Ist Prostitution in kleinen Wohnungsbordellen sicherer als in Megapuffs?

    Auch ich habe mich anfangs in Wohnungsbordellen prostituiert, und in der NZZ wird gerade beschrieben, dass sich in Zürich ein Streit um diese kleinen Wohnungsbordelle entzündet hat. Wohnungsbordelle sind ganz normale Wohnungen in Mietshäusern, nur, dass dort eben 2 oder mehr Frauen sich prostituieren. Es könnte die Wohnung neben euch sein.
    Die Frauenberatungsstelle FIZ in Zürich plädiert dafür, diese Wohnungsbordelle in Wohngegenden zuzulassen. Der Gemeinderat äusserte, „Prostituierte seien in sexgewerblichen Kleinstsalons besser vor Zwangsprostitution und Ausbeutung geschützt und könnten so in der Regel wirtschaftlich unabhängig und selbstverantwortlich arbeiten.“.

    Ist das so?

    Zunächst: Ja, es gibt sie, kleine Minisalons, in denen nur 2 Frauen der Prostitution nachgehen. Ob sie ihr Geld ihrem „Freund“ abgeben, mag unterschiedlich sein. Vielleicht gibt es als Megaausnahme wirklich die paar Fälle, in denen diese zwei Frauen ohne Einfluss Dritter arbeiten und sich die Miete teilen. Bzw. die eine Frau mietet die Wohnung und nimmt Tagesmiete von der anderen (oder, wie es üblich ist, 50% derer Einnahmen). Damit profitiert schon eine Person von der Prostitution der Anderen. Etwas, das wir abschaffen wollen, denn niemand, kein Zuhälter, kein Bordellbetreiber, kein „Vermieter“ soll davon etwas haben, dass andere anschaffen gehen.

    In den meisten Wohnungsbordellen ist eine gleichberechtigte (unter Prostituierten!) Vorgehensweise also schonmal nicht möglich. Auch ich habe in 2 Wohnungsbordellen angeschafft (bevor ich zu Haus- und Hotelbesuchen gewechselt bin), nur waren da die „VermieterInnen“ eher ZuhälterInnen. Dass eine Wohnung davor schützt, ausgebeutet, zwangsprostituiert oder gehandelt zu werden, stimmt nicht. Im 2. Wohnungsbordell habe ich unter einem Typen gearbeitet, der mit seinen damals Anfang 30 Jahren schon 10 (!) Jahre Knasterfahrung hinter sich hatte. Und das garantiert nicht wegen Schwarzfahren, sondern wegen schwerer Körperverletzung, räuberischer Erpressung, Waffen-, Drogenhandel, you name it. Eine Wohnung KANN eine Sicherheit sein. Sie KANN aber auch zur Falle werden. Denn in so einer kleinen Wohnung ist der, der sie „vermietet“, schnell auch ein Tyrann, ganz genau so, wie in anderen Bereichen der Prostitution (Megabordell, Laufhaus, Strich…). Da gibt es dann schnell mal „sich frisch machen für den Chef“, Strafgelder bei Zuspätkommen, abgelehnten Freiern, nichtaufgeräumten Zimmern. Schnell mal Druck und Erpressung und auch Gewalt.

    Viele der aus Rumänien und Bulgarien hergehandelten Frauen landen ebenfalls in diesen kleinen Wohnungsbordellen. Manche von ihnen dürfen es nicht verlassen und wissen gar nicht, in welcher Stadt sie gerade sind.

    In einem Wohnungsbordell ist man also nicht per se vor Menschenhandel und Zwangsprostitution und Fremdbestimmung geschützt. Das ist ein Mythos.
    Ebenso sind Wohnungsbordelle nicht sicherer, was Freiergewalt angeht. Ja, wir hören es immer wieder, das Märchen davon, dass das Nordische Modell so gefährlich wäre, weil es dort nicht mehr erlaubt ist, dass 2 Frauen sich zusammentun und zusammen in einer Wohnung anschaffen. Aber Fakt ist: Vergewaltigungen, Verprügeln, Mord, all das findet in der Prostitution statt, und zwar überall. Im Megapuff mit Sicherheitsdienst. Im FKK-Club oder davor, auf der Strasse. Im Escort in einem Hotelzimmer (nebenan Menschen in Rufweite). Auf dem Strassenstrich, obwohl sich die Kolleginnen die Autonummer des Freiers notiert haben. Und in Wohnungen. Dort finden, wertet man die Morde aus Deutschland aus, die an prostituierten Frauen begangen worden sind seit 2002 (über 80 Morde sind das), sogar die meisten für die prostituierten Frauen tödlich endenden Übergriffe statt.

    Das einzige, was ich am Wohnungsbordell gut fand (gut in dem Sinne, dass, wenn ich mich schon prostituieren muss, ich doch gerne bestimmte Bedingungen hätte): es ist nicht so ein elendes Schaulaufen wie in FKK-Clubs, Megapuffs oder am Strich. Man sitzt nicht stundenlang halbnackt auf einem Hocker vor seinem Zimmer, während endlose Schlangen von Typen an einem vorübergehen, einen mustern, kommentieren, auch mal anfassen, mit einem verhandeln. Man muss nicht den ganzen Tag im FKK-Club mit anderen halbnackten Mädchen konkurrieren und sich Frischfleischbeschauen lassen und anbiedern. Jeder Mensch hat ein Schamgefühl, auch wir Frauen in der Prostitution. Ja, es wirkt in den Wohnungen privater. (Was nicht bedeutet, dass nicht eine dritte Person das Ganze steuert.) Was ein Vorteil sein kann. Oder ein Nachteil, was die Sicherheit angeht.

    Einen Nachteil haben die Wohnungen natürlich auch, was die NachbarInnen angeht. Ich erinnere mich, dass die ganz schön zu leiden hatten. Da klingelte öfter mal ein Freier an der falschen Tür oder trieb sich im Treppenhaus rum.
    Was ist mein Fazit? Ich weiss es nicht genau. Wohnungsbordelle sind sicher angenehmer als Megapuffs. Sicherer sind sie nicht.

    Prostitution ist IMMER gefährlich, egal, wo sie stattfindet. Dass ständig über eine SICHERE UMGEBUNG diskutiert wird, lenkt ja eigentlich davon ab, vor WEM sich Prostituierte eigentlich schützen müssen. Denn es ist ja nicht die Umgebung, die uns angreift, vergewaltigt, ermordet. Es sind die Zuhälter – und, wenn wir die nicht haben, die Freier.
    Es geht um die Freier. Freier sind gefährlich. 80 Morde an Prostituierten in Deutschland seit 2002. Unzählige Mordversuche. Ungezählte Vergewaltigungen, Schläge, Übergriffe.

    Es geht nicht um die Frage, ob wir Wohnungsbordelle brauchen, es geht um die Frage, wie Prostituierte vor Extragewalt (zusätzlich zum prostitutiven Akt) geschützt werden können, und da müssen wir klar benennen, wer diese ausübt: die Freier!

    Hier anbei der Link zum Artikel in der NZZ: klick mich.

    Was ist der Unterschied zwischen einem Prostitutionsverbot und einem Sexkaufverbot?

      In China sind sowohl Sexkauf ( = Freiertum) als auch Prostitutionsausübung illegal. Wie die ZEIT berichtet, hat das chinesische Parlament beschlossen, dass Freier und Prostituierte nun nicht mehr willkürlich festgenommen und festgehalten werden können. Von ersten Entlassungen aus Arbeitserziehungslagern wird berichtet. Allerdings bleibt beides, Ausübung und Nutzung der Prostitution, illegal, Gefängnis- und Geldstrafen bleiben weiterhin bestehen.
      Das ist ein schrecklicher Zustand, weil zwei Menschen, die unterschiedliches tun, gleich bestraft werden. Die eine Person versucht, alles, was sie hat, irgendwie zu Geld zu machen, um ihr Überleben zu sichern. Die andere Person nutzt ökonomische Machtmittel, um sich sexuellen Zugang zu verschaffen, der ihr sonst verwehrt bliebe.
      Das auf eine Stufe zu stellen ist unsäglich.
      Denn natürlich hat eine jede Person das Recht, mit ihrem Körper zu machen, was sie will und ihn notfalls dazu einzusetzen, ihr Überleben zu sichern. Das zu bestrafen, ist irre.
      Hingegen Freier zu bestrafen, die ja mit dem Körper ANDERER unter Ausübung von Druck und Macht machen, was sie wollen, erscheint richtig.
      Prostitutionsverbote sind furchtbar und führen zu gar nichts ausser dazu, dass prostituierte Frauen (Mädchen, Jungs) der Gewalt der Polizei ausgeliefert sind.
      Das ist der Unterschied zwischen einem Prostitutionsverbot und dem Nordischen Modell, dass nur den Sexkauf sanktioniert.
      In China werden Freier UND Prostituierte festgenommen und bestraft.
      In Schweden werden NUR die Freier zur Verantwortung gezogen, während man dort übereingekommen ist, dass bei der Prostitutionsausübung keine strafbare Handlung vorliegt. Statt Erziehungslagern für Prostituierte gibt es dort Ausstiegsangebote und Hilfe.
      Merke: Prostitutionsverbot doof, Sexkaufverbot prima.

      Link zum Artikel: klick mich.

      Wenn Prostitution ein Job wie jeder andere ist, werden sexuelle Dienstleistungen einklagbar

        Prostitution als “Job wie jeder andere” – das bedeutet, Männer können Sex ganz legal einklagen. Vielleicht bald auch bei uns. Warum? Darum:

        Heute mal ein kurzer Ausflug in das Gebiet der Rechte von uns Prostituierten, was Honorare und „Vertragserfüllung“ angeht. Kann ein Freier diese “Dienstleistung”, also den Sex, einklagen? Vorsicht, es wird schlimm – denn genau dies könnte bald auch bei uns (wieder!) der Fall sein.

        Zunächst: Prostitution war in Deutschland nie illegal. Es war immer legal, sich zu prostituieren, aber es war (und ist es teilweise noch) für uns Frauen in der Prostitution hochgradig kriminalisiert. Das bedeutet: es ist legal, etwas zu tun, aber es gibt so viele Regeln für uns, dass es unmöglich war (und ist), sich an alle zu halten. Denn bis 2002 war Prostitution in Deutschland sittenwidrig.
        Und das hat damals bedeutet: während prostituierte Frauen ihren Lohn selbst dann nicht einklagen konnten, wenn sie die „sexuelle Dienstleistung“ erbracht hatten, war es dem Freier jederzeit möglich, bei Bezahlung ohne erfolgten Sex diesen oder aber „Geld zurück“ einzuklagen. Das heisst: Freier hatten vor der Abschaffung der Sittenwidrigkeit mehr Rechte als Frauen in der Prostitution.

        2002 wurde mit dem ProstG die Sittenwidrigkeit abgeschafft. Das war einerseits gut, weil Frauen in der Prostitution seitdem ihren Lohn einklagen können. (Es war aber auch schlecht, weil genau diese Aufhebung der Sittenwidrigkeit für Zuhälter, Menschenhändler, Bordellbetreiber bedeutet, dass sie nicht mehr wegen Förderung der Prostitution belangt werden können. Aber das ist ein anderes Thema.) Jetzt ist das Honorar also rein theoretisch einklagbar, nur macht das kaum eine.

        Dafür verklagen Freier in schöner Regelmässigkeit Prostituierte, weil sie nicht zufrieden sind. Hier ein Beispiel eines Freiers, der die Frau verklagte, weil er zu früh zum Orgasmus gekommen war: klick mich.

        Und hier ein Fall, bei dem der Freier sich übervorteilt fühlte und in dem ihm die „Leistungen“ der Prostituierten nicht der Bezahlung angemessen erschienen: klick mich.

        Bis jetzt sind solche Anzeigen gegen Prostituierte im Sande verlaufen.

        Das könnte sich aber ändern.

        Im Northern Territory Australiens hat es das: dieses hat eine völlig entkriminalisierte, legalisierte Prostitutionsgesetzgebung. Im prinzip fast wie in Deutschland, nur noch krasser… Und dort wurde gerade die Sex Industry Bill 2019 durchgesetzt. Das bedeutet: Prostitution ist völlig entkriminalisiert, unterliegt keinen Sondergesetzen mehr und wird ganz radikal behandelt wie jedes andere Gewerbe auch. Also das, was Prostitutionslobbyverbände hierzulande auch durchsetzen wollen.

        Das bedeutet, abgesehen davon, dass Bordelle jetzt ÜBERALL gebaut werden dürfen, rein theoretisch auch, dass Freier wie Kunden anderer Gewerbe klagen können, wenn sie mit dem Produkt / der Dienstleistung nicht zufrieden sind. Heisst: war der Sex in den Augen des Freiers schlecht, hat sich die Prostituierte nicht genug angestrengt, hat sie „Dienstleistungen verweigert“, die sie sonst anbietet (z.B. spontan auf Zimmer dann doch keine bestimmte Sexualpraktik mehr, weil ihr am Kunden was nicht passt), hat sie die Augen verdreht, gelangweilt geschaut, Ekel gezeigt, dann kann der Freier sie verklagen: Geld zurück oder nochmal Sex, und zwar gefälligst besser und zu seiner Zufriedenheit.

        Was ist das anderes als Vergewaltigungskultur, die uns da angedreht wird? Erinnert das nicht an die „ehelichen Pflichten“, die jede Ehefrau bis noch vor ein paar Jahrzehnten über sich ergehen lassen musste, und zwar gesetzlich festgeschrieben (!) sogar so, dass ihre Abneigung und ihr Widerwillen dem Mann nicht gezeigt werden durften?
        Komplette Legalisierung und Entkriminalisierung der Prostitution bringt NICHT mehr Freiheit für Prostituierte. Sie bringt NICHT mehr Rechte. Im Gegenteil hilft sie denen, die Prostituierte ausbeuten: Freiern. Bordellbetreibern. Zuhältern.

        Wenn ihr Frauen in der Prostitution helfen wollt, dann engagiert euch für unsere Entkriminalisierung, aber nicht für die Legalisierung des Gewerbes und nicht für die Entkriminalisierung der Freier und Zuhälter und Betreiber!
        Genau das findet im Nordischen Modell statt: Freierbestrafung, Verbot der Zuhälterei und des Bordellbetriebs, Ausstiegshilfen für Frauen, Aufklärung, Entkriminalisierung der prostituierten Frauen.

        „Ein Job wie jeder andere“ hingegen führt dazu, dass Männer bald ihr Recht auf Sex einklagen können. Der Nordteil Australiens macht es vor. Und niemand braucht zu denken, dass DAS sich dann nur noch auf die Prostitution erstrecken wird.

        Hier der Artikel zum Northern territory: klick.

        Wie die Medien so über Prostitution schreiben

          Es gibt so Artikel, die kann man als Exprostituierte echt nicht lesen, ohne sich verletzt zu fühlen über den tiefsitzenden Hurenhass dieser Gesellschaft.
          Die österreichische KronenZeitung berichtet in extrem prostituiertenfeindlicher Weise über nicht minder prostituiertenfeindliche Polizeiaktionen in Innsbruck. Der Artikel strotzt nur so vor widerlich-süffisanter Altherrenwitzfrauenverachtung – hier greift das Prostituiertenstigma mal wieder enorm.

          Es ist die Rede von “Liebesnestern” (können sich Frauenverachter vielleicht mal entscheiden, ob das jetzt eine knallharte Dienstleistung oder Liebe sein soll? oder ist es nicht vielleicht doch sexuelle Gewalt?), in denen es “heiss hergeht” (höhö). Ein ziemlich alter Mythos ist es ebenso, wenn Prostituierten Geldgeilheit unterstellt wird: “Etwa in einem bekannten Vier-Sterne-Hotel am Rande der Innenstadt. Dort hatte sich eine Rumänin einquartiert, die trotz abgeschlossener Schulausbildung ihren Lebensunterhalt mit verbotenen Liebesdiensten verdient – und damit auch ihre Familie in der fernen Heimat unterstützt. Ihr Stundenlohn: satte 150 Euro!” Da fragt man sich doch, worüber regt sich der Artikelschreiber eigentlich gerade auf? Dass er für den Sex, der ihm als Mann anscheinend zusteht, auch noch bezahlen soll? Dass eine Frau, die für ihn anscheinend nur den Lebenssinn hat, ihm als Mann Sex abzuliefern, es sich wagt, dafür Geld zu nehmen? Dann das Verurteilen der Frau – diese hat immerhin eine abgeschlossene Berufsausbildung, oho! Und trotzdem geht sie anschaffen! Diese Bemerkung beinhaltet zwei Dinge:

          1. Der Vorwurf eines schlechten Charakters – denn die Tatsache, dass die Frau eine Berufsausbildung hat, gilt dem Autor als Beweis genug, dass sie Alternativen habe. Geht sie trotzdem in die Prostitution, ist sie SELBER SCHULD. (Dass der Autor von dieser Frau und ihren Umständen nichts, aber auch gar nichts weiss – geschenkt.)

          2. Dieses “Berufsausbildungsargument” dient ebenso dazu, ihr zu unterstellen, sie WOLLE es ja so, sie wolle die Prostitution, sie wolle die Freier, sie wolle, was ihr angetan wird.

          Diese Argumentationsstruktur kommt euch bekannt vor? Oh ja, sie wird von Frauenhassern regelmässig bei sexueller Gewalt angewandt, z.B. bei Vergewaltigung: die Frau hat einen schlechten Charakter, man kann ihr nicht glauben, sie hatte doch Alternativen (nachts nicht im Park rumlaufen, wegrennen…), also wollte sie es so. Das ist victim blaming vom feinsten, denn es schiebt die Schuld an der erlittenen sexuellen Gewalt dem Opfer zu.

          Denn ja, auch in diesem Artikel suchen wir mal wieder vergeblich nach der Verantwortung der Freier:

          “Warum ist das Angebot derzeit so groß? Die meisten Prostituierten seien regelrechte Nomaden. „Über den Sommer waren etwa viele in Norddeutschland oder in Schweden am Strich. In der kälteren Jahreszeit zieht es sie zurück. Innsbruck gilt in Sachen Wohnungsprostitution als Top-Adresse“, erklärt Greil.”

          Mal abgesehen davon, dass der “Nomadenvergleich” antiziganistisch ist (denn es handelt sich hier um Rumäninnen), enthält diese Formulierung auch einen krassen Logikfehler: denn das Angebot ist nicht so groß, weil die Prostituierten “umherziehen”, sondern weil in Innsbruck augenscheinlich die Nachfrage, ergo die Freiergemeinde, irre groß ist. Sonst würden nämlich gar keine Prostituierten nach Innsbruck kommen bzw. sie würden nicht dahin verschafft! Aber nein, der Artikelschreiber zieht es vor, es so klingen zu lassen, als wäre die Existenz von Prostitution die Schuld von (Zwangs-)prostituierten, diesen verderbten Charakteren, diesen Schlampen, die es doch wollen. Mein Gott, was müssen das für furchtbar niederstehende Frauen sein.
          Mir ist ganz schlecht vom Tenor dieses Artikels.

          Ebenso traurig finde ich die Polizeiaktionen. Denn in Österreich spielen Polizisten augenscheinlich den prostituierten Frauen vor, sie seien Freier – um sie “auf frischer Tat zu ertappen”. Dann hagelt es Bussgelder, Strafgelder, Gefängnisaufenthalte. Weil das Frauen ja bekanntermassen hilft, aus der Prostitution auszusteigen, wenn sie mal eben ein paar Tausend Euro Strafe zahlen müssen und keinen Job haben, gell? Die Frauen schaffen dann für den Staat an, der sich zum Zuhälter macht damit.

          Die ganze Aktion, der ganze Artikel zeigt: in gutbürgerlicher Doppelmoral werden Prostituierte für die Prostitution beschämt, sie werden gedemütigt, als Menschen zweiter Klasse beschrieben, verfolgt. An die Herren Freier, die ja schliesslich mit ihrer Nachfrage dafür verantwortlich sind, dass diese Prostituierten nach Innsbruck verschafft werden, kommt nichts ran, die werden hübsch in Ruhe gelassen. Es ist so traurig, man könnte heulen. Vor allem, wenn man weiss, dass in Österreich alle 6 Wochen eine Zwangsuntersuchung (!) prostituierter Frauen stattfindet, damit die auch hübsch gesund den Herren Freiern zur Verfügung stehen können, während sie selbst diskriminiert werden und beschämt. Dass die Freier es sind, die auf “alles ohne Gummi” bestehen und so die Prostituierten anstecken – geschenkt. Dass die Freier es sind, die die Geschlechtskrankheiten dann weiter in die Gesellschaft tragen – geschenkt. Das ganze Übel an der Prostitution ist laut dieser jahrhundertealten, patriarchalen Meinung die Prostituierte. Ich habs so satt manchmal.
          Es wird Zeit, dass diese Doppelmoral beendet wird. Fakt ist:

          Freier sind mit ihrer Nachfrage dafür verantwortlich, dass es Prostitution und Zwangsprostitution gibt.
          Was Freier tun, ist sexuelle Gewalt.
          Her mit dem Nordischen Modell – und Schluss mit euren süffisanten Altherrenwitzen!

          Link zum Artikel: klick mich

          Was braucht es in Sachen Prostitutionspolitik?

            Ich als Exprostituierte kann folgendes sagen:
            Wir können uns noch jahrelang daran abarbeiten, ob es irgendwo eine Prostituierte gibt, die, aus welchen Gründen auch immer, sagt, dass sie es freiwillig macht.
            Und dann können wir weiterhin jahrelang so tun, als würde das rechtfertigen, dass Prostitution als System existiert.
            Weiterhin jahrelang so tun, als würden wir nicht merken, dass Prostitution sexuelle Gewalt ist.
            Weiterhin jahrelang so tun, als wäre es okay, dass Frauen und Mädchen darauf reduziert werden, sexuelle Bedürfnisse von Männern zu befriedigen, unter Hinnahme psychischer, physischer und emotionaler Schaden.
            Weiterhin behaupten, der sexuelle Missbrauch wäre okay, bloss weil er kommerzialisiert ist – und irgendwer, und meistens sind es nicht wir prostituierten Frauen, Geld dafür bekommt.
            Wir können und sollten aber endlich den Fokus auf die Freier legen.
            Was machen Freier?
            Freier üben einen sexuellen Akt an Frauen und Mädchen aus, die ohne Entschädigung nicht mit ihnen schlafen würden. Warum die Entschädigung? Weil ein Schaden entsteht. Der Schaden ist: SEx mit jemandem haben zu müssen, mit dem man keinen Sex haben will. Was ist das? Doch nichts anderes als Vergewaltigung.
            Freier bekommen NATÜRLICH von uns zu hören, dass wir das gerne machen. Sie bezahlen uns ja dafür, dass wir sagen, dass wir es gerne tun! Aber was wirklich dahinter steckt, das wissen sie nicht – und sie wollen es nicht wissen. Sie werden nie, niemals, zu 100% sicherstellen können, dass sie gerade KEINE Zwangsprostituierte im Bett haben.
            Dieses Risiko nehmen sie in Kauf, weil ihnen ihre sexuelle Befriedigung wichtiger ist als die Frage, ob wir prostituierte Frauen diesen Sex wirklich wollen.
            Freier gehen bewusst und jedes Mal das Risiko ein, eine Vergewaltigung zu begehen.
            Freier sind Täter!
            Es geht so langsam voran. Ich weiss, dass es wehtut, hinzusehen. Jeden Tag gehen 1,2 Millionen Männer in Deutschland zu Prostituierten. Es sind eure Väter, Brüder, Ehemänner, Partner, Chefs, Arbeitskollegen. Niemand will sich vorstellen, dass die Männer, mit denen man täglich Umgang hat, heimlich so etwas tun. Aber viele von ihnen tun es eben. Wenn wir wegschauen, können wir weiter so tun, als wäre die Welt heil. Ich verstehe, dass das ein Verdrängungsmechanismus ist, der dem Selbstschutz dient.
            Wir wissen aber, dass der kommerzialisierte sexuelle Missbrauch in Deutschland existiert.
            Und an der Basis brodelt es.
            Politikerinnen und Politiker aller Parteien (außer der AfD, die braucht kein Mensch) sollten jetzt:

            bewusst hinsehen

            sich informieren

            handeln!

            In Deutschland werden hunderttausendfach FRauen und Mädchen, die aus den Armenhäusern Europas kommen, die durchs soziale Netz gefallen sind, die in Bezug auf Missbrauch vorgeschädigt sind und schonmal alleingelassen wurden, in der Prostitution sexuell ausgebeutet.
            Das ist rassistisch, klassistisch, sexistisch – und kolonalistisch.

            Die Frage ist: mit wem wollen wir uns solidarisieren? MIt den Ausgebeuteten, Ungleichgestellten? Oder wollen wir weiterhin Täterland sein?

            Es ist schon lange Zeit zum handeln!
            Wir brauchen:
            1. Die Einführung der Freierbestrafung
            2. Die völlige Entkriminalisierung von Frauen in der Prostitution
            3. Die Anerkennung der Tatsache, dass Prostitution sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist
            4. Aufklärung über Prostitution
            5. Das Recht auf Ausstiegshilfe aus der Prostitution.

            Das ist das Nordische Modell, und wir brauchen das Nordische Modell hier in Deutschland – JETZT!!!!

            “Wenn wir das Nordische Modell einführen, wandert Prostitution in den Untergrund” – eine kleine Aufklärung

              Bundesjustizministerin Christine Lambrecht warnt vor „Prostitution in dunklen Ecken“ und meint, die Einführung des Nordischen Modells sei keine Lösung, denn es gäbe nachher immer noch Prostitution – und mir als Frau aus der Prostitution geht bei solchen Aussagen so derbe die Hutschnur hoch.

              Eine kleine Aufklärung über “den Untergrund” tut Not.

              Das erste ist: Das Nordische Modell beendet nicht die Existenz von Prostitution. Soweit ist das richtig. Es dezimiert sie aber, und zwar enorm. In Schweden geht die Prozentzahl der Freier, gemessen an der Gesamtbevölkerung, jedes jahr um 0,5 % runter und ist mittlerweile bei phänomenalen 7%. Davon können wir hier in Deutschland nur träumen – je nach Statistik ist es hier jeder 3. Mann, der geht, 90%, die schonmal im Bordell waren (was nicht heisst, dass sie es immer noch tun, auch einmalige Ausflüge ins Milieu gelten) oder 3 von 4 Männern, die schonmal Prostitution genutzt haben. Könnten wir das auf 7% Freier runterschrauben, wäre das schonmal ein massiver Fortschritt! Davon mal abgesehen: Die Einführung der Strafbarkeit von Mord hat auch nicht dafür gesorgt, dass es keine Morde mehr gibt. Uns allen ist aber ja wohl klar, dass es noch mehr Morde geben würde, wenn Mord nicht strafbar wäre, oder?

              Das zweite ist: der leidige Untergrund und die „dunklen Ecken“. Was soll das überhaupt sein, der Untergrund? Es gibt in der Prostitution keinen Untergrund, denn irgendwie müssen Freier und Prostituierte sich ja finden. Wenn ein Freier, sagen wir mal, aus Berlin, auf eine Dienstreise nach Gütersloh geht und sich vornimmt, heute Abend für einen Hotelbesuch einer Prostituierten zu zahlen, dann WIRD er auch was finden, und zwar egal, in welchem prostitutionsgesetzgeberischen System – Gütersloh könnte hier auch in Sibirien liegen (wo die Prostituierten für die LKW-Fahrer an der Strasse stehen) oder in Russland, wo Prostituierte bestraft werden, oder halt in Schweden. Ein Freier, der zu einer Prostituierten will, wird sie finden, egal unter welcher Gesetzgebung, denn davon lebt die Prostitution ja, dass Freier und Prostituierte sich finden. Und wenn jetzt ein angereister Freier das finden kann, warum sollte es nicht jedeR andere auch tun? Hat der Freier Zeit, sich stundenlang auf der Strasse nach Getuschel und Geheimtipps umzuhören? Hat er Zeit, tagelang zu recherchieren? Hat er nicht. Braucht er auch nicht. Prostitution ist auffindbar. Sie muss es sein. Immer. Und wenn Freier Prostituierte finden können, warum sollten dann nicht auch Polizei, Sozialarbeiterinnen und alle anderen sie finden können? Sind die was dümmer als der Freier? Oder haben sie kein Internet? Naaaa, Kwatsch.

              Was soll das also sein, der „Untergrund“? Frau Lambrecht sagt, es wäre schlecht, das Nordische Modell einzuführen, denn dann verlagere sich alles in die „dunklen Ecken“, wo man überhaupt nicht mehr kontrollieren könne. Das ist ja nun widerlegt, Prostitution findet vielleicht manchmal in dunklen Ecken statt, aber am Ende wissen ja doch alle, die es betrifft, wo diese dunkle Ecke ist.

              Was also ist die Alternative zu der „dunklen Ecke“ und ihrem „Untergrund“, den es gar nicht gibt? Die Alternative ist die Realität in der Prostitution jetzt hier in Deutschland, in einem legalisierten und damit zuhälter-, menschenhändler- und freierfreundlichen System. Die Alternative ist, dass Prostitution und mit ihr einhergehend der ganze sexuelle Missbrauch, die Verletzungen von und Übergriffe an Frauen und Mädchen, die ganze Frauenfeindlichkeit VOR ALLER AUGEN (sozusagen im VORDER- statt Untergrund) stattfinden. Das TeenyLand-Bordell wirbt offen damit, dass dort alle Mädchen aussehen, als wären sie minderjährig. Die Bordellzimmer sehen aus wie Kinderzimmer, inkl. Teddybären, Schreibtisch wo man die Hausaufgaben machen kann etc. Haben wir ein Problem? Ach nein, damit haben wir kein Problem. Auf jeder 2. Taxe ist in manchen Städten Puffwerbung drauf (schmierige Sprüche der Taxifahrer, wenn man als Frau dort einsteigt, inklusive). Junge, rumänische, halbnackte Mädchen rekeln sich da drauf. Jeder kann sich sexuellen Zugang zu ihnen kaufen, weil es erlaubt ist, und weil sie verdammt arm sind und keine andere Wahl haben. Haben wir ein Problem? Ach nein, wir haben kein Problem. An der Kurfürstenstrasse in Berlin stehen drogenabhängige Frauen, die kaum Hilfe erhalten, die oft nicht mal ein Obdach haben. Sie steigen in fette Karren zu Typen, die echt heftige, ekelhafte Dinge von ihnen verlangen. Und alle sehen zu. Haben wir ein problem? Ach nein, wir haben kein Problem.

              Jetzt und hier findet das alles unter aller Augen statt. Und das führt auch dazu, dass wir alle abstumpfen. Dass wir uns sagen: Prostitution ist doch normal. Prostituierte zu sein ist doch normal. Die brauchen doch keine Hilfe.

              Aber meistens brauchen wir Prostituierten genau diese Hilfe eben doch.

              Wir haben die Wahl: lassen wir den Missbrauch an Frauen und Mädchen unter aller Augen geschehen?

              Oder verringern wir durch eine Strafbarkeit des Freierseins die Nachfrage und damit das Angebot massiv, und das, was an Prostitution immer noch dableibt, ist dennoch für alle auffindbar, die es angeht – Polizei, Hilfesysteme und so weiter?

              Prostitution ist in DEutschland offensichtlich. Und doch auch wieder nicht. Denn: in über 80% Deutschlands ist Prostitution auszuüben auch jetzt schon verboten – durch die Sperrbezirke. Bestraft werden bei Kontrolle aber die Frauen aus der Prostitution. So gesehen ist das, was Lambrecht als “dunkle Ecken” bezeichnet, jetzt schon da – Leidtragende sind prostituierte Frauen, denen durch Bussgeldbescheide wegen Verstosses gegen die Sperrbezirksverordnung der Ausstieg erschwert wird. In Schweden dagegen gibt es keine Sperrbezirke für Prostituierte – Prostitution auszuüben ist erlaubt. Überall. Hingegen wird für das ganze Land zum Sperrgebiet für Freier.

              Ich sehe absolut ein, dass Prostitution auszuüben im Nordischen Modell sicher nicht mehr ganz so einfach ist, wie hier im legalisierten System. Hier kann man sich anmelden (wenn man sich das leisten kann) und ab in den nächsten Puff.

              Im Nordischen Modell gibt es keine legalen Puffs mehr. Dafür ist Prostitution auf Anbieterinnenseite aber eben auch nicht strafbar. Ja, es kann sein, dass Freier dann sehr viel vorsichtiger werden, dass sie, weil sie wissen, dass die Kontaktanbahnung und der Vollzug für sie (und nur für sie) strafbar ist, Sicherheitsmassnahmen ergreifen wie: ich sage dir meinen Namen nicht und am besten, wir machen es bei mir Zuhause.

              ABER.

              Freier wollen auch jetzt und hier mega oft unentdeckt bleiben. Sie wollen nicht, dass ihre Familie davon erfährt. Sie wollen, wenn sie das Gummi abgezogen haben, keinen Stress mit der Polizei. Sie wollen nicht, dass die blauen Flecken an der Prostituierten für sie Konsequenzen haben.

              Und das ändert sich auch im Nordischen Modell nicht. Freiersein bedeutet einerseits, völlig offen agieren zu können, denn auf dem Freiersein liegt kein Stigma hierzulande, und es ist auch nicht strafbar. Und trotzdem gibt es unendlich viel, was Freier verstecken wollen. Und sie verstecken es bereits hier und jetzt.

              Warum müssen wir uns darüber streiten, wo Prostitution stattfindet, im Vordergrund, im Untergrund? Im für alle sichtbaren Megabordell, wo der Missbrauch KEINE Konsequenzen hat, weil er legal ist, oder im Nordischen Modell heimlich auf Hausbesuch?

              Warum muss Prostitution überhaupt stattfinden?

              Im Nordischen Modell geht Prostitution quantitativ zurück.

              Und auch qualitativ werden die Folgen der Prostitution für die Prostituierte geringer. Denn all die Übergriffe, die sie jetzt nicht anzeigen kann, kann sie dann anzeigen. Und der Freier weiss das. Er wird sich meistens hüten, irgendeine Grenze zu übertreten.

              Es ist so nobel, dass Frau Lambrecht meint, die Sicherheit von uns Prostituierten sei wichtig.

              Aber wovon reden wir, wenn wir von Sicherheit sprechen?

              Reden wir nur von den zusätzlichen Übergriffen in der Prostitution, Sachen, die nicht abgesprochen waren, Vergewaltigungen, ein plötzlicher Schlag ins Gesicht, anspucken usw., dem beliebten Freierspiel „falsches Loch erwischt“, ein extraharter Hatefuck, ein permanentes Austesten der Belastbarkeitsgrenzen?

              Oder reden wir auch davon, dass Prostitution immer ein sexueller Übergriff ist?

              Wenn wir ehrlich sind und konsequent analysiert haben, müssen wir von beidem reden.

              Und in beiden Fällen sind Freier die Täter. Wenn wir über Sicherheit für uns prostituierte Frauen sprechen, sprechen wir über die Taten von Freiern. Freier sind das Problem. Warum also sie machen lassen?

              Dafür würde ich irre gern mal auch nur ein einziges gerades Argument hören.

              “Wenn wir das Nordische Modell einführen, nehmen wir behinderten Männern die einzige Möglichkeit, Sex zu haben” – ist das so?

                Während meiner Zeit in der Prostitution hatte ich keinen einzigen behinderten Freier.
                Dennoch wird jetzt so getan, als würde die Einführung des Nordischen Modells in Deutschland massenhaft Behinderte diskriminieren, weil die dann keine Möglichkeit mehr hätten, Sex zu haben.
                Dazu kurz ein paar Worte.

                Erstens sind die meisten Freier nicht behindert. Sie sind nicht mal Männer, die “sonst nicht an Sex kommen”. Denn weit über die Hälfte der Freier lebt in einer Ehe oder Beziehung. Statistiken zeigen zudem, dass Freier selbst ausserhalb ihrer Prostitutionsnutzung viel mehr Sexualpartnerinnen haben als Männer, die nicht zu Prostituierten gehen. “Prostitution ist für Männer, die aus welchen Gründen auch immer sonst keinen Sex haben können” – das ist also ein Argument, das so schon gar nicht zutrifft.

                Zweitens ist die Fokussierung auf die Beibehaltung prostitutiver Praxis unter Rücksichtnahme auf Behinderte behindertenfeindlich. Denn sie geht davon aus, dass Behinderte Menschen sind, mit denen niemand Sex haben will, dass niemand sie anfassen will, dass niemand Lust empfindet bei dem Gedanken, mit ihnen ins Bett zu gehen. Dem ist nicht so. Ich habe vielen Bekannte und FreundInnen, die die eine oder andere Beeinträchtigung haben, und viele von ihnen sind in Partnerschaften oder haben ein Sexualleben. Hört auf, Behinderte als Menschen abzustempeln, mit denen keiner wollen kann! Und hört auf, Menschen mit Beeinträchtigung vorzuschieben, um sicherzustellen, dass ALLE Männer gesicherten Zugang zur Gruppe Frauen kaufen können! Das ist BENUTZEN und sonst nichts. Wenn ihr, liebe Freier, Frauen kaufen wollt, dann sagt das offen so, aber schiebt nicht behinderte Menschen vor. Um die geht es euch nämlich gar nicht.

                Drittens: jedeR hat ein Recht auf Sexualität. Und zwar auf seine eigene. Aber niemand hat das Recht, dafür jemanden zur Verfügung gestellt zu bekommen. Das ist ein Unterschied. Diese Regel hat für ALLE zu gelten. Es gibt so viele Menschen, die ihre Sexualität nicht bzw. nur mit sich selbst ausleben können. Alte Menschen, schüchterne Menschen, körperbeeinträchtigte Menschen, Menschen mit seelischen Belastungen, einsame Menschen. Das ist traurig, aber es wäre noch trauriger, würden wir, um dieses Leid zu lindern, anderes Leid produzieren, nämlich indem wir eine Gruppe von Frauen dazu ausersehen, die Bedürfnisse anderer zu stillen, während sie ihre eigenen wegdrücken müssen. Das ist nicht die Lösung!

                Und viertens, hier zum aktuellen Fall, siehe Screenshot. Ja, dieser Freier sitzt im Rollstuhl. Aber ich sage es mal ganz knallhart:

                1. Dieses “Alle Frauen sind böse”- ist purer Chauvinismus.

                2. Es ist nicht wahr, dass “alle Frauen” denken, im Rollstuhl wäre man nur “ein halber Mann”.

                3. Frauen schulden ihm nichts. Gar nichts. Keinen Sex. Kein Wort. Nichts.

                4. Von Frauen abgelehnt zu werden, gibt ihm nicht das Recht darauf, von irgendwem den Sex, der ihm anderswo nicht abgeliefert wird, zu fordern.

                5. Die Forderung, Frauen zur Auslebung der eigenen Sexualität zur Verfügung gestellt bekommen zu müssen, ist reinste Incel-Denke.

                6. Es gibt kein Recht auf Sex.

                7. Wenn Du, lieber Tweeter, schon begriffen hast, dass Frauen keine Lust auf Dich haben, ist es umso härter, dass Du meinst, Du müsstest trotzdem unbedingt mit ihnen Sex haben. Ich verrate Dir ein Geheimnis: wenn eh schon keine Bock auf Dich hat, dann gilt das für uns Prostituierte erst recht. Wir zeigen es bloss nicht, weil Du zahlst.

                8. Wenn Du denkst, dass es trotzdem okay ist, mit Frauen Sex zu haben, obwohl die keinen Bock auf Dich haben, bist Du ganz tief drin im Vergewaltigergedankengut.

                9. Bei dieser Deiner Einstellung gegenüber Frauen wundert mich nicht, dass Du keinen Sex hast, ohne dafür zahlen zu müssen.

                10. Das Frauen keinen Bock auf Dich haben, liegt nicht am Rollstuhl, sondern daran, dass Du ein ein harter Unsympath bist.

                Nach dem Vorschlag der CDU und Teilen der SPD, die jetzt für das Nordische Modell inklusive Freierbestrafung plädieren, werden wir jetzt öfter das Pseudoargument “Und was ist mit aaaaaaall den behinderten Männern?” hören.

                Dazu hier nochmal der Link zwei Texte über Prostitution und Menschen mit Beeinträchtigung von mir.

                “Sexualassistenz – Wolf im Schafspelz”

                und

                “Warum Sexualassistenz auch nur Prostitution ist”

                Zwischen den Fronten

                  Waaaaaah. Gerade macht Presseschau mal wieder überhaupt keinen Spass.
                  Die FPÖ in Österreich möchte Asylbewerberinnen verbieten, mit Prostitution Geld zu verdienen, während ihr Verfahren noch läuft.

                  Erstmal den Kopf aufräumen. Und dann feststellen: wir Frauen in und aus der Prostitution sind mal wieder die Gearschten. Aber von vorne.

                  Österreich ist ein Land mit einer äusserst konservativen Prostitutionspolitik. Das bedeutet: Freier sein ist voll okay, Prostitution ist voll okay, Prostituierte sind pfui. Und weil sie pfui sind, müssen prostituierte Frauen dort alle 6 Wochen zu einer verpflichtenden medizinischen Untersuchung. Ja, ihr habt richtig gelesen: UNTERSUCHUNG. Nicht Beratung. UNTERSUCHUNG. Ja, das bedeutet: so richtig mit ab auf den Gynstuhl, Beine breit und drin rumfummeln. Unschön? Nicht nur das. Sondern ein klarer Verstoß gegen die Menschenwürde und gegen die körperliche Selbstbestimmung von Frauen. Und wenn ich mir das mal kurz erlauben darf: unsere werte CDU hier wollte genau das ins 2017 in Kraft getretene ProstSchG einschreiben. Denn augenscheinlich kommt es bei prostituierten Frauen auf einmal mehr Beinebreitmachen dann schon gar nicht mehr an. Aber wir wundern uns ja nicht jetzt, dass von Frauenfeinden frauenfeindliche Vorschläge kommen.
                  Jedenfalls ist es in Österreich so, dass Asylbewerberinnen und Asylbewerber nicht arbeiten dürfen, während ihr Verfahren läuft. So weit, so scheisse. Aber prostituieren dürfen sie sich. So weit, so noch scheisserer. Es riecht nach Kolonialismus hier und nach einer fetten Kombi aus Rassismus und Frauenverachtung – die Arbeitsplätze dürfen AsylbewerberInnen keinem wegnehmen dürfen, gell, aber unseren weissen Herren die Schwänze lutschen, das geht. Passt schon.

                  Das ist ein Zustand, der geändert werden muss. So weit so klar. Jetzt kommt ausgerechnet die rechte FPÖ ums Eck und befindet, dass nichtösterreichische Frauen von Schleppern, Menschenhändlern und anderen Kriminellen unter Druck gesetzt werden, sich zu prostituieren. Und damit hat die FPÖ auch noch recht! Erwartungsgemäss kommt aber kein ordentlicher Lösungsvorschlag. Denn die FPÖ fordert ein Prostitutionsverbot für Asylbewerberinnen. Das ist deswegen bescheuert, weil es zu kurz gedacht und, wie anders zu erwarten von den rechten, frauenfeindlich ist. DENN. Frauen werden in Österreich in die Prostitution gedrängt, weil es so viele Freier gibt, die die Nachfrage stellen. Damit ist es für Kriminelle klar, dass es sich lohnt, Frauen in Österreich zur Prostitution zu zwingen. Da kann man richtig Kohle machen bei. Sind ja genug Abnehmer da! Aber anstatt logisch vorzugehen und ein Sexkaufverbot zu fordern und damit die Nachfrage zu reduzieren und es für Menschenhändler und Zuhälter unrentabel zu machen, Druck auf Frauen auszuüben, lässt sich die FPÖ an den Frauen aus. Denn das Herrenrecht, eine Gruppe von Frauen zur ständigen sexuellen Verfügbarkeit in sklavenähnlichen Zuständen zu halten, das darf nicht angetastet werden.

                  Stattdessen wird an prostituierten Frauen rumreguliert. Wo ist da der Sinn? Warum reguliert man an denen rum, die Gewalt erfahren? Denn eine Asylbewerberin, die dabei erwischt wird, wie sie sich prostituiert oder wie sie prostituiert wird, hat ganz gewiss straf- und aufenthaltsrechtliche Konsequenzen zu befürchten. Was soll das? Bestrafen wir jetzt Opfer von Gewalt? Würden wir auch an Frauen rumregulieren, die von ihrem Partner geschlagen werden? Würden wir sie bestrafen, weil es ja schliesslich verboten ist, jemanden zu schlagen, und sie aber geschlagen worden sind? Niemals, das ergäbe überhaupt keinen Sinn. Aber genau das wird hier vorgeschlagen.

                  Ich konstatiere: der Lösungsvorschlag ist zum kotzen. Genauso zum kotzen ist aber auch, dass die FPÖ die einzige Partei ist, die das Problem anspricht. Aus allen anderen Ecken hört man dazu mal wieder nur die Grillen zirpen. Denn während die FPÖ wenigstens zu ihrem Frauenhass steht und kein Problem damit hat, ihn offen herauszuposaunen, wird das Thema „In Deutschland und Österreich werden Frauen aus armen Schichten, mit gewaltbesetzten Biographien und aus anderen, als minderwertig erachteten Ländern dafür hergenommen, dem weissen Herrenmenschen die Schwänze zu lutschen“ hier unter den Tisch fallen gelassen. Warum? Nun, weil unsere „bürgerliche Mitte“ und leider auch die Linke nicht wirklich ein Problem mit Frauenhass hat, sondern ihn uns noch als Empowerment, choice und Befreiung verkauft. Und das bisschen Rassismus und Klassismus, dass da am Sexismus dranklebt, ach, man nimmt es in Kauf. Kommt ja schon nicht mehr drauf an, gell?
                  Nicht mal Organisationen, die explizit für Frauenrechte eintreten sollten, haben uns Frauen aus der Prostitution noch auf dem Schirm. Auf den Lösungsvorschlag der FPÖ angesprochen, sagt eine österreichische Beratungsstelle für Frauen aus der Prostitution: „”Wir haben oft Frauen beraten, die in sehr langen Verfahren steckten, und wir wissen, dass es für die Menschen positiv ist, wenn sie das Gefühl haben, dass sie auch erwerbstätig sein können. Auch wenn es Sexarbeit ist.”

                  Einfach mal sacken lassen.

                  Und sich dann fragen, wer überhaupt für uns eintritt. Die Rechte? Ganz sicher nicht. Die Linke? Kann man allzu oft nur abwinken, selbst als sehr linke Person. Feministinnen? Solange sie nicht radikalfeministisch sind: goodbye.
                  Schade. Die einen wollen an uns rumregulieren, die anderen wollen auch ein Stück von unserer sexuellen Ausbeutung und die wieder anderen reden unsere Ausbeutung schön.
                  So wird sich an den herrschenden Zuständen niemals was ändern!

                  Minderjährige in der Prostitution

                    Während meiner Zeit in der Prostitution hat mich, selbst als nicht klar war, ob ich volljährig bin, NIE ein Freier gefragt, wie alt ich eigentlich WIRKLICH bin. Und auch nie, ob ich freiwillig hier bin. Bin ich damit ein Einzelfall?

                    In Hamburg stehen zwei Männer vor Gericht.
                    Sie haben einem Mann ein 15-jähriges Mädchen “abgekauft”. Auch dieser hatte es zur Prostitution gezwungen, es ist nicht klar, wie lange schon.
                    Dann haben sie das Mädchen an Freier vermittelt. Ihre Einnahmen hat sie abgeben müssen, um ihre “Schulden” ( = ihren Einkaufspreis) bei ihren neuen Zuhältern abarbeiten zu müssen.
                    Schliesslich hat sich die Polizei verdeckt auf eine der Anzeigen gemeldet, in denen sie als frisch 18 geworden beworben wurde und liess die Sache hochgehen.

                    Als Argument gegen das Nordische Modell kommt häufig, das sei schwierig, weil die Freier dann Fälle, in denen sie Zwangsprostitution vermuten, nicht mehr anzeigen würden. Denn sie sind über die Freierbestrafung ja eh schon kriminalisiert und müssten dann zugeben, Freier gewesen zu sein. Nun: In dem Fall hier hat sich KEIN EINZIGER FREIER bei der Polizei gemeldet. KEIN. EINZIGER. Und das, obwohl das Freiertum in Deutschland nicht illegal ist. Ja, es gibt mittlerweile ein lächerliches Gesetz hier, was den wissentlichen (!!!), vorsätzlichen (!!!!!!) Besuch bei Zwangsprostituierten (ohne dass “Zwang” allerdings definiert wird) unter Strafe stellt. Ein Gesetz, über das Freier sich herzlich einen ablachen werden. Denn “Zwang” nachzuweisen ist schwer. Und nachzuweisen, dass ein Freier von diesem Zwang wusste, noch schwerer. In diesem Fall hier ist es so, dass klar erkennbar gewesen sein muss, dass das Mädchen nicht volljährig ist – denn sie wurde ja auch schon BEVOR sie 15 war prostituiert, und ein 13- oder 14-jähriges Mädchen kann man von einer 18-jährigen sehr wohl unterscheiden.
                    JEDER ihrer Freier hätte bei ihrem Anblick entscheiden können, sie NICHT zu missbrauchen, sondern sofort zur Polizei zu gehen. Ihm wäre NICHTS passiert.
                    JEDER ihrer Freier hätte sogar NACHDEM er sie missbraucht hat, zur Polizei gehen können. Ihm wäre nichts passiert, wenn er gesagt hätte, dass ihm erst zum Schluss was komisch vorkam. Ihm wäre nichts passiert.

                    KEINER ihrer Freier hat das getan. KEINER ist zur Polizei gegangen. KEINER hat ihr geholfen.
                    Ein junges Mädchen wird ge- und verkauft und gezwungen, sich preiszugeben, und all die erwachsenen Männer drumrum entscheiden sich, ihr nicht zu helfen, sondern auch ein Stück vom Kuchen zu ergattern und eben auch mal drüberzurutschen.

                    Das Argument gegen das Nordische Modell, dass Freier ständig Zwangsprostituierte melden würden und es dann unter schwedischer Gesetzeslage nicht mehr tun würden, ist keines. Denn sie melden Fälle von Zwangsprostitution, sogar wenn diese offensichtlich ist, weil sie eine Minderjährige vor sich haben, fast nie. Sie haben nichts gegen Zwang. Sie haben nichts gegen Zuhälter. Und sie haben auch nichts gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen in der Prostitution.
                    Denn erst der Zwang, erst die Zuhälter, erst die Gewalt (und die Armut, die vorausgegangene sexuelle Gewaltgeschichte usw.) sorgen dafür, dass das Angebot, nach dem sie so sehr nachfragen, zur Verfügung gestellt werden kann.
                    Oder woher sollen die “tabulosen”, möglichst jungen Frauen in ihrem Bett sonst kommen?

                    Freiersein bedeutet, zu profitieren von Tätern, die vor einem selbst an einer Frau oder einem Mädchen Gewalt ausgeübt haben, um dann noch einen draufzusetzen und auch Gewalt ausüben zu können – möglichst, ohne das Mädchen vorher schlagen oder überwältigen zu müssen. Das haben ja dann andere schon gemacht. Wie praktisch.

                    Leider ist die Gesetzeslage in Deutschland so, dass zwar ihre Zuhälter jetzt vor Gericht stehen – ihre Freier aber nicht.
                    Die suchen sich einfach die nächste “18-jährige”, die in einer Annonce beworben wird.
                    Noch.
                    Ich hoffe, dass das in, sagen wir, 5 Jahren nicht mehr möglich sein wird, weil sie dann Angst vor einem Bussgeld oder besser noch vor einer Gefängnisstrafe haben müssen!
                    Denn Fakt ist: Zuhälterei und Zwangsprostitution gibt es nur, weil Freier eine Nachfrage nach Prostitution stellen.
                    Wenn Männer keinen Sex kaufen würden, würde es auch keine Männer geben, die Frauen und Mädchen zur Prostitution zwingen.
                    Diese beiden Zuhälter hier haben getan, was sie getan haben, weil es sich GELOHNT hat. Weil sie damit sehr viel Geld verdient haben. Sie hätten schön auf dem Trockenen gesessen, wenn es keine Freier gegeben hätte.
                    Haben sie aber nicht.
                    Denn es gibt genug Freier. Und damit auch genug Zuhälter.
                    Und damit genug Mädchen und Frauen, die von beiden ordentlich ihren Schaden wegbekommen haben.
                    Das muss aufhören – und zwar dalli!