitution und sie hat später andere, teils Minderjährige, in die Prostitution vermittelt, und dazu nicht nur das Abhängigkeitsverhältnis, welches bestand (es waren weitaus jüngere Fans) ausgenutzt, sondern sich auch körperlicher Gewalt bedient.
          Vorab: Dass sie dafür bestraft wird, ist natürlich richtig.

          ABER.
          In den Kommentarspalten tobt dazu mal wieder der Mob. Leute, die sonst nichts dagegen haben, dass es eine Riege von Frauen und Mädchen gibt, die die Gesellschaft, oft schon von Vornherein und von der Kindheit an, zum Abschuss freigegeben hat, Leute, die sich gerne selber der Prostitution bedienen, Leute, die vielleicht selber Schwesta Ewas minderjährige Fans ganz gerne mal auf Hausbesuch gehabt hätten, beschimpfen jetzt die Frau, die dafür gesorgt hat, dass das, was sie nutzen (Prostitution, Prostituierte) zur Verfügung gestellt werden konnte.
          Wie verlogen ist das?
          Es ist so deutlich, dass diese Art nur so vor Doppelmoral trieft.
          Freier sein?
          Kein Thema, ist doch normal.
          Hure sein?
          Boah, die Schlampe. Hat es nicht anders verdient.
          Zuhälterin sein? OMG GANZ SCHLIMM, ABSCHAUM.
          Was soll das? Wer Prostitution nutzt, mag, verteidigt, der sollte sich im Klaren darüber sein, dass Prostitution nie sauber ist. Kein Freier kann genau wissen, ob die prostituierte Frau gerade aus ökonomischen Zwängen mit ihm schläft, ob sie Kindheitstraumata reinszeniert, ob sie sonst von Zuhälter (oder von Schwesta Ewa) auf die Fresse kriegt.
          Die Empörung, die sich in den Kommentarspalten zeigt, weist nicht darauf hin, dass diese Gesellschaft etwas dagegen hat, dass es Mädchen und Frauen gibt, denen weder in der Kindheit noch in der Zeit danach geholfen wird, sich vor sexuellem Missbrauch zu schützen. Nein, diese Gesellschaft hat nichts dagegen. Sie will es nur nicht SEHEN. Die Empörung, die sich hier zeigt, ist eine Empörung darüber, SEHEN ZU MÜSSEN, mit welch dreckigen Methoden in der Prostitution agiert wird und welch teils schlimme Schicksale dahinterstehen. Und das überrascht mich nicht, aber natürlich kotzt es mich an.

          Dann ist da aber noch was anderes. Und zwar Hass gegenüber Schwesta Ewa aus den Reihen derer, die sehr wohl erkannt haben, dass Prostitution Gewalt ist. Leute, die finden, sie habe die Seiten gewechselt und das Aller-, Allerschlimmste verdient, weil sie doch gewusst habe, wie furchtbar Prostitution ist und es trotzdem anderen angetan hat. Es sind gehässige Kommentare.

          Ich habe heute Nacht darüber nachgedacht und mich gefragt, woher kommt das?
          Zunächst mal: Ja, Schwesta Ewa ist Täterin. Ganz klar. Ganz klar auch, sie gehört zur Verantwortung gezogen. Auch das Nordische Modell, das ich befürworte, sieht eine Bestrafung für Menschen vor, die andere in die Prostitution bringen oder von der Prostitution anderer profitieren. Aber woher kommt diese Weigerung, Ewas Geschichte nicht als Entschuldigung, aber doch als Erklärung zu sehen? Woher diese Selbstgerechtigkeit von Menschen, die noch nie in der schlimmen Situation waren, sich entscheiden zu müssen eine andere Person zu opfern oder wieder selber den Arsch hinhalten zu müssen, was man aber nicht mehr aushält, weil man zu kaputt ist?
          Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es was mit unserer Vorstellung von “Opfersein” zu tun hat. Denn ich habe in mehreren Kommentarspalten jetzt immer wieder gelesen, Ewa sei kein “unschuldiges Opfer”. Und ich frage mich – ein unschuldiges Opfer, was ist das? Und mir ist aufgefallen, dass Leute, die von “unschuldigen Opfern” reden, immer nur von IMAGINIERTEN Opfern sprechen. Von Opfern, die es nur in der Theorie gibt. Von Opfern, die komplett handlungsunfähig waren, sich immer gewehrt haben, die “alles richtig gemacht haben”.
          Aber welches Opfer macht alles richtig?
          Leute, die von “unschuldigen Opfern” reden sind genau die, die in der PRAXIS realen Menschen, die Opfer geworden sind, genau dieses Opfersein oft nicht zugestehen.
          Weil das Opfer nicht UNSCHULDIG ist.
          Es hat an der Tat teilgenommen. Oder es hat sich nicht genug gewehrt.
          Das Kind, das missbraucht wurde vom Nachbarn, es ist sogar nach mehrmaligem Missbrauch wieder der Einladung des Nachbarn in dessen Wohnung gefolgt, weil es danach immer dort mit der Playstation spielen durfte.
          Die Frau, die mehrmals von ihrem Partner vergewaltigt wurde, sie hat sich nicht sofort getrennt, sie hat sogar noch einem Romantikurlaub zugestimmt.
          Das prostituierte Mädchen, es hatte Kontakt zu einer Ausstiegsberatungsstelle, aber es hat das Angebot, an einem Ausstiegsprogramm teilzunehmen, ausgeschlagen.

          Was ich damit sagen möchte: Das Bild vom “unschuldigen Opfer”, es ist eine rape myth. Es soll festlegen, wer Opfer sein darf und wer nicht. Und es hat die Funktion, Menschen, die Opfer von vor allem sexuellen Gewalttaten geworden sind, genau dieses Opfersein abzusprechen.
          Denn in der Theorie gibt es sie, die unschuldigen Opfer.
          In der Praxis aber gibt es sie eben nicht.
          In der Praxis findet man Schuld bei jedem Opfer, und schuldige Opfer sind? Genau, keine Opfer mehr.
          Wenn unser Mitgefühl nur den “unschuldigen Opfern” gilt, gilt sie keinem und keiner mehr.

          Gewalt, sexuelle Gewalt, Prostitution – das sind Systeme, die dafür sorgen, dass auch die Opfer sich die Hände schmutzig machen.
          Es ist dies ein Kennzeichen jeglicher sexueller Gewalt.
          Jedes Kind, das missbraucht wurde, kennt die Scham über den Gedanken, froh zu sein, dass es heute Nacht nicht selbst dran ist, sondern die Schwester.
          Jede geschlagene Frau kennt die Schuldgefühle, wenn sie versucht, mit verführerischem Agieren und dem Angebot zum Sex heute Abend mal um die Schläge drumrumzukommen.
          Jede im Park vergewaltigte Frau kennt die Scham darüber, nicht sofort weggerannt zu sein und geschrien zu haben, sondern sich ernsthaft noch 5 Minuten verbal mit dem Vergewaltiger auseinandergesetzt zu haben in der Hoffnung, sie bliebe dann verschont.
          Jede Frau in der Prostitution kennt den Eiswürfelherzmoment, wenn sie anderen Frauen erzählt, es sei alles cool, und sie sollten es doch selbst mal ausprobieren.

          Wir sind alle nicht unschuldig. Wir haben alle Dreck am Stecken. Es gibt keine unschuldigen Opfer. Auch in der Prostitution nicht. DAS ÄNDERT ABER NICHTS AM OPFERSEIN.

          Jede Frau in der Prostitution hat etwas, das Menschen, die ihr den Opferstatus absprechen wollen, ihr vorwerfen können. Die Bordelltür stand doch offen, du hättest doch gehen können. Der eine Freier, du hast doch gesagt, der war nett, da kann es doch nicht so schlimm sein. Du hast doch selber Drogen an deine Kolleginnen abgegeben, warum stellst du dich dann jetzt moralisch über deinen Zuhälter. Usw.
          Niemand, nicht das zwangsprostituierteste Opfer von Zwangsprostitution, bleibt mit so einer Denke Opfer.
          Dabei sollte ganz klar sein, dass, ob jemand den Status den Opferdaseins hat oder nicht, nur daran festgemacht werden sollte, ob ihm oder ihr etwas ANGETAN worden ist – und nicht, welches Verhalten das Opfer dabei an den Tag gelegt hat. DAS sollte für die Zuschreibung als Gewaltopfer ÜBERHAUPT KEINE Rolle spielen.
          Das Schwesta Ewa andere prostituiert (und damit zu Opfern und sich selbst zur Täterin gemacht hat) ändert NICHTS daran, dass sie auf einer anderen Ebene eben auch Opfer war. Es wird nicht dadurch aufgehoben.
          Prostitution ist dreckig. ich kenne keine, die sich dort nicht die Hände schmutzig gemacht hätte. Ich habe das auch: Im ersten Wohnungsbordell in dem ich war, kam eines abends eine Frau mit ihrem Mann. Beide hatten den Gedanken, sie könne dort die gemeinsamen Schulden abarbeiten. Sie sei ja eh sexuell offen usw. Die Frau saß bei uns in der Küche und fragte uns, wie das so sei. Und ich meinte, es sei überhaupt kein Problem, alles easy. (Was hätte ich auch anderes sagen sollen? Ich bin jeden Tag auf Drogen, damit ich das hier aushalte? Ganz sicher nicht.) Und dann klingelte es und ein Freier kam rein. Und ich meinte, schau, den kannst Du doch gleich machen. Fertige den doch ab, wenn Du eh schon hier bist. Kannst Du gleich mal sehen, dass es nicht schlimm ist.
          Sie zögerte und war unsicher.
          Und ich habe sie sozusagen überredet.
          Sie hat den Freier gemacht. Und als ich aus dem Wohnungsbordell weg bin nach mehreren Monaten, war SIE immer noch da.

          Was ich damit sagen will: Sich zu verstricken, Schuld auf sich zu laden, mit der Gewaltsituation oder dem Täter selbst komplizenhaft zu agieren ist die NORM bei sexuellen Gewaltsituationen. Es gibt keine unschuldigen Opfer.
          Das Opfersein (selber Prostituierte gewesen zu sein) hebt das Tätersein (andere Frauen in die Prostitution gebracht zu haben) NICHT AUF.
          Aber das Tätersein hebt eben auch das Opfersein nicht auf.
          Beides kann eine Personalunion sein.
          Entschuldigt nichts.
          Erklärt vieles.
          Bitte bedenkt das, bevor ihr zu Schwesta Ewa oder wem auch immer kommentiert.
          Danke.

          Freier und Zwangsprostitution

            Habt ihr schonmal einen Freier gefragt, wie er zu Zwangsprostitution steht?

            Während meiner Zeit in der Prostitution war es immer so, dass Männer mir ungefragt unterstellt haben, ich würde das freiwillig und aus Spass machen („Hobby zum Beruf gemacht“). Oder aber sie waren sich sicher, dass ich einen Zuhälter habe, und haben versucht, mich damit zu erpressen (zum Beispiel, indem sie vorgegeben haben, sie hätten mit meinem “Chef” telefoniert und ausgemacht, dass ich es ohne Gummi tue, und wenn ich das jetzt nicht täte, gäben sie ihm Bescheid und ich würde Ärger bekommen – blöd nur, dass ich in den letzten jahren keinen Chef mehr hatte…). GEFRAGT danach haben sie nicht. Es ging ihnen nicht um meine Situation. Es ging ihnen um SICH. Entweder darum, auf Teufel komm raus ein gutes Gewissen haben zu können, so wie der Polizist, der mich als Freier besuchte, mir erzählte, im Job ermittle er gegen Menschenhandel und als ich ihn fragte, wie er das zusammenkriege, meinte: “Ach, wieso, ich schade ja niemandem, ich schade dir ja nicht. Du bist freiwillig hier.” (Das legte er einfach mal so fest.) Oder eben sie versuchen, das meiste für sich rauszuholen, und das geht eben gut, wenn sie eine Zwangsprostituierte vor sich haben. Die kann und darf sich nämlich nicht wehren.

            Öffentlich werden Freier immer sagen, dass sie Zwangsprostitution ganz, ganz schlimm finden.

            Aber unter sich, z.B. in Freierforen, sprechen sie offen an, dass sie von Zwangsprostitution wissen. Und es stört sie entweder gar nicht, oder es nervt sie, weil sie es eigentlich nicht sehen wollen – damit das gute Bild von sich selbst erhalten bleibt.
            Fakt ist aber, es gibt keine “sauberen” Freier. Es gibt keine Freier, die sich nicht schuldig machen. Sie konstatieren selbst, dass sie in vielen Fällen gar nicht erkennen können, ob Zwangsprostitution vorliegt. Aber das “Privatleben” von uns prostituierten Frauen geht sie angeblich nichts an.
            Zwangsprostitution finden viele von ihnen gut, weil sie dann mehr für sich raushauen können. Oder sie ist ihnen egal. Oder sie stört sie, weil sie gern weiter “ein guter Mensch” bleiben wollen – heisst, sie wollen sie nicht mitkriegen.
            Aber sie wissen, dass es sie gibt, und sie profitieren davon.
            Die Täter bei Zwangsprostitution sind nicht nur die Menschenhändler und Zuhälter, es sind auch die Freier.
            Denn da SIE den Sexualakt ausführen, ist es IHRE Verantwortung, sicherzustellen, dass sie gerade niemanden vergewaltigen.
            Es gibt nämlich kein “aus Versehen vergewaltigt”. JEDER MANN, der mit einer Frau schläft, ist dafür verantwortlich, dass das, was er da tut, keine Vergewaltigung ist. Diese Verantwortung kann ihm niemand abnehmen. Da kann sich kein Mann drauf berufen, er habe es nicht gewusst, dass sie nicht wollte (war doch ein staatlich genehmigtes Bordell! war doch kein Zuhälter zu sehen! hatte doch keine blauen Flecken!) – es wäre seine Aufgabe gewesen, das sicherzustellen.
            Wenn es um Sex ginge, der NICHT in der Prostitution stattfindet, wären wir entsetzt, wenn ein Mann uns erzählen würde, er wisse nicht, ob der Akt, den er gerade durchgeführt habe, ungewollt gewesen sei und es sei ihm auch egal.
            Warum sollte das anders sein, nur weil irgendwer (die Frau, der Zuhälter) bezahlt worden ist? Der Akt an sich bleibt ja ungewollt. Und ungewollter Sex ist Missbrauch.

            Es wird Zeit, dass wir Freier endlich in die Verantwortung nehmen. Es kann nicht sein, dass sie es geniessen, ungestraft bewusst vergewaltigen zu können oder dass ihnen egal ist, ob sie gerade vergewaltigt haben. das ist ein absolutes No-Go!
            Daran, dass es Zwangsprostitution gibt, sind auch die Freier schuld. Ohne ihre Nachfrage gäbe es nämlich gar keine Zwangsprostitution!
            Es wird niemals “saubere” Prostitution geben. Prostitution besteht immer zu einem gewissen Teil auch aus Zwangsprostitution. Denn es wird nie genug Frauen geben, die das “freiwillig” (und das definiere ich hier mal bloss als: ohne angewandte körperliche Gewalt durch einen Zuhälter) machen werden machen!
            Wer das eine will, muss das andere mögen – es gibt keine Prostitution ohne Zwangsprostitution.
            Und Freier wissen das und nutzen das.

            “Saubere” Freier gibt es nicht, denn Freier und Zuhälter und Menschenhändler sind partners in crime, Komplizen, die alle nur ein Ziel haben:
            So viel wie möglich aus prostituierten Frauen und Mädchen rauszuholen!
            Auf der Seite “Die Unsichtbaren Männer” könnt ihr euch anschauen, wie Freier reden, wenn sie unter sich sind. Wie sprechen sie über Zwangsprostitution und Menschenhandel?

            Garantiert nicht so, wie es gesellschaftlicher Standard sein sollte! Und das sollten, ja, müssen und werden wir ändern.

            Minderjährige in der Prostitution

              Während meiner Zeit in der Prostitution hat mich, selbst als nicht klar war, ob ich volljährig bin, NIE ein Freier gefragt, wie alt ich eigentlich WIRKLICH bin. Und auch nie, ob ich freiwillig hier bin. Bin ich damit ein Einzelfall?

              In Hamburg stehen zwei Männer vor Gericht.
              Sie haben einem Mann ein 15-jähriges Mädchen “abgekauft”. Auch dieser hatte es zur Prostitution gezwungen, es ist nicht klar, wie lange schon.
              Dann haben sie das Mädchen an Freier vermittelt. Ihre Einnahmen hat sie abgeben müssen, um ihre “Schulden” ( = ihren Einkaufspreis) bei ihren neuen Zuhältern abarbeiten zu müssen.
              Schliesslich hat sich die Polizei verdeckt auf eine der Anzeigen gemeldet, in denen sie als frisch 18 geworden beworben wurde und liess die Sache hochgehen.

              Als Argument gegen das Nordische Modell kommt häufig, das sei schwierig, weil die Freier dann Fälle, in denen sie Zwangsprostitution vermuten, nicht mehr anzeigen würden. Denn sie sind über die Freierbestrafung ja eh schon kriminalisiert und müssten dann zugeben, Freier gewesen zu sein. Nun: In dem Fall hier hat sich KEIN EINZIGER FREIER bei der Polizei gemeldet. KEIN. EINZIGER. Und das, obwohl das Freiertum in Deutschland nicht illegal ist. Ja, es gibt mittlerweile ein lächerliches Gesetz hier, was den wissentlichen (!!!), vorsätzlichen (!!!!!!) Besuch bei Zwangsprostituierten (ohne dass “Zwang” allerdings definiert wird) unter Strafe stellt. Ein Gesetz, über das Freier sich herzlich einen ablachen werden. Denn “Zwang” nachzuweisen ist schwer. Und nachzuweisen, dass ein Freier von diesem Zwang wusste, noch schwerer. In diesem Fall hier ist es so, dass klar erkennbar gewesen sein muss, dass das Mädchen nicht volljährig ist – denn sie wurde ja auch schon BEVOR sie 15 war prostituiert, und ein 13- oder 14-jähriges Mädchen kann man von einer 18-jährigen sehr wohl unterscheiden.
              JEDER ihrer Freier hätte bei ihrem Anblick entscheiden können, sie NICHT zu missbrauchen, sondern sofort zur Polizei zu gehen. Ihm wäre NICHTS passiert.
              JEDER ihrer Freier hätte sogar NACHDEM er sie missbraucht hat, zur Polizei gehen können. Ihm wäre nichts passiert, wenn er gesagt hätte, dass ihm erst zum Schluss was komisch vorkam. Ihm wäre nichts passiert.

              KEINER ihrer Freier hat das getan. KEINER ist zur Polizei gegangen. KEINER hat ihr geholfen.
              Ein junges Mädchen wird ge- und verkauft und gezwungen, sich preiszugeben, und all die erwachsenen Männer drumrum entscheiden sich, ihr nicht zu helfen, sondern auch ein Stück vom Kuchen zu ergattern und eben auch mal drüberzurutschen.

              Das Argument gegen das Nordische Modell, dass Freier ständig Zwangsprostituierte melden würden und es dann unter schwedischer Gesetzeslage nicht mehr tun würden, ist keines. Denn sie melden Fälle von Zwangsprostitution, sogar wenn diese offensichtlich ist, weil sie eine Minderjährige vor sich haben, fast nie. Sie haben nichts gegen Zwang. Sie haben nichts gegen Zuhälter. Und sie haben auch nichts gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen in der Prostitution.
              Denn erst der Zwang, erst die Zuhälter, erst die Gewalt (und die Armut, die vorausgegangene sexuelle Gewaltgeschichte usw.) sorgen dafür, dass das Angebot, nach dem sie so sehr nachfragen, zur Verfügung gestellt werden kann.
              Oder woher sollen die “tabulosen”, möglichst jungen Frauen in ihrem Bett sonst kommen?

              Freiersein bedeutet, zu profitieren von Tätern, die vor einem selbst an einer Frau oder einem Mädchen Gewalt ausgeübt haben, um dann noch einen draufzusetzen und auch Gewalt ausüben zu können – möglichst, ohne das Mädchen vorher schlagen oder überwältigen zu müssen. Das haben ja dann andere schon gemacht. Wie praktisch.

              Leider ist die Gesetzeslage in Deutschland so, dass zwar ihre Zuhälter jetzt vor Gericht stehen – ihre Freier aber nicht.
              Die suchen sich einfach die nächste “18-jährige”, die in einer Annonce beworben wird.
              Noch.
              Ich hoffe, dass das in, sagen wir, 5 Jahren nicht mehr möglich sein wird, weil sie dann Angst vor einem Bussgeld oder besser noch vor einer Gefängnisstrafe haben müssen!
              Denn Fakt ist: Zuhälterei und Zwangsprostitution gibt es nur, weil Freier eine Nachfrage nach Prostitution stellen.
              Wenn Männer keinen Sex kaufen würden, würde es auch keine Männer geben, die Frauen und Mädchen zur Prostitution zwingen.
              Diese beiden Zuhälter hier haben getan, was sie getan haben, weil es sich GELOHNT hat. Weil sie damit sehr viel Geld verdient haben. Sie hätten schön auf dem Trockenen gesessen, wenn es keine Freier gegeben hätte.
              Haben sie aber nicht.
              Denn es gibt genug Freier. Und damit auch genug Zuhälter.
              Und damit genug Mädchen und Frauen, die von beiden ordentlich ihren Schaden wegbekommen haben.
              Das muss aufhören – und zwar dalli!

              Gewalt in der Prostitution

                In Thüringen ist eine Frau aus der Prostitution zusammengeschlagen worden. Der Täter war ihr Freier. Angeblich war er mit den “Leistungen”, die sie geliefert hat, nicht einverstanden.
                Wir vom Netzwerk Ella sind alle Frauen aus der Prostitution. Und wir kennen alle diese Angst vor Übergriffen durch Freier.
                Davon mal abgesehen, dass Prostitution an sich schon ein sexueller Übergriff ist – denn es werden sexuellen Handlungen an und mit einer Person durchgeführt, die den Sex nicht will, sondern das Geld braucht -, neigen Freier generell dazu, Grenzen zu übertreten.

                Da hat man schnell mal den Finger im Po, obwohl man gesagt hat, dass anal ein Tabu ist.
                Da hat man schnell mal die Zunge im Hals, obwohl man gesagt hat, dass man nicht küsst.
                Da liegt schnell mal die Hand auf dem Hals, obwohl man gesagt hat, dass man keine Würgespiele macht.

                Warum ist das so?

                Es ist so, weil Freier Männer sind, die glauben, sie hätten ein Recht auf Sex. Es sei etwas, dass ihnen geliefert werden müsse. So, als könnte eine Frau einem Mann Sex geben ohne beteiligt zu sein, so, wie man Leuten, die einen Döner kaufen, das Essen über die Theke reicht. So, als sei ein Blowjob eine Dienstleistung.
                Sex ist aber keine Dienstleistung. Sonst könnten sich die Freier ja den Blowjob ja auch von einem 60-jährigen Mann holen, der auf ALG2 ist und Flaschen sammelt. Den fragen sie aber komischerweise nie nach so einer „Dienstleistung“. Aber wenn es eine wäre, wäre das doch möglich, Dienstleistung ist Dienstleistung, oder?

                In Wirklichkeit ist Prostitution Frauenkauf. Es wird ein bestimmter Körper gekauft. Und Freier wissen das, da können sie von Dienstleistungen reden, wie sie wollen. Sie wissen, dass sie nicht wie auf einer Speisekarte auswählen, welche Praktiken sie gereicht bekommen wollen. Sie wissen, dass sie eine Frau kaufen, auf Zeit. Deswegen fragen viele Freier auch: „Was kostest du?“ statt „Was kostet es bei dir?“
                Freier sind Männer, die denken, dass Sex ihnen zusteht. Und insgeheim sind sie sauer darüber, dass sie dafür noch bezahlen müssen. Wo sie doch so gut im Bett sind. Wo die Hure doch auch was davon hat. Wo sie doch der nette Freier sind. Oder überhaupt geduscht und das.

                Und weil sie insgeheim nicht einsehen, für das, was ihnen zusteht, auch noch bezahlen zu müssen, versuchen sie, so viel wie möglich rauszuholen. Sie beuten Frauen sexuell aus. In ihren Augen haben sie zwar offiziell für eine Dienstleistung bezahlt, aber sie fühlen sich, als hätten sie die Frau gekauft. Und da ist jedes Tabu etwas, das ihnen zu Unrecht vorenthalten wird.
                Und das geht natürlich nicht.

                Freier sind Gewalttäter. Die Gewalttat beginnt dort, wo sie mit einer Frau schlafen, die das eigentlich nicht will. Die eigentlich nur die Kohle will.

                Freier sind Gewalttäter. Die Gewalt geht weiter dort, wo sie ihre öknomische Überlegenheit nutzen, sich Zugang zu einer Frau zu kaufen, die ohne diesen Machtunterschied nie mit ihnen schlafen wollen würde.

                Freier sind Gewalttäter. Vom Akt des Kaufens von „sexuellen Dienstleistungen“ zum weiteren Performen eines sexuellen Aktes mit einer Person, die deutlich Unlust zeigt, die sichtbar ihren Ekel und Unwillen unterdrückt, die vielleicht weint oder Schmerzen hat, ist es kein großer Schritt.

                Freier sind Gewalttäter. Wenn sie diese Grenzen überschritten haben, ist es nicht mehr weit dazu, mehr einzufordern als ausgemacht war. Schliesslich hat man bezahlt. In ihren Augen mehr als genug. In ihren Augen für mehr als ausgemacht war.

                Freier sind Gewalttäter. Von den sexuellen Praktiken, die nicht abgesprochen sind, zu noch mehr Gewalt, zu Schlägen usw. überzugehen erfordert nicht das Überwinden einer großen Hemmschwelle.

                Und von da ist es nicht mehr weit zu Mord.

                Freier sind Männer, die so sehr denken, sie hätten ein recht auf Sex, dass sie die Person, die daran teilnimmt, weil sie sie bezahlt haben, nicht mehr als Mensch wahrnehmen. Als Menschen, der einen Willen hat und der Grenzen hat. Es ist ihnen egal. Sie haben bezahlt. Die andere Person zählt nicht mehr. Sie hat zu tun, was und wie sich die Freier das vorstellen – sonst gibt’s saures. In den Augen von Freiern schulden wir ihnen Sex, ob wir wollen oder nicht. Und wenn wir nicht abliefern wie gewünscht, hat das Konsequenzen – wie in diesem Fall.

                Könnt ihr euch vorstellen, wie es ist, mit einem Mann ins Bett zu gehen, nackt, verletzlich, allein, der so aggressiv ist? Immer mehr fordert? Immer mehr an die Grenzen geht? Dessen Handlungen man immer mehr abwehren muss, ohne ihn aber zu verärgern?
                Ein Job wie jeder andere? Ganz sicher nicht.
                Dieser Freier hier ist keine Ausnahme. Er ist nicht „das schwarze Schaf“ oder „das faule Ei im Korb“. Er hat konsequent weitergeführt, was seine Freierdenke in seinem Hirn angelegt hat.

                Über 80 Morde an Frauen in der Prostitution seit 2002. Die meisten verübt durch Freier.
                Fakt ist: Prostitution zu nutzen bedeutet, es okay zu finden, dass Sex gemacht wird, obwohl nur einer den Sex wirklich will. Prostitution zu nutzen bedeutet, zu glauben, es gäbe für Männer ein Recht auf Sex. Prostitution zu nutzen bedeutet, unter „Sex“ zu verstehen, dass alles sich auf die Wünsche des Mannes ausrichtet.
                Brauchen wir das im Jahr 2019, wo wir über „enthusiastischen Konsens“ reden, wirklich noch? Nein. Haben wir nie gebraucht.

                Freiertum ist Gewalt und führt zu noch mehr Gewalt.

                Alles Gute an die Kollegin!

                Wenn Freier einen darüber belehren, wie Prostitution wirklich ist…

                  Ich als Exprostituierte, die sich für die Einführung der Freierbestrafung in Deutschland einsetzt und die offen darüber spricht, wie Prostitution so ist, bekomme andauernd Zuschriften von Freiern, die mich davon überzeugen wollen, dass es „nicht so ist“, wie ich es erlebt habe. Eigentlich veröffentliche ich die nicht, aber heute habe ich mich doch mal dazu entschlossen, damit ihr mal einen Einblick bekommt in die Art, wie Freier denken. Geschrieben hat mir einer aus der Kategorie, die wir im Bordell „Liebeskasper“ genannt haben. Er ist einer von den “netten Freiern”. Aber ist er deswegen harmlos?

                  Das hier ist seine Mail:

                  Betrachtet man diese seine Zuschrift analytisch, kann man folgendes feststellen:

                  1. Er ist davon überzeugt, dass er anders ist. Nicht so schlimm wie die anderen.

                  2. Eigentlich findet er es schlimm, Sex zu kaufen. Damit heuchelt er, ein Gewissen zu haben (als würde das etwas besser machen, wenn man weiss, dass etwas schlimm ist und man tut es trotzdem).Nur wenn ER es tut, dann ist es nicht so schlimm.

                  3. Und ja, er findet, Prostitution ist Missbrauch. Aber er missbraucht nur ein kleines bisschen, denn er penetriert die Frau nicht, er lässt sich „nur“ einen runterholen. Das sei etwas, was er noch mit sich vereinbaren könne. Ein kleines bisschen Missbrauch, noch dazu von etwas ganz besonderem wie IHM, ist also okay.

                  4. Er behauptet, dieser Frau gutzutun: mit langen Gesprächen, mit Massagen, indem er „auf ihre Wünsche eingeht“. Und er bemerkt nicht oder will nicht bemerken, dass er damit nur versucht, noch mehr aus dieser Frau rauszuholen als andere Freier: mit den Gesprächen versucht er, in ihre Privatssphäre einzudringen, sie muss Extraarbeit leisten (emotionale und psychische), indem sie sich auf ihn einstellt, ihm Sachen von sich verrät, damit er sich weiter „besonders“ fühlen kann, denn das ist, was er hier kauft. Sie muss ertragen, endlos von ihm gestreichelt, massiert, abgeleckt zu werden und sie muss vorgeben, dies seien ihre Wünsche, wo ihr einziger Wunsch wahrscheinlich doch ist, dass er geht (und sie nicht anfasst). Das ist auch Extraarbeit: noch so tun zu müssen, als gefiele es einem, 2 Stunden lang den Ekel, die Abscheu wegdrücken, lächeln, „ach du tust mir so gut, du bist so anders“ usw.

                  5. Er bringt ihr Geschenke mit und glaubt, damit nicht so schlimm zu sein wie andere Freier, aber meint hier irgendwer, diese Geschenke mache er ihr selbstlos?

                  6. Er nutzt ihre wirtschaftliche Lage aus, in dem er vorgibt, aus Gewissensgründen nicht mehr zu ihr kommen zu können, und holt sich so über Erpressung eine Bestätigung für sein Ego ab: er sei ihr „liebster Kunde“, habe sie ihm gesagt, „ein Lichtblick“. Er weiss genau, dass sie das Geld nötig hat, und das nutzt er, um sie sagen zu lassen, er sei doch nicht so schlimm wie die anderen. Danach kann er sagen, sie habe es ja so gewollt, unter Tränen habe sie ihn angefleht, nicht wegzubleiben. Ist das widerlich oder ist das widerlich?

                  7. Wenn sie ihm wirklich so Leid tut und er der Samariter ist, als der er sich hier ausgibt, warum gibt er ihr dann nicht einfach das Geld und geht wieder? Aber nein, er missbraucht sie 2 Stunden lang, lässt sie noch emotionale und psychische Arbeit verrichten, indem er sie sein Ego und Selbstbild streicheln lässt und indem er sie aus purer Not sagen lässt, er müsse doch kein schlechtes Gewissen haben.

                  8. Er hofft, dass sie aussteigt, weil „die anderen Freier“ ja so schlimm sind und sie kaputt machen. (Er natürlich nicht.) Und für den Fall, dass sie aussteigt, hat er ihr auch gleich seine private Nummer gegeben, damit er ihr dann „helfen“ kann. Er lässt sich versichern, dass sie ihn danach weitertreffen wird. Und er glaubt natürlich: ohne Kohle. Sprich: er denkt, er könne sich hier seine eigene kleine Privathure aus dem Bordell holen, natürlich kostenlos.

                  9. Und so kommt er, der einer der schlimmsten Blutsauger unter den Freiern ist, zu dem Schluss: „Ich weiß, dass ich mit dem was ich tue auch zur Unterstützung der Prostitution beitrage und das ist schlecht.Trotzdem schäme ich mich dafür nicht, weil ich die Spanierin in einer schlimmen Gesamtsituation unterstütze und sie als das behandle was sie ist.Nämlich eine wundervolle Frau und ein wertvoller Mensch.“

                  Dabei sollte er sich sehr wohl was schämen. Auch die Tatsache, dass er mir seitenweise Ergüsse schreibt, ist der Versuch, sich von mir emotionale Arbeit zur Aufrechterhaltung seines Selbstbildes zu erschleichen. Plus, glaubt eigentlich irgendwer, es sei cool, wildfremde Frauen mit ungebeten eingesandten detaillierten Schilderungen von „Streichelsex“ beeindrucken zu können? Was ist das anderes als ein Penisbild in Schriftform?
                  Also hier, bitte schön, die Zuschrift von heute Nacht. Lest es euch durch und fragt euch, ob es auch harmlose Freier gibt. Oder teilt es und fragt eure Bekannten, die bisher der Meinung waren, es gäbe doch auch nette Freier, ob sie die jetzt immer noch so furchtbar NETT finden.

                  Freiwilligkeit und Prostitution

                    Als Exprostituierte bin ich oft müde davon, zum hundertsten Mal ausdiskutieren zu müssen, ob Prostitution freiwillig ist. Denn die Frage nach dem Existenzrecht von Prostitution hängt nicht davon ab, ob es irgendwo eine gibt, die es “freiwillig” macht.

                    Wir brauchen mehr politische Analyse und weniger Fokusverschiebung auf die, die durch die Prostitution in der handlungsbeschränkteren Lage sind (das sind wir prostituierten Frauen). Prostitution wird nicht dadurch okay, dass irgendwo irgendeine sagt, dass sie es “freiwillig” tut, genauso wenig, wie partnerschaftliche Gewalt dadurch okay wird, dass eine Frau “freiwillig” bei ihrem schlagenden Mann bleibt.

                    Diese Konzentration auf das “ja” der Frau erinnert an Victimblaming. Wir brauchen mehr politische Analyse, wir brauchen einen Blick darauf, in welchen UMSTÄNDEN das “JA” gegeben wurde, und dann sehen wir: Ein “Ja”, das gegeben wird, weil ein “Nein” hiesse, negative Konsequenzen zu tragen (nichts zu essen, kein Geld für die Miete, Schläge) kann kein Konsens sein.
                    Abgesehen von der politischen Analyse fehlt mir auch oft der Blick auf die Freier. Warum wird andauernd das Verhalten derer, die sich prostituieren, kritisiert und zum 100. Mal durchgekaut? Wir sind doch schon lange an dem Punkt, an dem wir wissen, was Frauen dazu bringt, sich zu prostituieren.
                    Drehen wir doch den Spieß mal um und betrachten die Freier. Während man einer Frau sehr wohl zugestehen muss, dass sie mit ihrem Körper machen kann, was sie will (oder muss, um zu überleben), kann man einem Menschen wohl kaum genehmigen, mit dem Körper eines anderen zu tun, was er will – das sind nämlich zwei verschiedene Paar Schuhe.

                    Ist es okay, alles zu tun, um das eigene Überleben zu sichern, ist es okay, mit seinem eigenen Körper zu tun, was man möchte? Klares Ja.
                    Ist es okay, sich sexuellen Zugang zum Körper einer anderen Person zu kaufen? Klares Nein.
                    Das Main Echo hat mit einigen Freiern gesprochen und ich bin froh, dass sie der Freiersicht Raum gegeben haben. Die Interviews mit ihnen machen klar: Freier gehen zu Prostituierten,

                    – weil sie es mögen, dass Frauen dort nicht nein sagen (können) und dass sie verfügbar sind (sein müssen)

                    – weil sie es mögen, dass die Frauen dort ihre Grenzen nicht wahren dürfen (ein Freier z.B. bezeichnet alle deutschen Prostituierten als “Abzockerinnen”, bei denen es viel kostet und man wenig bekommt – es sollte also am besten auch noch kaum was kosten)

                    – weil sie so mit anderen Männern “bonden” können, sich ihrer Zugehörigkeit zur privilegierten Gruppe sichern, sich ihrer (überlegenen) Männlichkeit versichern können, indem sie Frauen als Gruppe abwerten

                    – weil sie Frauen in der Prostitution nicht wie Menschen behandeln müssen (“einfach mal das primitive Schwein raushängen lassen”, “Die Prostituierten müssen für mich Deutsch reden können. Aber ob sie freiwillig dort sind, das interessiert mich nicht. Da bin ich kalt.”,”Ob die Frauen freiwillig im Bordell sind, hat für mich eigentlich keine Rolle gespielt, solange sie leidenschaftlich dabei war.”)

                    – weil der pornographisierte Sex, der üblich ist ausserhalb des Bordells und in dem alles auf die Bedürfnisse des Mannes konzentriert ist bei gleichzeitiger Lust an der Demütigung und Abwertung von Frauen, im Prinzip dasselbe ist wie das, was man im Puff bekommt (“Eigentlich merkt man gar keinen Unterschied, wenn man zu einer Prostituierten geht.”)

                    Dass Sex Geld kostet, führt leider nicht dazu, dass Männer diesen Sex (der ja komplett auf allein ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist) dann mehr wertschätzen, im Gegenteil, es geht auf Kosten des Subjektstatus von Frauen.
                    Der Blick des Freiers auf Frauen in der Prostitution und damit auf alle Frauen ist einer, der nur auf den sexuellen Nutzwert der Person, die gar nicht mehr als Person begriffen wird, ausgerichtet ist.
                    Schauen wir uns mehr die Freier an! Hören wir ihnen zu! Dann wissen wir, was Prostitution ist – und warum Freiertum verboten gehört.

                    Sperrbezirke

                      In Deutschland ist es ja so, dass Prostitution legal ist, aber nicht entkriminalisiert. Verkürzt bedeutet das, es ist erlaubt, sich zu prostituieren, aber es gibt so viele Regeln, die dabei einzuhalten sind, dass es fast unmöglich ist, keine davon zu brechen.
                      Was ganz klar sein muss, ist, dass die Forderung nach der Entkriminalisierung prostituierter Frauen eine Kernforderung des Abolitionismus ist. Strafen, Bussgelder, Regeln, die wir nicht einhalten können, helfen uns kein Stück und sorgen nur dafür, dass sich der Staat an dem Geld, das wir mühsam ervögeln, noch bereichert.
                      Klar ist: Wenn es Sperrbezirke gibt, dann sollen die gegen die Verstöße zahlen, die Prostitution nachfragen. Und das geht, die Gesetze kann man so auslegen, dass die Freier zur Kasse gebeten werden, und nicht wir.
                      Aber braucht es Sperrbezirke überhaupt?

                      Ich kann verstehen, dass es Orte gibt, an denen Prostitution nicht stattfinden sollte. Kindergärten, Schulen… Freier, die Schulmädchen ansprechen (und das tun sie), braucht kein Mensch.
                      Ausserdem sorgt die Tatsache, dass es Sperrbezirke gibt, dafür, dass Prostitution eben nicht überall stattfinden kann, nicht überall sichtbar ist und damit auch nicht normalisiert wird.
                      Aber bringt das was, wenn sie gleichzeitig weiter stattfindet?
                      Haben wir Frauen dadurch eine Option mehr bekommen, oder geht es nur darum, uns zu verdrängen?
                      Ich habe immer gemischte Gefühle, wenn eine Stadt mal wieder feiert, dass sie einen Sperrbezirk durchgesetzt hat. Denn einerseits ist es ein ehrenwertes Motiv, zu sagen: „Wir finden Prostitution nicht normal, wir finden sie frauenverachtend, wir wollen das nicht.“
                      Andererseits ändern Sperrbezirke nichts an der Realität, dass es Prostitution gibt.
                      Keine Frau kann dadurch, dass es einen Sperrbezirk gibt, aussteigen.
                      Das heisst, wir prostituieren uns weiter, oft, weil wir müssen, nur eben nicht mehr dort, wo jetzt der Sperrbezirk ist.
                      Und das bedeutet unter Umständen: dort, wo es unsicherer ist. Im Gewerbegebiet, am Stadtrand, im Wald…
                      Einerseits ist die Gefahr, vergewaltigt, umgebracht oder geschlagen zu werden, in Wohnungsbordellen, bei Haus- und Hotelbesuchen oder eben am Stadtrand nicht unbedingt kleiner. Andererseits ist es halt schon ein besseres Gefühl, wenn man schon anschaffen und mit potentiell gewalttätigen Freiern umgehen muss, es dann wo zu tun, wo noch andere Leute sind – in einem Hotel z.B.
                      Oder auf dem Parkplatz neben dem Strich.

                      Aber jetzt mal alle Sicherheitsmassnahmen, die wir prostituierten Frauen treffen (Kennzeichen aufschreiben, bei einem Hausbesuch einer Freundin die Adresse weitergeben,…) beiseite:

                      Hat eine Gesellschaft, die duldet, dass Frauen sich prostituieren müssen um zu überleben, ja, die das sogar fördert und davon profitiert, ein Recht, eben diese Prostitution nicht sehen zu müssen?

                      Es ist doch genau diese Doppelmoral, seit Jahrhunderten: Es gibt Prostitution und all die „ehrenwerten“ Männer nutzen sie, und das ist okay, aber die Prostitution selbst darf nicht sichtbar sein, und die prostituierten Frauen sind pfui Spinne.
                      Wie ist das mit geschützten Räumen für prostituierte Frauen?
                      (Mal abgesehen davon, dass Prostitution niemals sicher und ausserdem ein Übergriff an sich ist.)
                      Oftmals werden Strassenstrichs und altgediente Prostitutionsorte aufgelöst. Dafür wird dann im Gewerbegebiet ein Laufhaus oder ein Eroscenter hingebaut.
                      Das wollen viele von uns aber gar nicht, weil es das reinste Konkurrenzspektakel ist, weil wir weniger Verhandlungsfreiheit haben, mehr Vorschriften, weil wir dort weniger vom Geld behalten können. Es beschränkt uns noch mehr in der Prostitution, in der ja bekanntermassen die Wahl-, Entscheidungs- und Handlungsfreiheit eh nicht riesengroß ist.

                      Andererseits, Prostitution einen Ort zuzuweisen, das ist auch problematisch. Wie beim Dortmunder Strassenstrich, an dem man Verrichtungsboxen aufstellte, und plötzlich wurde er zum größten Strich Europas, massenweise wurde südosteuropäische Frauen hingekarrt, weil ihre „Freunde“, Männer, Zuhälter befanden, da sei es legal und geregelt und das wäre doch auch mal eine Idee, dort eine Frau hinzustellen.

                      Geschützte, zugewiesene Orte entwickeln also immer auch eine Sogkraft hinsichtlich Zuhälterei und Menschenhandel, und sie geben Freiern auch das Signal: es ist okay, was du tust, es ist hier ausdrücklich erlaubt.
                      Wie also umgehen mit der Sichtbarkeit von und dem Schutz von Frauen in der Prostitution, ohne Prostitution zu normalisieren und zu akzeptieren?
                      Sperrbezirke ja oder nein, und unter welchen Bedingungen, und warum seht ihr das, wie ihr es seht, aus welcher Position sprecht ihr?

                      Es geht mir nicht um die Forderung nach dem Nordischen Modell, ihr wisst ja, dass ich mich dafür einsetze. Im Nordischen Modell werden Freier bestraft, und das ist auch richtig so. Das bedeutet, im ganzen Land ist sozusagen ein Sperrbezirk eingerichtet, und zur Verantwortung gezogen werden die Freier. Wichtig ist, dass wir bedenken, dass das NM aus 5 Säulen besteht und dass alle durchgesetzt werden müssen, das heisst, die Freier werden bestraft, gleichzeitig wird der Frau aber ein Hilfsangebot gemacht und sie hat ein Recht auf einen Ausstiegsplatz, also eine Möglichkeit, sich nicht weiter prostituieren zu müssen. Ohne das geht es nicht!