Was braucht es in Sachen Prostitutionspolitik?

    Ich als Exprostituierte kann folgendes sagen:
    Wir können uns noch jahrelang daran abarbeiten, ob es irgendwo eine Prostituierte gibt, die, aus welchen Gründen auch immer, sagt, dass sie es freiwillig macht.
    Und dann können wir weiterhin jahrelang so tun, als würde das rechtfertigen, dass Prostitution als System existiert.
    Weiterhin jahrelang so tun, als würden wir nicht merken, dass Prostitution sexuelle Gewalt ist.
    Weiterhin jahrelang so tun, als wäre es okay, dass Frauen und Mädchen darauf reduziert werden, sexuelle Bedürfnisse von Männern zu befriedigen, unter Hinnahme psychischer, physischer und emotionaler Schaden.
    Weiterhin behaupten, der sexuelle Missbrauch wäre okay, bloss weil er kommerzialisiert ist – und irgendwer, und meistens sind es nicht wir prostituierten Frauen, Geld dafür bekommt.
    Wir können und sollten aber endlich den Fokus auf die Freier legen.
    Was machen Freier?
    Freier üben einen sexuellen Akt an Frauen und Mädchen aus, die ohne Entschädigung nicht mit ihnen schlafen würden. Warum die Entschädigung? Weil ein Schaden entsteht. Der Schaden ist: SEx mit jemandem haben zu müssen, mit dem man keinen Sex haben will. Was ist das? Doch nichts anderes als Vergewaltigung.
    Freier bekommen NATÜRLICH von uns zu hören, dass wir das gerne machen. Sie bezahlen uns ja dafür, dass wir sagen, dass wir es gerne tun! Aber was wirklich dahinter steckt, das wissen sie nicht – und sie wollen es nicht wissen. Sie werden nie, niemals, zu 100% sicherstellen können, dass sie gerade KEINE Zwangsprostituierte im Bett haben.
    Dieses Risiko nehmen sie in Kauf, weil ihnen ihre sexuelle Befriedigung wichtiger ist als die Frage, ob wir prostituierte Frauen diesen Sex wirklich wollen.
    Freier gehen bewusst und jedes Mal das Risiko ein, eine Vergewaltigung zu begehen.
    Freier sind Täter!
    Es geht so langsam voran. Ich weiss, dass es wehtut, hinzusehen. Jeden Tag gehen 1,2 Millionen Männer in Deutschland zu Prostituierten. Es sind eure Väter, Brüder, Ehemänner, Partner, Chefs, Arbeitskollegen. Niemand will sich vorstellen, dass die Männer, mit denen man täglich Umgang hat, heimlich so etwas tun. Aber viele von ihnen tun es eben. Wenn wir wegschauen, können wir weiter so tun, als wäre die Welt heil. Ich verstehe, dass das ein Verdrängungsmechanismus ist, der dem Selbstschutz dient.
    Wir wissen aber, dass der kommerzialisierte sexuelle Missbrauch in Deutschland existiert.
    Und an der Basis brodelt es.
    Politikerinnen und Politiker aller Parteien (außer der AfD, die braucht kein Mensch) sollten jetzt:

    bewusst hinsehen

    sich informieren

    handeln!

    In Deutschland werden hunderttausendfach FRauen und Mädchen, die aus den Armenhäusern Europas kommen, die durchs soziale Netz gefallen sind, die in Bezug auf Missbrauch vorgeschädigt sind und schonmal alleingelassen wurden, in der Prostitution sexuell ausgebeutet.
    Das ist rassistisch, klassistisch, sexistisch – und kolonalistisch.

    Die Frage ist: mit wem wollen wir uns solidarisieren? MIt den Ausgebeuteten, Ungleichgestellten? Oder wollen wir weiterhin Täterland sein?

    Es ist schon lange Zeit zum handeln!
    Wir brauchen:
    1. Die Einführung der Freierbestrafung
    2. Die völlige Entkriminalisierung von Frauen in der Prostitution
    3. Die Anerkennung der Tatsache, dass Prostitution sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist
    4. Aufklärung über Prostitution
    5. Das Recht auf Ausstiegshilfe aus der Prostitution.

    Das ist das Nordische Modell, und wir brauchen das Nordische Modell hier in Deutschland – JETZT!!!!

    “Wenn wir das Nordische Modell einführen, wandert Prostitution in den Untergrund” – eine kleine Aufklärung

      Bundesjustizministerin Christine Lambrecht warnt vor „Prostitution in dunklen Ecken“ und meint, die Einführung des Nordischen Modells sei keine Lösung, denn es gäbe nachher immer noch Prostitution – und mir als Frau aus der Prostitution geht bei solchen Aussagen so derbe die Hutschnur hoch.

      Eine kleine Aufklärung über “den Untergrund” tut Not.

      Das erste ist: Das Nordische Modell beendet nicht die Existenz von Prostitution. Soweit ist das richtig. Es dezimiert sie aber, und zwar enorm. In Schweden geht die Prozentzahl der Freier, gemessen an der Gesamtbevölkerung, jedes jahr um 0,5 % runter und ist mittlerweile bei phänomenalen 7%. Davon können wir hier in Deutschland nur träumen – je nach Statistik ist es hier jeder 3. Mann, der geht, 90%, die schonmal im Bordell waren (was nicht heisst, dass sie es immer noch tun, auch einmalige Ausflüge ins Milieu gelten) oder 3 von 4 Männern, die schonmal Prostitution genutzt haben. Könnten wir das auf 7% Freier runterschrauben, wäre das schonmal ein massiver Fortschritt! Davon mal abgesehen: Die Einführung der Strafbarkeit von Mord hat auch nicht dafür gesorgt, dass es keine Morde mehr gibt. Uns allen ist aber ja wohl klar, dass es noch mehr Morde geben würde, wenn Mord nicht strafbar wäre, oder?

      Das zweite ist: der leidige Untergrund und die „dunklen Ecken“. Was soll das überhaupt sein, der Untergrund? Es gibt in der Prostitution keinen Untergrund, denn irgendwie müssen Freier und Prostituierte sich ja finden. Wenn ein Freier, sagen wir mal, aus Berlin, auf eine Dienstreise nach Gütersloh geht und sich vornimmt, heute Abend für einen Hotelbesuch einer Prostituierten zu zahlen, dann WIRD er auch was finden, und zwar egal, in welchem prostitutionsgesetzgeberischen System – Gütersloh könnte hier auch in Sibirien liegen (wo die Prostituierten für die LKW-Fahrer an der Strasse stehen) oder in Russland, wo Prostituierte bestraft werden, oder halt in Schweden. Ein Freier, der zu einer Prostituierten will, wird sie finden, egal unter welcher Gesetzgebung, denn davon lebt die Prostitution ja, dass Freier und Prostituierte sich finden. Und wenn jetzt ein angereister Freier das finden kann, warum sollte es nicht jedeR andere auch tun? Hat der Freier Zeit, sich stundenlang auf der Strasse nach Getuschel und Geheimtipps umzuhören? Hat er Zeit, tagelang zu recherchieren? Hat er nicht. Braucht er auch nicht. Prostitution ist auffindbar. Sie muss es sein. Immer. Und wenn Freier Prostituierte finden können, warum sollten dann nicht auch Polizei, Sozialarbeiterinnen und alle anderen sie finden können? Sind die was dümmer als der Freier? Oder haben sie kein Internet? Naaaa, Kwatsch.

      Was soll das also sein, der „Untergrund“? Frau Lambrecht sagt, es wäre schlecht, das Nordische Modell einzuführen, denn dann verlagere sich alles in die „dunklen Ecken“, wo man überhaupt nicht mehr kontrollieren könne. Das ist ja nun widerlegt, Prostitution findet vielleicht manchmal in dunklen Ecken statt, aber am Ende wissen ja doch alle, die es betrifft, wo diese dunkle Ecke ist.

      Was also ist die Alternative zu der „dunklen Ecke“ und ihrem „Untergrund“, den es gar nicht gibt? Die Alternative ist die Realität in der Prostitution jetzt hier in Deutschland, in einem legalisierten und damit zuhälter-, menschenhändler- und freierfreundlichen System. Die Alternative ist, dass Prostitution und mit ihr einhergehend der ganze sexuelle Missbrauch, die Verletzungen von und Übergriffe an Frauen und Mädchen, die ganze Frauenfeindlichkeit VOR ALLER AUGEN (sozusagen im VORDER- statt Untergrund) stattfinden. Das TeenyLand-Bordell wirbt offen damit, dass dort alle Mädchen aussehen, als wären sie minderjährig. Die Bordellzimmer sehen aus wie Kinderzimmer, inkl. Teddybären, Schreibtisch wo man die Hausaufgaben machen kann etc. Haben wir ein Problem? Ach nein, damit haben wir kein Problem. Auf jeder 2. Taxe ist in manchen Städten Puffwerbung drauf (schmierige Sprüche der Taxifahrer, wenn man als Frau dort einsteigt, inklusive). Junge, rumänische, halbnackte Mädchen rekeln sich da drauf. Jeder kann sich sexuellen Zugang zu ihnen kaufen, weil es erlaubt ist, und weil sie verdammt arm sind und keine andere Wahl haben. Haben wir ein Problem? Ach nein, wir haben kein Problem. An der Kurfürstenstrasse in Berlin stehen drogenabhängige Frauen, die kaum Hilfe erhalten, die oft nicht mal ein Obdach haben. Sie steigen in fette Karren zu Typen, die echt heftige, ekelhafte Dinge von ihnen verlangen. Und alle sehen zu. Haben wir ein problem? Ach nein, wir haben kein Problem.

      Jetzt und hier findet das alles unter aller Augen statt. Und das führt auch dazu, dass wir alle abstumpfen. Dass wir uns sagen: Prostitution ist doch normal. Prostituierte zu sein ist doch normal. Die brauchen doch keine Hilfe.

      Aber meistens brauchen wir Prostituierten genau diese Hilfe eben doch.

      Wir haben die Wahl: lassen wir den Missbrauch an Frauen und Mädchen unter aller Augen geschehen?

      Oder verringern wir durch eine Strafbarkeit des Freierseins die Nachfrage und damit das Angebot massiv, und das, was an Prostitution immer noch dableibt, ist dennoch für alle auffindbar, die es angeht – Polizei, Hilfesysteme und so weiter?

      Prostitution ist in DEutschland offensichtlich. Und doch auch wieder nicht. Denn: in über 80% Deutschlands ist Prostitution auszuüben auch jetzt schon verboten – durch die Sperrbezirke. Bestraft werden bei Kontrolle aber die Frauen aus der Prostitution. So gesehen ist das, was Lambrecht als “dunkle Ecken” bezeichnet, jetzt schon da – Leidtragende sind prostituierte Frauen, denen durch Bussgeldbescheide wegen Verstosses gegen die Sperrbezirksverordnung der Ausstieg erschwert wird. In Schweden dagegen gibt es keine Sperrbezirke für Prostituierte – Prostitution auszuüben ist erlaubt. Überall. Hingegen wird für das ganze Land zum Sperrgebiet für Freier.

      Ich sehe absolut ein, dass Prostitution auszuüben im Nordischen Modell sicher nicht mehr ganz so einfach ist, wie hier im legalisierten System. Hier kann man sich anmelden (wenn man sich das leisten kann) und ab in den nächsten Puff.

      Im Nordischen Modell gibt es keine legalen Puffs mehr. Dafür ist Prostitution auf Anbieterinnenseite aber eben auch nicht strafbar. Ja, es kann sein, dass Freier dann sehr viel vorsichtiger werden, dass sie, weil sie wissen, dass die Kontaktanbahnung und der Vollzug für sie (und nur für sie) strafbar ist, Sicherheitsmassnahmen ergreifen wie: ich sage dir meinen Namen nicht und am besten, wir machen es bei mir Zuhause.

      ABER.

      Freier wollen auch jetzt und hier mega oft unentdeckt bleiben. Sie wollen nicht, dass ihre Familie davon erfährt. Sie wollen, wenn sie das Gummi abgezogen haben, keinen Stress mit der Polizei. Sie wollen nicht, dass die blauen Flecken an der Prostituierten für sie Konsequenzen haben.

      Und das ändert sich auch im Nordischen Modell nicht. Freiersein bedeutet einerseits, völlig offen agieren zu können, denn auf dem Freiersein liegt kein Stigma hierzulande, und es ist auch nicht strafbar. Und trotzdem gibt es unendlich viel, was Freier verstecken wollen. Und sie verstecken es bereits hier und jetzt.

      Warum müssen wir uns darüber streiten, wo Prostitution stattfindet, im Vordergrund, im Untergrund? Im für alle sichtbaren Megabordell, wo der Missbrauch KEINE Konsequenzen hat, weil er legal ist, oder im Nordischen Modell heimlich auf Hausbesuch?

      Warum muss Prostitution überhaupt stattfinden?

      Im Nordischen Modell geht Prostitution quantitativ zurück.

      Und auch qualitativ werden die Folgen der Prostitution für die Prostituierte geringer. Denn all die Übergriffe, die sie jetzt nicht anzeigen kann, kann sie dann anzeigen. Und der Freier weiss das. Er wird sich meistens hüten, irgendeine Grenze zu übertreten.

      Es ist so nobel, dass Frau Lambrecht meint, die Sicherheit von uns Prostituierten sei wichtig.

      Aber wovon reden wir, wenn wir von Sicherheit sprechen?

      Reden wir nur von den zusätzlichen Übergriffen in der Prostitution, Sachen, die nicht abgesprochen waren, Vergewaltigungen, ein plötzlicher Schlag ins Gesicht, anspucken usw., dem beliebten Freierspiel „falsches Loch erwischt“, ein extraharter Hatefuck, ein permanentes Austesten der Belastbarkeitsgrenzen?

      Oder reden wir auch davon, dass Prostitution immer ein sexueller Übergriff ist?

      Wenn wir ehrlich sind und konsequent analysiert haben, müssen wir von beidem reden.

      Und in beiden Fällen sind Freier die Täter. Wenn wir über Sicherheit für uns prostituierte Frauen sprechen, sprechen wir über die Taten von Freiern. Freier sind das Problem. Warum also sie machen lassen?

      Dafür würde ich irre gern mal auch nur ein einziges gerades Argument hören.

      “Wenn wir das Nordische Modell einführen, nehmen wir behinderten Männern die einzige Möglichkeit, Sex zu haben” – ist das so?

        Während meiner Zeit in der Prostitution hatte ich keinen einzigen behinderten Freier.
        Dennoch wird jetzt so getan, als würde die Einführung des Nordischen Modells in Deutschland massenhaft Behinderte diskriminieren, weil die dann keine Möglichkeit mehr hätten, Sex zu haben.
        Dazu kurz ein paar Worte.

        Erstens sind die meisten Freier nicht behindert. Sie sind nicht mal Männer, die “sonst nicht an Sex kommen”. Denn weit über die Hälfte der Freier lebt in einer Ehe oder Beziehung. Statistiken zeigen zudem, dass Freier selbst ausserhalb ihrer Prostitutionsnutzung viel mehr Sexualpartnerinnen haben als Männer, die nicht zu Prostituierten gehen. “Prostitution ist für Männer, die aus welchen Gründen auch immer sonst keinen Sex haben können” – das ist also ein Argument, das so schon gar nicht zutrifft.

        Zweitens ist die Fokussierung auf die Beibehaltung prostitutiver Praxis unter Rücksichtnahme auf Behinderte behindertenfeindlich. Denn sie geht davon aus, dass Behinderte Menschen sind, mit denen niemand Sex haben will, dass niemand sie anfassen will, dass niemand Lust empfindet bei dem Gedanken, mit ihnen ins Bett zu gehen. Dem ist nicht so. Ich habe vielen Bekannte und FreundInnen, die die eine oder andere Beeinträchtigung haben, und viele von ihnen sind in Partnerschaften oder haben ein Sexualleben. Hört auf, Behinderte als Menschen abzustempeln, mit denen keiner wollen kann! Und hört auf, Menschen mit Beeinträchtigung vorzuschieben, um sicherzustellen, dass ALLE Männer gesicherten Zugang zur Gruppe Frauen kaufen können! Das ist BENUTZEN und sonst nichts. Wenn ihr, liebe Freier, Frauen kaufen wollt, dann sagt das offen so, aber schiebt nicht behinderte Menschen vor. Um die geht es euch nämlich gar nicht.

        Drittens: jedeR hat ein Recht auf Sexualität. Und zwar auf seine eigene. Aber niemand hat das Recht, dafür jemanden zur Verfügung gestellt zu bekommen. Das ist ein Unterschied. Diese Regel hat für ALLE zu gelten. Es gibt so viele Menschen, die ihre Sexualität nicht bzw. nur mit sich selbst ausleben können. Alte Menschen, schüchterne Menschen, körperbeeinträchtigte Menschen, Menschen mit seelischen Belastungen, einsame Menschen. Das ist traurig, aber es wäre noch trauriger, würden wir, um dieses Leid zu lindern, anderes Leid produzieren, nämlich indem wir eine Gruppe von Frauen dazu ausersehen, die Bedürfnisse anderer zu stillen, während sie ihre eigenen wegdrücken müssen. Das ist nicht die Lösung!

        Und viertens, hier zum aktuellen Fall, siehe Screenshot. Ja, dieser Freier sitzt im Rollstuhl. Aber ich sage es mal ganz knallhart:

        1. Dieses “Alle Frauen sind böse”- ist purer Chauvinismus.

        2. Es ist nicht wahr, dass “alle Frauen” denken, im Rollstuhl wäre man nur “ein halber Mann”.

        3. Frauen schulden ihm nichts. Gar nichts. Keinen Sex. Kein Wort. Nichts.

        4. Von Frauen abgelehnt zu werden, gibt ihm nicht das Recht darauf, von irgendwem den Sex, der ihm anderswo nicht abgeliefert wird, zu fordern.

        5. Die Forderung, Frauen zur Auslebung der eigenen Sexualität zur Verfügung gestellt bekommen zu müssen, ist reinste Incel-Denke.

        6. Es gibt kein Recht auf Sex.

        7. Wenn Du, lieber Tweeter, schon begriffen hast, dass Frauen keine Lust auf Dich haben, ist es umso härter, dass Du meinst, Du müsstest trotzdem unbedingt mit ihnen Sex haben. Ich verrate Dir ein Geheimnis: wenn eh schon keine Bock auf Dich hat, dann gilt das für uns Prostituierte erst recht. Wir zeigen es bloss nicht, weil Du zahlst.

        8. Wenn Du denkst, dass es trotzdem okay ist, mit Frauen Sex zu haben, obwohl die keinen Bock auf Dich haben, bist Du ganz tief drin im Vergewaltigergedankengut.

        9. Bei dieser Deiner Einstellung gegenüber Frauen wundert mich nicht, dass Du keinen Sex hast, ohne dafür zahlen zu müssen.

        10. Das Frauen keinen Bock auf Dich haben, liegt nicht am Rollstuhl, sondern daran, dass Du ein ein harter Unsympath bist.

        Nach dem Vorschlag der CDU und Teilen der SPD, die jetzt für das Nordische Modell inklusive Freierbestrafung plädieren, werden wir jetzt öfter das Pseudoargument “Und was ist mit aaaaaaall den behinderten Männern?” hören.

        Dazu hier nochmal der Link zwei Texte über Prostitution und Menschen mit Beeinträchtigung von mir.

        “Sexualassistenz – Wolf im Schafspelz”

        und

        “Warum Sexualassistenz auch nur Prostitution ist”

        Zwischen den Fronten

          Waaaaaah. Gerade macht Presseschau mal wieder überhaupt keinen Spass.
          Die FPÖ in Österreich möchte Asylbewerberinnen verbieten, mit Prostitution Geld zu verdienen, während ihr Verfahren noch läuft.

          Erstmal den Kopf aufräumen. Und dann feststellen: wir Frauen in und aus der Prostitution sind mal wieder die Gearschten. Aber von vorne.

          Österreich ist ein Land mit einer äusserst konservativen Prostitutionspolitik. Das bedeutet: Freier sein ist voll okay, Prostitution ist voll okay, Prostituierte sind pfui. Und weil sie pfui sind, müssen prostituierte Frauen dort alle 6 Wochen zu einer verpflichtenden medizinischen Untersuchung. Ja, ihr habt richtig gelesen: UNTERSUCHUNG. Nicht Beratung. UNTERSUCHUNG. Ja, das bedeutet: so richtig mit ab auf den Gynstuhl, Beine breit und drin rumfummeln. Unschön? Nicht nur das. Sondern ein klarer Verstoß gegen die Menschenwürde und gegen die körperliche Selbstbestimmung von Frauen. Und wenn ich mir das mal kurz erlauben darf: unsere werte CDU hier wollte genau das ins 2017 in Kraft getretene ProstSchG einschreiben. Denn augenscheinlich kommt es bei prostituierten Frauen auf einmal mehr Beinebreitmachen dann schon gar nicht mehr an. Aber wir wundern uns ja nicht jetzt, dass von Frauenfeinden frauenfeindliche Vorschläge kommen.
          Jedenfalls ist es in Österreich so, dass Asylbewerberinnen und Asylbewerber nicht arbeiten dürfen, während ihr Verfahren läuft. So weit, so scheisse. Aber prostituieren dürfen sie sich. So weit, so noch scheisserer. Es riecht nach Kolonialismus hier und nach einer fetten Kombi aus Rassismus und Frauenverachtung – die Arbeitsplätze dürfen AsylbewerberInnen keinem wegnehmen dürfen, gell, aber unseren weissen Herren die Schwänze lutschen, das geht. Passt schon.

          Das ist ein Zustand, der geändert werden muss. So weit so klar. Jetzt kommt ausgerechnet die rechte FPÖ ums Eck und befindet, dass nichtösterreichische Frauen von Schleppern, Menschenhändlern und anderen Kriminellen unter Druck gesetzt werden, sich zu prostituieren. Und damit hat die FPÖ auch noch recht! Erwartungsgemäss kommt aber kein ordentlicher Lösungsvorschlag. Denn die FPÖ fordert ein Prostitutionsverbot für Asylbewerberinnen. Das ist deswegen bescheuert, weil es zu kurz gedacht und, wie anders zu erwarten von den rechten, frauenfeindlich ist. DENN. Frauen werden in Österreich in die Prostitution gedrängt, weil es so viele Freier gibt, die die Nachfrage stellen. Damit ist es für Kriminelle klar, dass es sich lohnt, Frauen in Österreich zur Prostitution zu zwingen. Da kann man richtig Kohle machen bei. Sind ja genug Abnehmer da! Aber anstatt logisch vorzugehen und ein Sexkaufverbot zu fordern und damit die Nachfrage zu reduzieren und es für Menschenhändler und Zuhälter unrentabel zu machen, Druck auf Frauen auszuüben, lässt sich die FPÖ an den Frauen aus. Denn das Herrenrecht, eine Gruppe von Frauen zur ständigen sexuellen Verfügbarkeit in sklavenähnlichen Zuständen zu halten, das darf nicht angetastet werden.

          Stattdessen wird an prostituierten Frauen rumreguliert. Wo ist da der Sinn? Warum reguliert man an denen rum, die Gewalt erfahren? Denn eine Asylbewerberin, die dabei erwischt wird, wie sie sich prostituiert oder wie sie prostituiert wird, hat ganz gewiss straf- und aufenthaltsrechtliche Konsequenzen zu befürchten. Was soll das? Bestrafen wir jetzt Opfer von Gewalt? Würden wir auch an Frauen rumregulieren, die von ihrem Partner geschlagen werden? Würden wir sie bestrafen, weil es ja schliesslich verboten ist, jemanden zu schlagen, und sie aber geschlagen worden sind? Niemals, das ergäbe überhaupt keinen Sinn. Aber genau das wird hier vorgeschlagen.

          Ich konstatiere: der Lösungsvorschlag ist zum kotzen. Genauso zum kotzen ist aber auch, dass die FPÖ die einzige Partei ist, die das Problem anspricht. Aus allen anderen Ecken hört man dazu mal wieder nur die Grillen zirpen. Denn während die FPÖ wenigstens zu ihrem Frauenhass steht und kein Problem damit hat, ihn offen herauszuposaunen, wird das Thema „In Deutschland und Österreich werden Frauen aus armen Schichten, mit gewaltbesetzten Biographien und aus anderen, als minderwertig erachteten Ländern dafür hergenommen, dem weissen Herrenmenschen die Schwänze zu lutschen“ hier unter den Tisch fallen gelassen. Warum? Nun, weil unsere „bürgerliche Mitte“ und leider auch die Linke nicht wirklich ein Problem mit Frauenhass hat, sondern ihn uns noch als Empowerment, choice und Befreiung verkauft. Und das bisschen Rassismus und Klassismus, dass da am Sexismus dranklebt, ach, man nimmt es in Kauf. Kommt ja schon nicht mehr drauf an, gell?
          Nicht mal Organisationen, die explizit für Frauenrechte eintreten sollten, haben uns Frauen aus der Prostitution noch auf dem Schirm. Auf den Lösungsvorschlag der FPÖ angesprochen, sagt eine österreichische Beratungsstelle für Frauen aus der Prostitution: „”Wir haben oft Frauen beraten, die in sehr langen Verfahren steckten, und wir wissen, dass es für die Menschen positiv ist, wenn sie das Gefühl haben, dass sie auch erwerbstätig sein können. Auch wenn es Sexarbeit ist.”

          Einfach mal sacken lassen.

          Und sich dann fragen, wer überhaupt für uns eintritt. Die Rechte? Ganz sicher nicht. Die Linke? Kann man allzu oft nur abwinken, selbst als sehr linke Person. Feministinnen? Solange sie nicht radikalfeministisch sind: goodbye.
          Schade. Die einen wollen an uns rumregulieren, die anderen wollen auch ein Stück von unserer sexuellen Ausbeutung und die wieder anderen reden unsere Ausbeutung schön.
          So wird sich an den herrschenden Zuständen niemals was ändern!

          Minderjährige in der Prostitution

            Während meiner Zeit in der Prostitution hat mich, selbst als nicht klar war, ob ich volljährig bin, NIE ein Freier gefragt, wie alt ich eigentlich WIRKLICH bin. Und auch nie, ob ich freiwillig hier bin. Bin ich damit ein Einzelfall?

            In Hamburg stehen zwei Männer vor Gericht.
            Sie haben einem Mann ein 15-jähriges Mädchen “abgekauft”. Auch dieser hatte es zur Prostitution gezwungen, es ist nicht klar, wie lange schon.
            Dann haben sie das Mädchen an Freier vermittelt. Ihre Einnahmen hat sie abgeben müssen, um ihre “Schulden” ( = ihren Einkaufspreis) bei ihren neuen Zuhältern abarbeiten zu müssen.
            Schliesslich hat sich die Polizei verdeckt auf eine der Anzeigen gemeldet, in denen sie als frisch 18 geworden beworben wurde und liess die Sache hochgehen.

            Als Argument gegen das Nordische Modell kommt häufig, das sei schwierig, weil die Freier dann Fälle, in denen sie Zwangsprostitution vermuten, nicht mehr anzeigen würden. Denn sie sind über die Freierbestrafung ja eh schon kriminalisiert und müssten dann zugeben, Freier gewesen zu sein. Nun: In dem Fall hier hat sich KEIN EINZIGER FREIER bei der Polizei gemeldet. KEIN. EINZIGER. Und das, obwohl das Freiertum in Deutschland nicht illegal ist. Ja, es gibt mittlerweile ein lächerliches Gesetz hier, was den wissentlichen (!!!), vorsätzlichen (!!!!!!) Besuch bei Zwangsprostituierten (ohne dass “Zwang” allerdings definiert wird) unter Strafe stellt. Ein Gesetz, über das Freier sich herzlich einen ablachen werden. Denn “Zwang” nachzuweisen ist schwer. Und nachzuweisen, dass ein Freier von diesem Zwang wusste, noch schwerer. In diesem Fall hier ist es so, dass klar erkennbar gewesen sein muss, dass das Mädchen nicht volljährig ist – denn sie wurde ja auch schon BEVOR sie 15 war prostituiert, und ein 13- oder 14-jähriges Mädchen kann man von einer 18-jährigen sehr wohl unterscheiden.
            JEDER ihrer Freier hätte bei ihrem Anblick entscheiden können, sie NICHT zu missbrauchen, sondern sofort zur Polizei zu gehen. Ihm wäre NICHTS passiert.
            JEDER ihrer Freier hätte sogar NACHDEM er sie missbraucht hat, zur Polizei gehen können. Ihm wäre nichts passiert, wenn er gesagt hätte, dass ihm erst zum Schluss was komisch vorkam. Ihm wäre nichts passiert.

            KEINER ihrer Freier hat das getan. KEINER ist zur Polizei gegangen. KEINER hat ihr geholfen.
            Ein junges Mädchen wird ge- und verkauft und gezwungen, sich preiszugeben, und all die erwachsenen Männer drumrum entscheiden sich, ihr nicht zu helfen, sondern auch ein Stück vom Kuchen zu ergattern und eben auch mal drüberzurutschen.

            Das Argument gegen das Nordische Modell, dass Freier ständig Zwangsprostituierte melden würden und es dann unter schwedischer Gesetzeslage nicht mehr tun würden, ist keines. Denn sie melden Fälle von Zwangsprostitution, sogar wenn diese offensichtlich ist, weil sie eine Minderjährige vor sich haben, fast nie. Sie haben nichts gegen Zwang. Sie haben nichts gegen Zuhälter. Und sie haben auch nichts gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen in der Prostitution.
            Denn erst der Zwang, erst die Zuhälter, erst die Gewalt (und die Armut, die vorausgegangene sexuelle Gewaltgeschichte usw.) sorgen dafür, dass das Angebot, nach dem sie so sehr nachfragen, zur Verfügung gestellt werden kann.
            Oder woher sollen die “tabulosen”, möglichst jungen Frauen in ihrem Bett sonst kommen?

            Freiersein bedeutet, zu profitieren von Tätern, die vor einem selbst an einer Frau oder einem Mädchen Gewalt ausgeübt haben, um dann noch einen draufzusetzen und auch Gewalt ausüben zu können – möglichst, ohne das Mädchen vorher schlagen oder überwältigen zu müssen. Das haben ja dann andere schon gemacht. Wie praktisch.

            Leider ist die Gesetzeslage in Deutschland so, dass zwar ihre Zuhälter jetzt vor Gericht stehen – ihre Freier aber nicht.
            Die suchen sich einfach die nächste “18-jährige”, die in einer Annonce beworben wird.
            Noch.
            Ich hoffe, dass das in, sagen wir, 5 Jahren nicht mehr möglich sein wird, weil sie dann Angst vor einem Bussgeld oder besser noch vor einer Gefängnisstrafe haben müssen!
            Denn Fakt ist: Zuhälterei und Zwangsprostitution gibt es nur, weil Freier eine Nachfrage nach Prostitution stellen.
            Wenn Männer keinen Sex kaufen würden, würde es auch keine Männer geben, die Frauen und Mädchen zur Prostitution zwingen.
            Diese beiden Zuhälter hier haben getan, was sie getan haben, weil es sich GELOHNT hat. Weil sie damit sehr viel Geld verdient haben. Sie hätten schön auf dem Trockenen gesessen, wenn es keine Freier gegeben hätte.
            Haben sie aber nicht.
            Denn es gibt genug Freier. Und damit auch genug Zuhälter.
            Und damit genug Mädchen und Frauen, die von beiden ordentlich ihren Schaden wegbekommen haben.
            Das muss aufhören – und zwar dalli!

            Gewalt in der Prostitution

              In Thüringen ist eine Frau aus der Prostitution zusammengeschlagen worden. Der Täter war ihr Freier. Angeblich war er mit den “Leistungen”, die sie geliefert hat, nicht einverstanden.
              Wir vom Netzwerk Ella sind alle Frauen aus der Prostitution. Und wir kennen alle diese Angst vor Übergriffen durch Freier.
              Davon mal abgesehen, dass Prostitution an sich schon ein sexueller Übergriff ist – denn es werden sexuellen Handlungen an und mit einer Person durchgeführt, die den Sex nicht will, sondern das Geld braucht -, neigen Freier generell dazu, Grenzen zu übertreten.

              Da hat man schnell mal den Finger im Po, obwohl man gesagt hat, dass anal ein Tabu ist.
              Da hat man schnell mal die Zunge im Hals, obwohl man gesagt hat, dass man nicht küsst.
              Da liegt schnell mal die Hand auf dem Hals, obwohl man gesagt hat, dass man keine Würgespiele macht.

              Warum ist das so?

              Es ist so, weil Freier Männer sind, die glauben, sie hätten ein Recht auf Sex. Es sei etwas, dass ihnen geliefert werden müsse. So, als könnte eine Frau einem Mann Sex geben ohne beteiligt zu sein, so, wie man Leuten, die einen Döner kaufen, das Essen über die Theke reicht. So, als sei ein Blowjob eine Dienstleistung.
              Sex ist aber keine Dienstleistung. Sonst könnten sich die Freier ja den Blowjob ja auch von einem 60-jährigen Mann holen, der auf ALG2 ist und Flaschen sammelt. Den fragen sie aber komischerweise nie nach so einer „Dienstleistung“. Aber wenn es eine wäre, wäre das doch möglich, Dienstleistung ist Dienstleistung, oder?

              In Wirklichkeit ist Prostitution Frauenkauf. Es wird ein bestimmter Körper gekauft. Und Freier wissen das, da können sie von Dienstleistungen reden, wie sie wollen. Sie wissen, dass sie nicht wie auf einer Speisekarte auswählen, welche Praktiken sie gereicht bekommen wollen. Sie wissen, dass sie eine Frau kaufen, auf Zeit. Deswegen fragen viele Freier auch: „Was kostest du?“ statt „Was kostet es bei dir?“
              Freier sind Männer, die denken, dass Sex ihnen zusteht. Und insgeheim sind sie sauer darüber, dass sie dafür noch bezahlen müssen. Wo sie doch so gut im Bett sind. Wo die Hure doch auch was davon hat. Wo sie doch der nette Freier sind. Oder überhaupt geduscht und das.

              Und weil sie insgeheim nicht einsehen, für das, was ihnen zusteht, auch noch bezahlen zu müssen, versuchen sie, so viel wie möglich rauszuholen. Sie beuten Frauen sexuell aus. In ihren Augen haben sie zwar offiziell für eine Dienstleistung bezahlt, aber sie fühlen sich, als hätten sie die Frau gekauft. Und da ist jedes Tabu etwas, das ihnen zu Unrecht vorenthalten wird.
              Und das geht natürlich nicht.

              Freier sind Gewalttäter. Die Gewalttat beginnt dort, wo sie mit einer Frau schlafen, die das eigentlich nicht will. Die eigentlich nur die Kohle will.

              Freier sind Gewalttäter. Die Gewalt geht weiter dort, wo sie ihre öknomische Überlegenheit nutzen, sich Zugang zu einer Frau zu kaufen, die ohne diesen Machtunterschied nie mit ihnen schlafen wollen würde.

              Freier sind Gewalttäter. Vom Akt des Kaufens von „sexuellen Dienstleistungen“ zum weiteren Performen eines sexuellen Aktes mit einer Person, die deutlich Unlust zeigt, die sichtbar ihren Ekel und Unwillen unterdrückt, die vielleicht weint oder Schmerzen hat, ist es kein großer Schritt.

              Freier sind Gewalttäter. Wenn sie diese Grenzen überschritten haben, ist es nicht mehr weit dazu, mehr einzufordern als ausgemacht war. Schliesslich hat man bezahlt. In ihren Augen mehr als genug. In ihren Augen für mehr als ausgemacht war.

              Freier sind Gewalttäter. Von den sexuellen Praktiken, die nicht abgesprochen sind, zu noch mehr Gewalt, zu Schlägen usw. überzugehen erfordert nicht das Überwinden einer großen Hemmschwelle.

              Und von da ist es nicht mehr weit zu Mord.

              Freier sind Männer, die so sehr denken, sie hätten ein recht auf Sex, dass sie die Person, die daran teilnimmt, weil sie sie bezahlt haben, nicht mehr als Mensch wahrnehmen. Als Menschen, der einen Willen hat und der Grenzen hat. Es ist ihnen egal. Sie haben bezahlt. Die andere Person zählt nicht mehr. Sie hat zu tun, was und wie sich die Freier das vorstellen – sonst gibt’s saures. In den Augen von Freiern schulden wir ihnen Sex, ob wir wollen oder nicht. Und wenn wir nicht abliefern wie gewünscht, hat das Konsequenzen – wie in diesem Fall.

              Könnt ihr euch vorstellen, wie es ist, mit einem Mann ins Bett zu gehen, nackt, verletzlich, allein, der so aggressiv ist? Immer mehr fordert? Immer mehr an die Grenzen geht? Dessen Handlungen man immer mehr abwehren muss, ohne ihn aber zu verärgern?
              Ein Job wie jeder andere? Ganz sicher nicht.
              Dieser Freier hier ist keine Ausnahme. Er ist nicht „das schwarze Schaf“ oder „das faule Ei im Korb“. Er hat konsequent weitergeführt, was seine Freierdenke in seinem Hirn angelegt hat.

              Über 80 Morde an Frauen in der Prostitution seit 2002. Die meisten verübt durch Freier.
              Fakt ist: Prostitution zu nutzen bedeutet, es okay zu finden, dass Sex gemacht wird, obwohl nur einer den Sex wirklich will. Prostitution zu nutzen bedeutet, zu glauben, es gäbe für Männer ein Recht auf Sex. Prostitution zu nutzen bedeutet, unter „Sex“ zu verstehen, dass alles sich auf die Wünsche des Mannes ausrichtet.
              Brauchen wir das im Jahr 2019, wo wir über „enthusiastischen Konsens“ reden, wirklich noch? Nein. Haben wir nie gebraucht.

              Freiertum ist Gewalt und führt zu noch mehr Gewalt.

              Alles Gute an die Kollegin!

              Wenn Freier einen darüber belehren, wie Prostitution wirklich ist…

                Ich als Exprostituierte, die sich für die Einführung der Freierbestrafung in Deutschland einsetzt und die offen darüber spricht, wie Prostitution so ist, bekomme andauernd Zuschriften von Freiern, die mich davon überzeugen wollen, dass es „nicht so ist“, wie ich es erlebt habe. Eigentlich veröffentliche ich die nicht, aber heute habe ich mich doch mal dazu entschlossen, damit ihr mal einen Einblick bekommt in die Art, wie Freier denken. Geschrieben hat mir einer aus der Kategorie, die wir im Bordell „Liebeskasper“ genannt haben. Er ist einer von den “netten Freiern”. Aber ist er deswegen harmlos?

                Das hier ist seine Mail:

                Betrachtet man diese seine Zuschrift analytisch, kann man folgendes feststellen:

                1. Er ist davon überzeugt, dass er anders ist. Nicht so schlimm wie die anderen.

                2. Eigentlich findet er es schlimm, Sex zu kaufen. Damit heuchelt er, ein Gewissen zu haben (als würde das etwas besser machen, wenn man weiss, dass etwas schlimm ist und man tut es trotzdem).Nur wenn ER es tut, dann ist es nicht so schlimm.

                3. Und ja, er findet, Prostitution ist Missbrauch. Aber er missbraucht nur ein kleines bisschen, denn er penetriert die Frau nicht, er lässt sich „nur“ einen runterholen. Das sei etwas, was er noch mit sich vereinbaren könne. Ein kleines bisschen Missbrauch, noch dazu von etwas ganz besonderem wie IHM, ist also okay.

                4. Er behauptet, dieser Frau gutzutun: mit langen Gesprächen, mit Massagen, indem er „auf ihre Wünsche eingeht“. Und er bemerkt nicht oder will nicht bemerken, dass er damit nur versucht, noch mehr aus dieser Frau rauszuholen als andere Freier: mit den Gesprächen versucht er, in ihre Privatssphäre einzudringen, sie muss Extraarbeit leisten (emotionale und psychische), indem sie sich auf ihn einstellt, ihm Sachen von sich verrät, damit er sich weiter „besonders“ fühlen kann, denn das ist, was er hier kauft. Sie muss ertragen, endlos von ihm gestreichelt, massiert, abgeleckt zu werden und sie muss vorgeben, dies seien ihre Wünsche, wo ihr einziger Wunsch wahrscheinlich doch ist, dass er geht (und sie nicht anfasst). Das ist auch Extraarbeit: noch so tun zu müssen, als gefiele es einem, 2 Stunden lang den Ekel, die Abscheu wegdrücken, lächeln, „ach du tust mir so gut, du bist so anders“ usw.

                5. Er bringt ihr Geschenke mit und glaubt, damit nicht so schlimm zu sein wie andere Freier, aber meint hier irgendwer, diese Geschenke mache er ihr selbstlos?

                6. Er nutzt ihre wirtschaftliche Lage aus, in dem er vorgibt, aus Gewissensgründen nicht mehr zu ihr kommen zu können, und holt sich so über Erpressung eine Bestätigung für sein Ego ab: er sei ihr „liebster Kunde“, habe sie ihm gesagt, „ein Lichtblick“. Er weiss genau, dass sie das Geld nötig hat, und das nutzt er, um sie sagen zu lassen, er sei doch nicht so schlimm wie die anderen. Danach kann er sagen, sie habe es ja so gewollt, unter Tränen habe sie ihn angefleht, nicht wegzubleiben. Ist das widerlich oder ist das widerlich?

                7. Wenn sie ihm wirklich so Leid tut und er der Samariter ist, als der er sich hier ausgibt, warum gibt er ihr dann nicht einfach das Geld und geht wieder? Aber nein, er missbraucht sie 2 Stunden lang, lässt sie noch emotionale und psychische Arbeit verrichten, indem er sie sein Ego und Selbstbild streicheln lässt und indem er sie aus purer Not sagen lässt, er müsse doch kein schlechtes Gewissen haben.

                8. Er hofft, dass sie aussteigt, weil „die anderen Freier“ ja so schlimm sind und sie kaputt machen. (Er natürlich nicht.) Und für den Fall, dass sie aussteigt, hat er ihr auch gleich seine private Nummer gegeben, damit er ihr dann „helfen“ kann. Er lässt sich versichern, dass sie ihn danach weitertreffen wird. Und er glaubt natürlich: ohne Kohle. Sprich: er denkt, er könne sich hier seine eigene kleine Privathure aus dem Bordell holen, natürlich kostenlos.

                9. Und so kommt er, der einer der schlimmsten Blutsauger unter den Freiern ist, zu dem Schluss: „Ich weiß, dass ich mit dem was ich tue auch zur Unterstützung der Prostitution beitrage und das ist schlecht.Trotzdem schäme ich mich dafür nicht, weil ich die Spanierin in einer schlimmen Gesamtsituation unterstütze und sie als das behandle was sie ist.Nämlich eine wundervolle Frau und ein wertvoller Mensch.“

                Dabei sollte er sich sehr wohl was schämen. Auch die Tatsache, dass er mir seitenweise Ergüsse schreibt, ist der Versuch, sich von mir emotionale Arbeit zur Aufrechterhaltung seines Selbstbildes zu erschleichen. Plus, glaubt eigentlich irgendwer, es sei cool, wildfremde Frauen mit ungebeten eingesandten detaillierten Schilderungen von „Streichelsex“ beeindrucken zu können? Was ist das anderes als ein Penisbild in Schriftform?
                Also hier, bitte schön, die Zuschrift von heute Nacht. Lest es euch durch und fragt euch, ob es auch harmlose Freier gibt. Oder teilt es und fragt eure Bekannten, die bisher der Meinung waren, es gäbe doch auch nette Freier, ob sie die jetzt immer noch so furchtbar NETT finden.

                Freiwilligkeit und Prostitution

                  Als Exprostituierte bin ich oft müde davon, zum hundertsten Mal ausdiskutieren zu müssen, ob Prostitution freiwillig ist. Denn die Frage nach dem Existenzrecht von Prostitution hängt nicht davon ab, ob es irgendwo eine gibt, die es “freiwillig” macht.

                  Wir brauchen mehr politische Analyse und weniger Fokusverschiebung auf die, die durch die Prostitution in der handlungsbeschränkteren Lage sind (das sind wir prostituierten Frauen). Prostitution wird nicht dadurch okay, dass irgendwo irgendeine sagt, dass sie es “freiwillig” tut, genauso wenig, wie partnerschaftliche Gewalt dadurch okay wird, dass eine Frau “freiwillig” bei ihrem schlagenden Mann bleibt.

                  Diese Konzentration auf das “ja” der Frau erinnert an Victimblaming. Wir brauchen mehr politische Analyse, wir brauchen einen Blick darauf, in welchen UMSTÄNDEN das “JA” gegeben wurde, und dann sehen wir: Ein “Ja”, das gegeben wird, weil ein “Nein” hiesse, negative Konsequenzen zu tragen (nichts zu essen, kein Geld für die Miete, Schläge) kann kein Konsens sein.
                  Abgesehen von der politischen Analyse fehlt mir auch oft der Blick auf die Freier. Warum wird andauernd das Verhalten derer, die sich prostituieren, kritisiert und zum 100. Mal durchgekaut? Wir sind doch schon lange an dem Punkt, an dem wir wissen, was Frauen dazu bringt, sich zu prostituieren.
                  Drehen wir doch den Spieß mal um und betrachten die Freier. Während man einer Frau sehr wohl zugestehen muss, dass sie mit ihrem Körper machen kann, was sie will (oder muss, um zu überleben), kann man einem Menschen wohl kaum genehmigen, mit dem Körper eines anderen zu tun, was er will – das sind nämlich zwei verschiedene Paar Schuhe.

                  Ist es okay, alles zu tun, um das eigene Überleben zu sichern, ist es okay, mit seinem eigenen Körper zu tun, was man möchte? Klares Ja.
                  Ist es okay, sich sexuellen Zugang zum Körper einer anderen Person zu kaufen? Klares Nein.
                  Das Main Echo hat mit einigen Freiern gesprochen und ich bin froh, dass sie der Freiersicht Raum gegeben haben. Die Interviews mit ihnen machen klar: Freier gehen zu Prostituierten,

                  – weil sie es mögen, dass Frauen dort nicht nein sagen (können) und dass sie verfügbar sind (sein müssen)

                  – weil sie es mögen, dass die Frauen dort ihre Grenzen nicht wahren dürfen (ein Freier z.B. bezeichnet alle deutschen Prostituierten als “Abzockerinnen”, bei denen es viel kostet und man wenig bekommt – es sollte also am besten auch noch kaum was kosten)

                  – weil sie so mit anderen Männern “bonden” können, sich ihrer Zugehörigkeit zur privilegierten Gruppe sichern, sich ihrer (überlegenen) Männlichkeit versichern können, indem sie Frauen als Gruppe abwerten

                  – weil sie Frauen in der Prostitution nicht wie Menschen behandeln müssen (“einfach mal das primitive Schwein raushängen lassen”, “Die Prostituierten müssen für mich Deutsch reden können. Aber ob sie freiwillig dort sind, das interessiert mich nicht. Da bin ich kalt.”,”Ob die Frauen freiwillig im Bordell sind, hat für mich eigentlich keine Rolle gespielt, solange sie leidenschaftlich dabei war.”)

                  – weil der pornographisierte Sex, der üblich ist ausserhalb des Bordells und in dem alles auf die Bedürfnisse des Mannes konzentriert ist bei gleichzeitiger Lust an der Demütigung und Abwertung von Frauen, im Prinzip dasselbe ist wie das, was man im Puff bekommt (“Eigentlich merkt man gar keinen Unterschied, wenn man zu einer Prostituierten geht.”)

                  Dass Sex Geld kostet, führt leider nicht dazu, dass Männer diesen Sex (der ja komplett auf allein ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist) dann mehr wertschätzen, im Gegenteil, es geht auf Kosten des Subjektstatus von Frauen.
                  Der Blick des Freiers auf Frauen in der Prostitution und damit auf alle Frauen ist einer, der nur auf den sexuellen Nutzwert der Person, die gar nicht mehr als Person begriffen wird, ausgerichtet ist.
                  Schauen wir uns mehr die Freier an! Hören wir ihnen zu! Dann wissen wir, was Prostitution ist – und warum Freiertum verboten gehört.

                  Sperrbezirke

                    In Deutschland ist es ja so, dass Prostitution legal ist, aber nicht entkriminalisiert. Verkürzt bedeutet das, es ist erlaubt, sich zu prostituieren, aber es gibt so viele Regeln, die dabei einzuhalten sind, dass es fast unmöglich ist, keine davon zu brechen.
                    Was ganz klar sein muss, ist, dass die Forderung nach der Entkriminalisierung prostituierter Frauen eine Kernforderung des Abolitionismus ist. Strafen, Bussgelder, Regeln, die wir nicht einhalten können, helfen uns kein Stück und sorgen nur dafür, dass sich der Staat an dem Geld, das wir mühsam ervögeln, noch bereichert.
                    Klar ist: Wenn es Sperrbezirke gibt, dann sollen die gegen die Verstöße zahlen, die Prostitution nachfragen. Und das geht, die Gesetze kann man so auslegen, dass die Freier zur Kasse gebeten werden, und nicht wir.
                    Aber braucht es Sperrbezirke überhaupt?

                    Ich kann verstehen, dass es Orte gibt, an denen Prostitution nicht stattfinden sollte. Kindergärten, Schulen… Freier, die Schulmädchen ansprechen (und das tun sie), braucht kein Mensch.
                    Ausserdem sorgt die Tatsache, dass es Sperrbezirke gibt, dafür, dass Prostitution eben nicht überall stattfinden kann, nicht überall sichtbar ist und damit auch nicht normalisiert wird.
                    Aber bringt das was, wenn sie gleichzeitig weiter stattfindet?
                    Haben wir Frauen dadurch eine Option mehr bekommen, oder geht es nur darum, uns zu verdrängen?
                    Ich habe immer gemischte Gefühle, wenn eine Stadt mal wieder feiert, dass sie einen Sperrbezirk durchgesetzt hat. Denn einerseits ist es ein ehrenwertes Motiv, zu sagen: „Wir finden Prostitution nicht normal, wir finden sie frauenverachtend, wir wollen das nicht.“
                    Andererseits ändern Sperrbezirke nichts an der Realität, dass es Prostitution gibt.
                    Keine Frau kann dadurch, dass es einen Sperrbezirk gibt, aussteigen.
                    Das heisst, wir prostituieren uns weiter, oft, weil wir müssen, nur eben nicht mehr dort, wo jetzt der Sperrbezirk ist.
                    Und das bedeutet unter Umständen: dort, wo es unsicherer ist. Im Gewerbegebiet, am Stadtrand, im Wald…
                    Einerseits ist die Gefahr, vergewaltigt, umgebracht oder geschlagen zu werden, in Wohnungsbordellen, bei Haus- und Hotelbesuchen oder eben am Stadtrand nicht unbedingt kleiner. Andererseits ist es halt schon ein besseres Gefühl, wenn man schon anschaffen und mit potentiell gewalttätigen Freiern umgehen muss, es dann wo zu tun, wo noch andere Leute sind – in einem Hotel z.B.
                    Oder auf dem Parkplatz neben dem Strich.

                    Aber jetzt mal alle Sicherheitsmassnahmen, die wir prostituierten Frauen treffen (Kennzeichen aufschreiben, bei einem Hausbesuch einer Freundin die Adresse weitergeben,…) beiseite:

                    Hat eine Gesellschaft, die duldet, dass Frauen sich prostituieren müssen um zu überleben, ja, die das sogar fördert und davon profitiert, ein Recht, eben diese Prostitution nicht sehen zu müssen?

                    Es ist doch genau diese Doppelmoral, seit Jahrhunderten: Es gibt Prostitution und all die „ehrenwerten“ Männer nutzen sie, und das ist okay, aber die Prostitution selbst darf nicht sichtbar sein, und die prostituierten Frauen sind pfui Spinne.
                    Wie ist das mit geschützten Räumen für prostituierte Frauen?
                    (Mal abgesehen davon, dass Prostitution niemals sicher und ausserdem ein Übergriff an sich ist.)
                    Oftmals werden Strassenstrichs und altgediente Prostitutionsorte aufgelöst. Dafür wird dann im Gewerbegebiet ein Laufhaus oder ein Eroscenter hingebaut.
                    Das wollen viele von uns aber gar nicht, weil es das reinste Konkurrenzspektakel ist, weil wir weniger Verhandlungsfreiheit haben, mehr Vorschriften, weil wir dort weniger vom Geld behalten können. Es beschränkt uns noch mehr in der Prostitution, in der ja bekanntermassen die Wahl-, Entscheidungs- und Handlungsfreiheit eh nicht riesengroß ist.

                    Andererseits, Prostitution einen Ort zuzuweisen, das ist auch problematisch. Wie beim Dortmunder Strassenstrich, an dem man Verrichtungsboxen aufstellte, und plötzlich wurde er zum größten Strich Europas, massenweise wurde südosteuropäische Frauen hingekarrt, weil ihre „Freunde“, Männer, Zuhälter befanden, da sei es legal und geregelt und das wäre doch auch mal eine Idee, dort eine Frau hinzustellen.

                    Geschützte, zugewiesene Orte entwickeln also immer auch eine Sogkraft hinsichtlich Zuhälterei und Menschenhandel, und sie geben Freiern auch das Signal: es ist okay, was du tust, es ist hier ausdrücklich erlaubt.
                    Wie also umgehen mit der Sichtbarkeit von und dem Schutz von Frauen in der Prostitution, ohne Prostitution zu normalisieren und zu akzeptieren?
                    Sperrbezirke ja oder nein, und unter welchen Bedingungen, und warum seht ihr das, wie ihr es seht, aus welcher Position sprecht ihr?

                    Es geht mir nicht um die Forderung nach dem Nordischen Modell, ihr wisst ja, dass ich mich dafür einsetze. Im Nordischen Modell werden Freier bestraft, und das ist auch richtig so. Das bedeutet, im ganzen Land ist sozusagen ein Sperrbezirk eingerichtet, und zur Verantwortung gezogen werden die Freier. Wichtig ist, dass wir bedenken, dass das NM aus 5 Säulen besteht und dass alle durchgesetzt werden müssen, das heisst, die Freier werden bestraft, gleichzeitig wird der Frau aber ein Hilfsangebot gemacht und sie hat ein Recht auf einen Ausstiegsplatz, also eine Möglichkeit, sich nicht weiter prostituieren zu müssen. Ohne das geht es nicht!

                    Amnesty International und die Prostitution

                    Gestern fand eine Veranstaltung im Leipziger Museum der Bildenden Künste statt, bei der wir Frauen vom Netzwerk Ella über Prostitution gesprochen haben. Dagegen wurde bereits im Vorfeld protestiert.

                    Weil es anscheinend UNMÖGLICH und UNERTRÄGLICH ist, wenn prostituierte Frauen über Prostitution reden. Geht ja wirklich gar nicht!

                    Eine Gruppe, die bei den Protestierenden (Berufsverband erotische und sexueller Dienstleistungen usw) dabei war, war AMNESTY.

                    Amnesty möchte anscheinend nicht, dass Betroffene sprechen.

                    Das wundert uns nicht, hat Amnesty uns Frauen in der Prostitution doch schon vor Jahren unter den Bus geworfen, als sie forderten, “Sexarbeit” komplett zu entkriminalisieren und damit EXPLIZIT AUCH FREIERTUM, MENSCHENHANDEL UND ZUHÄLTEREI MEINTEN.

                    Begründet haben sie das damit, dass jeder Mensch ein Recht auf Sex hätte und dass es DISKRIMINIERUNG wäre, Männern zu verbieten, sich diesen zu kaufen.

                    Für uns hingegen ist klar: es gibt ein Recht auf die eigene Sexualität, aber es gibt kein Recht, jemanden dafür zur Verfügung gestellt zu bekommen.

                    Und: wer dafür ist, dass Freier, Zuhälter und Menschenhändler straffrei bleiben, der ist nicht FÜR uns Prostituierte, sondern GEGEN UNS.

                    Auch die Wortmeldungen heute sehen wir kritisch. So wurde uns heute von einer “Forscherin” attestiert, wir seien “viel zu enotional”. Unterton: “Ihr seid ja voll die Opfer, ihr könnt nur rumheulen, aber ich, ich kann ja denken.”

                    Überraschung! Wir können das auch! (Und einige von uns sind übrigens auch selber Forscherinnen.) Der Vorwurf, Frauen seien zu “emotional”, ist altbekannt patriarchal. Ihr beschwert euch, wir würden hier “auf Opfer machen”, aber ihr seid es, die uns reduzieren auf unsere Opfergeschichte, ihr seid es, die damit sagen, wir seien ja nur Nutten, unfähig, zu denken oder eine politische Analyse zu betreiben. Das ist frauenverachtend ohne Ende, wundert uns aber nicht.

                    Zum Schluss natürlich noch der Vorwurf, wir seien Rassistinnen, weil wir angesprochen haben, unter welchen BEDINGUNGEN Frauen aus den ärmsten Ländern Europas hier anschaffen müssen.

                    Die ZUSTÄNDE sind rassistisch, und wir kritisieren sie – von euch dazu kein Ton. Nur das AUSSPRECHEN der Kritik stört euch. Was hier in Deutschland stattfindet, ist übelster Kolonialismus. Südosteuropäische Frauen dürfen unseren Männern hier die Schwänze lutschen, um zu überleben. Von euch dazu KEIN TON. Aber diesen Missstand zu benennen ist dann rassistisch? Kommt mal wieder klar!

                    Wir wundern uns nicht über euch. Aber wir wundern uns, dass ihr euch immer noch Menschenrechtsorganisation nennt. Seid doch wenigstens ehrlich und bezeichnet euch künftig als FREIERUNDZUHÄLTERRECHTSORGANISATION.

                    Ihr habt hier dagegen protestiert, dass Prostituierte über Prostitution sprechen. Amnesty hat für uns jede Glaubwürdigkeit verloren.

                    Fick Dich, Amnesty!

                    (Huschke)