“Wenn wir das Nordische Modell einführen, wandert Prostitution in den Untergrund” – eine kleine Aufklärung

    Bundesjustizministerin Christine Lambrecht warnt vor „Prostitution in dunklen Ecken“ und meint, die Einführung des Nordischen Modells sei keine Lösung, denn es gäbe nachher immer noch Prostitution – und mir als Frau aus der Prostitution geht bei solchen Aussagen so derbe die Hutschnur hoch.

    Eine kleine Aufklärung über “den Untergrund” tut Not.

    Das erste ist: Das Nordische Modell beendet nicht die Existenz von Prostitution. Soweit ist das richtig. Es dezimiert sie aber, und zwar enorm. In Schweden geht die Prozentzahl der Freier, gemessen an der Gesamtbevölkerung, jedes jahr um 0,5 % runter und ist mittlerweile bei phänomenalen 7%. Davon können wir hier in Deutschland nur träumen – je nach Statistik ist es hier jeder 3. Mann, der geht, 90%, die schonmal im Bordell waren (was nicht heisst, dass sie es immer noch tun, auch einmalige Ausflüge ins Milieu gelten) oder 3 von 4 Männern, die schonmal Prostitution genutzt haben. Könnten wir das auf 7% Freier runterschrauben, wäre das schonmal ein massiver Fortschritt! Davon mal abgesehen: Die Einführung der Strafbarkeit von Mord hat auch nicht dafür gesorgt, dass es keine Morde mehr gibt. Uns allen ist aber ja wohl klar, dass es noch mehr Morde geben würde, wenn Mord nicht strafbar wäre, oder?

    Das zweite ist: der leidige Untergrund und die „dunklen Ecken“. Was soll das überhaupt sein, der Untergrund? Es gibt in der Prostitution keinen Untergrund, denn irgendwie müssen Freier und Prostituierte sich ja finden. Wenn ein Freier, sagen wir mal, aus Berlin, auf eine Dienstreise nach Gütersloh geht und sich vornimmt, heute Abend für einen Hotelbesuch einer Prostituierten zu zahlen, dann WIRD er auch was finden, und zwar egal, in welchem prostitutionsgesetzgeberischen System – Gütersloh könnte hier auch in Sibirien liegen (wo die Prostituierten für die LKW-Fahrer an der Strasse stehen) oder in Russland, wo Prostituierte bestraft werden, oder halt in Schweden. Ein Freier, der zu einer Prostituierten will, wird sie finden, egal unter welcher Gesetzgebung, denn davon lebt die Prostitution ja, dass Freier und Prostituierte sich finden. Und wenn jetzt ein angereister Freier das finden kann, warum sollte es nicht jedeR andere auch tun? Hat der Freier Zeit, sich stundenlang auf der Strasse nach Getuschel und Geheimtipps umzuhören? Hat er Zeit, tagelang zu recherchieren? Hat er nicht. Braucht er auch nicht. Prostitution ist auffindbar. Sie muss es sein. Immer. Und wenn Freier Prostituierte finden können, warum sollten dann nicht auch Polizei, Sozialarbeiterinnen und alle anderen sie finden können? Sind die was dümmer als der Freier? Oder haben sie kein Internet? Naaaa, Kwatsch.

    Was soll das also sein, der „Untergrund“? Frau Lambrecht sagt, es wäre schlecht, das Nordische Modell einzuführen, denn dann verlagere sich alles in die „dunklen Ecken“, wo man überhaupt nicht mehr kontrollieren könne. Das ist ja nun widerlegt, Prostitution findet vielleicht manchmal in dunklen Ecken statt, aber am Ende wissen ja doch alle, die es betrifft, wo diese dunkle Ecke ist.

    Was also ist die Alternative zu der „dunklen Ecke“ und ihrem „Untergrund“, den es gar nicht gibt? Die Alternative ist die Realität in der Prostitution jetzt hier in Deutschland, in einem legalisierten und damit zuhälter-, menschenhändler- und freierfreundlichen System. Die Alternative ist, dass Prostitution und mit ihr einhergehend der ganze sexuelle Missbrauch, die Verletzungen von und Übergriffe an Frauen und Mädchen, die ganze Frauenfeindlichkeit VOR ALLER AUGEN (sozusagen im VORDER- statt Untergrund) stattfinden. Das TeenyLand-Bordell wirbt offen damit, dass dort alle Mädchen aussehen, als wären sie minderjährig. Die Bordellzimmer sehen aus wie Kinderzimmer, inkl. Teddybären, Schreibtisch wo man die Hausaufgaben machen kann etc. Haben wir ein Problem? Ach nein, damit haben wir kein Problem. Auf jeder 2. Taxe ist in manchen Städten Puffwerbung drauf (schmierige Sprüche der Taxifahrer, wenn man als Frau dort einsteigt, inklusive). Junge, rumänische, halbnackte Mädchen rekeln sich da drauf. Jeder kann sich sexuellen Zugang zu ihnen kaufen, weil es erlaubt ist, und weil sie verdammt arm sind und keine andere Wahl haben. Haben wir ein Problem? Ach nein, wir haben kein Problem. Am Kurfürstendamm in Berlin stehen drogenabhängige Frauen, die kaum Hilfe erhalten, die oft nicht mal ein Obdach haben. Sie steigen in fette Karren zu Typen, die echt heftige, ekelhafte Dinge von ihnen verlangen. Und alle sehen zu. Haben wir ein problem? Ach nein, wir haben kein Problem.

    Jetzt und hier findet das alles unter aller Augen statt. Und das führt auch dazu, dass wir alle abstumpfen. Dass wir uns sagen: Prostitution ist doch normal. Prostituierte zu sein ist doch normal. Die brauchen doch keine Hilfe.

    Aber meistens brauchen wir Prostituierten genau diese Hilfe eben doch.

    Wir haben die Wahl: lassen wir den Missbrauch an Frauen und Mädchen unter aller Augen geschehen?

    Oder verringern wir durch eine Strafbarkeit des Freierseins die Nachfrage und damit das Angebot massiv, und das, was an Prostitution immer noch dableibt, ist dennoch für alle auffindbar, die es angeht – Polizei, Hilfesysteme und so weiter?

    Prostitution ist in DEutschland offensichtlich. Und doch auch wieder nicht. Denn: in über 80% Deutschlands ist Prostitution auszuüben auch jetzt schon verboten – durch die Sperrbezirke. Bestraft werden bei Kontrolle aber die Frauen aus der Prostitution. So gesehen ist das, was Lambrecht als “dunkle Ecken” bezeichnet, jetzt schon da – Leidtragende sind prostituierte Frauen, denen durch Bussgeldbescheide wegen Verstosses gegen die Sperrbezirksverordnung der Ausstieg erschwert wird. In Schweden dagegen gibt es keine Sperrbezirke für Prostituierte – Prostitution auszuüben ist erlaubt. Überall. Hingegen wird für das ganze Land zum Sperrgebiet für Freier.

    Ich sehe absolut ein, dass Prostitution auszuüben im Nordischen Modell sicher nicht mehr ganz so einfach ist, wie hier im legalisierten System. Hier kann man sich anmelden (wenn man sich das leisten kann) und ab in den nächsten Puff.

    Im Nordischen Modell gibt es keine legalen Puffs mehr. Dafür ist Prostitution auf Anbieterinnenseite aber eben auch nicht strafbar. Ja, es kann sein, dass Freier dann sehr viel vorsichtiger werden, dass sie, weil sie wissen, dass die Kontaktanbahnung und der Vollzug für sie (und nur für sie) strafbar ist, Sicherheitsmassnahmen ergreifen wie: ich sage dir meinen Namen nicht und am besten, wir machen es bei mir Zuhause.

    ABER.

    Freier wollen auch jetzt und hier mega oft unentdeckt bleiben. Sie wollen nicht, dass ihre Familie davon erfährt. Sie wollen, wenn sie das Gummi abgezogen haben, keinen Stress mit der Polizei. Sie wollen nicht, dass die blauen Flecken an der Prostituierten für sie Konsequenzen haben.

    Und das ändert sich auch im Nordischen Modell nicht. Freiersein bedeutet einerseits, völlig offen agieren zu können, denn auf dem Freiersein liegt kein Stigma hierzulande, und es ist auch nicht strafbar. Und trotzdem gibt es unendlich viel, was Freier verstecken wollen. Und sie verstecken es bereits hier und jetzt.

    Warum müssen wir uns darüber streiten, wo Prostitution stattfindet, im Vordergrund, im Untergrund? Im für alle sichtbaren Megabordell, wo der Missbrauch KEINE Konsequenzen hat, weil er legal ist, oder im Nordischen Modell heimlich auf Hausbesuch?

    Warum muss Prostitution überhaupt stattfinden?

    Im Nordischen Modell geht Prostitution quantitativ zurück.

    Und auch qualitativ werden die Folgen der Prostitution für die Prostituierte geringer. Denn all die Übergriffe, die sie jetzt nicht anzeigen kann, kann sie dann anzeigen. Und der Freier weiss das. Er wird sich meistens hüten, irgendeine Grenze zu übertreten.

    Es ist so nobel, dass Frau Lambrecht meint, die Sicherheit von uns Prostituierten sei wichtig.

    Aber wovon reden wir, wenn wir von Sicherheit sprechen?

    Reden wir nur von den zusätzlichen Übergriffen in der Prostitution, Sachen, die nicht abgesprochen waren, Vergewaltigungen, ein plötzlicher Schlag ins Gesicht, anspucken usw., dem beliebten Freierspiel „falsches Loch erwischt“, ein extraharter Hatefuck, ein permanentes Austesten der Belastbarkeitsgrenzen?

    Oder reden wir auch davon, dass Prostitution immer ein sexueller Übergriff ist?

    Wenn wir ehrlich sind und konsequent analysiert haben, müssen wir von beidem reden.

    Und in beiden Fällen sind Freier die Täter. Wenn wir über Sicherheit für uns prostituierte Frauen sprechen, sprechen wir über die Taten von Freiern. Freier sind das Problem. Warum also sie machen lassen?

    Dafür würde ich irre gern mal auch nur ein einziges gerades Argument hören.

    Freier und Zwangsprostitution

      Habt ihr schonmal einen Freier gefragt, wie er zu Zwangsprostitution steht?

      Während meiner Zeit in der Prostitution war es immer so, dass Männer mir ungefragt unterstellt haben, ich würde das freiwillig und aus Spass machen („Hobby zum Beruf gemacht“). Oder aber sie waren sich sicher, dass ich einen Zuhälter habe, und haben versucht, mich damit zu erpressen (zum Beispiel, indem sie vorgegeben haben, sie hätten mit meinem “Chef” telefoniert und ausgemacht, dass ich es ohne Gummi tue, und wenn ich das jetzt nicht täte, gäben sie ihm Bescheid und ich würde Ärger bekommen – blöd nur, dass ich in den letzten jahren keinen Chef mehr hatte…). GEFRAGT danach haben sie nicht. Es ging ihnen nicht um meine Situation. Es ging ihnen um SICH. Entweder darum, auf Teufel komm raus ein gutes Gewissen haben zu können, so wie der Polizist, der mich als Freier besuchte, mir erzählte, im Job ermittle er gegen Menschenhandel und als ich ihn fragte, wie er das zusammenkriege, meinte: “Ach, wieso, ich schade ja niemandem, ich schade dir ja nicht. Du bist freiwillig hier.” (Das legte er einfach mal so fest.) Oder eben sie versuchen, das meiste für sich rauszuholen, und das geht eben gut, wenn sie eine Zwangsprostituierte vor sich haben. Die kann und darf sich nämlich nicht wehren.

      Öffentlich werden Freier immer sagen, dass sie Zwangsprostitution ganz, ganz schlimm finden.

      Aber unter sich, z.B. in Freierforen, sprechen sie offen an, dass sie von Zwangsprostitution wissen. Und es stört sie entweder gar nicht, oder es nervt sie, weil sie es eigentlich nicht sehen wollen – damit das gute Bild von sich selbst erhalten bleibt.
      Fakt ist aber, es gibt keine “sauberen” Freier. Es gibt keine Freier, die sich nicht schuldig machen. Sie konstatieren selbst, dass sie in vielen Fällen gar nicht erkennen können, ob Zwangsprostitution vorliegt. Aber das “Privatleben” von uns prostituierten Frauen geht sie angeblich nichts an.
      Zwangsprostitution finden viele von ihnen gut, weil sie dann mehr für sich raushauen können. Oder sie ist ihnen egal. Oder sie stört sie, weil sie gern weiter “ein guter Mensch” bleiben wollen – heisst, sie wollen sie nicht mitkriegen.
      Aber sie wissen, dass es sie gibt, und sie profitieren davon.
      Die Täter bei Zwangsprostitution sind nicht nur die Menschenhändler und Zuhälter, es sind auch die Freier.
      Denn da SIE den Sexualakt ausführen, ist es IHRE Verantwortung, sicherzustellen, dass sie gerade niemanden vergewaltigen.
      Es gibt nämlich kein “aus Versehen vergewaltigt”. JEDER MANN, der mit einer Frau schläft, ist dafür verantwortlich, dass das, was er da tut, keine Vergewaltigung ist. Diese Verantwortung kann ihm niemand abnehmen. Da kann sich kein Mann drauf berufen, er habe es nicht gewusst, dass sie nicht wollte (war doch ein staatlich genehmigtes Bordell! war doch kein Zuhälter zu sehen! hatte doch keine blauen Flecken!) – es wäre seine Aufgabe gewesen, das sicherzustellen.
      Wenn es um Sex ginge, der NICHT in der Prostitution stattfindet, wären wir entsetzt, wenn ein Mann uns erzählen würde, er wisse nicht, ob der Akt, den er gerade durchgeführt habe, ungewollt gewesen sei und es sei ihm auch egal.
      Warum sollte das anders sein, nur weil irgendwer (die Frau, der Zuhälter) bezahlt worden ist? Der Akt an sich bleibt ja ungewollt. Und ungewollter Sex ist Missbrauch.

      Es wird Zeit, dass wir Freier endlich in die Verantwortung nehmen. Es kann nicht sein, dass sie es geniessen, ungestraft bewusst vergewaltigen zu können oder dass ihnen egal ist, ob sie gerade vergewaltigt haben. das ist ein absolutes No-Go!
      Daran, dass es Zwangsprostitution gibt, sind auch die Freier schuld. Ohne ihre Nachfrage gäbe es nämlich gar keine Zwangsprostitution!
      Es wird niemals “saubere” Prostitution geben. Prostitution besteht immer zu einem gewissen Teil auch aus Zwangsprostitution. Denn es wird nie genug Frauen geben, die das “freiwillig” (und das definiere ich hier mal bloss als: ohne angewandte körperliche Gewalt durch einen Zuhälter) machen werden machen!
      Wer das eine will, muss das andere mögen – es gibt keine Prostitution ohne Zwangsprostitution.
      Und Freier wissen das und nutzen das.

      “Saubere” Freier gibt es nicht, denn Freier und Zuhälter und Menschenhändler sind partners in crime, Komplizen, die alle nur ein Ziel haben:
      So viel wie möglich aus prostituierten Frauen und Mädchen rauszuholen!
      Auf der Seite “Die Unsichtbaren Männer” könnt ihr euch anschauen, wie Freier reden, wenn sie unter sich sind. Wie sprechen sie über Zwangsprostitution und Menschenhandel?

      Garantiert nicht so, wie es gesellschaftlicher Standard sein sollte! Und das sollten, ja, müssen und werden wir ändern.

      Wenn Freier einen darüber belehren, wie Prostitution wirklich ist…

        Ich als Exprostituierte, die sich für die Einführung der Freierbestrafung in Deutschland einsetzt und die offen darüber spricht, wie Prostitution so ist, bekomme andauernd Zuschriften von Freiern, die mich davon überzeugen wollen, dass es „nicht so ist“, wie ich es erlebt habe. Eigentlich veröffentliche ich die nicht, aber heute habe ich mich doch mal dazu entschlossen, damit ihr mal einen Einblick bekommt in die Art, wie Freier denken. Geschrieben hat mir einer aus der Kategorie, die wir im Bordell „Liebeskasper“ genannt haben. Er ist einer von den “netten Freiern”. Aber ist er deswegen harmlos?

        Das hier ist seine Mail:

        Betrachtet man diese seine Zuschrift analytisch, kann man folgendes feststellen:

        1. Er ist davon überzeugt, dass er anders ist. Nicht so schlimm wie die anderen.

        2. Eigentlich findet er es schlimm, Sex zu kaufen. Damit heuchelt er, ein Gewissen zu haben (als würde das etwas besser machen, wenn man weiss, dass etwas schlimm ist und man tut es trotzdem).Nur wenn ER es tut, dann ist es nicht so schlimm.

        3. Und ja, er findet, Prostitution ist Missbrauch. Aber er missbraucht nur ein kleines bisschen, denn er penetriert die Frau nicht, er lässt sich „nur“ einen runterholen. Das sei etwas, was er noch mit sich vereinbaren könne. Ein kleines bisschen Missbrauch, noch dazu von etwas ganz besonderem wie IHM, ist also okay.

        4. Er behauptet, dieser Frau gutzutun: mit langen Gesprächen, mit Massagen, indem er „auf ihre Wünsche eingeht“. Und er bemerkt nicht oder will nicht bemerken, dass er damit nur versucht, noch mehr aus dieser Frau rauszuholen als andere Freier: mit den Gesprächen versucht er, in ihre Privatssphäre einzudringen, sie muss Extraarbeit leisten (emotionale und psychische), indem sie sich auf ihn einstellt, ihm Sachen von sich verrät, damit er sich weiter „besonders“ fühlen kann, denn das ist, was er hier kauft. Sie muss ertragen, endlos von ihm gestreichelt, massiert, abgeleckt zu werden und sie muss vorgeben, dies seien ihre Wünsche, wo ihr einziger Wunsch wahrscheinlich doch ist, dass er geht (und sie nicht anfasst). Das ist auch Extraarbeit: noch so tun zu müssen, als gefiele es einem, 2 Stunden lang den Ekel, die Abscheu wegdrücken, lächeln, „ach du tust mir so gut, du bist so anders“ usw.

        5. Er bringt ihr Geschenke mit und glaubt, damit nicht so schlimm zu sein wie andere Freier, aber meint hier irgendwer, diese Geschenke mache er ihr selbstlos?

        6. Er nutzt ihre wirtschaftliche Lage aus, in dem er vorgibt, aus Gewissensgründen nicht mehr zu ihr kommen zu können, und holt sich so über Erpressung eine Bestätigung für sein Ego ab: er sei ihr „liebster Kunde“, habe sie ihm gesagt, „ein Lichtblick“. Er weiss genau, dass sie das Geld nötig hat, und das nutzt er, um sie sagen zu lassen, er sei doch nicht so schlimm wie die anderen. Danach kann er sagen, sie habe es ja so gewollt, unter Tränen habe sie ihn angefleht, nicht wegzubleiben. Ist das widerlich oder ist das widerlich?

        7. Wenn sie ihm wirklich so Leid tut und er der Samariter ist, als der er sich hier ausgibt, warum gibt er ihr dann nicht einfach das Geld und geht wieder? Aber nein, er missbraucht sie 2 Stunden lang, lässt sie noch emotionale und psychische Arbeit verrichten, indem er sie sein Ego und Selbstbild streicheln lässt und indem er sie aus purer Not sagen lässt, er müsse doch kein schlechtes Gewissen haben.

        8. Er hofft, dass sie aussteigt, weil „die anderen Freier“ ja so schlimm sind und sie kaputt machen. (Er natürlich nicht.) Und für den Fall, dass sie aussteigt, hat er ihr auch gleich seine private Nummer gegeben, damit er ihr dann „helfen“ kann. Er lässt sich versichern, dass sie ihn danach weitertreffen wird. Und er glaubt natürlich: ohne Kohle. Sprich: er denkt, er könne sich hier seine eigene kleine Privathure aus dem Bordell holen, natürlich kostenlos.

        9. Und so kommt er, der einer der schlimmsten Blutsauger unter den Freiern ist, zu dem Schluss: „Ich weiß, dass ich mit dem was ich tue auch zur Unterstützung der Prostitution beitrage und das ist schlecht.Trotzdem schäme ich mich dafür nicht, weil ich die Spanierin in einer schlimmen Gesamtsituation unterstütze und sie als das behandle was sie ist.Nämlich eine wundervolle Frau und ein wertvoller Mensch.“

        Dabei sollte er sich sehr wohl was schämen. Auch die Tatsache, dass er mir seitenweise Ergüsse schreibt, ist der Versuch, sich von mir emotionale Arbeit zur Aufrechterhaltung seines Selbstbildes zu erschleichen. Plus, glaubt eigentlich irgendwer, es sei cool, wildfremde Frauen mit ungebeten eingesandten detaillierten Schilderungen von „Streichelsex“ beeindrucken zu können? Was ist das anderes als ein Penisbild in Schriftform?
        Also hier, bitte schön, die Zuschrift von heute Nacht. Lest es euch durch und fragt euch, ob es auch harmlose Freier gibt. Oder teilt es und fragt eure Bekannten, die bisher der Meinung waren, es gäbe doch auch nette Freier, ob sie die jetzt immer noch so furchtbar NETT finden.

        Freiwilligkeit und Prostitution

          Als Exprostituierte bin ich oft müde davon, zum hundertsten Mal ausdiskutieren zu müssen, ob Prostitution freiwillig ist. Denn die Frage nach dem Existenzrecht von Prostitution hängt nicht davon ab, ob es irgendwo eine gibt, die es “freiwillig” macht.

          Wir brauchen mehr politische Analyse und weniger Fokusverschiebung auf die, die durch die Prostitution in der handlungsbeschränkteren Lage sind (das sind wir prostituierten Frauen). Prostitution wird nicht dadurch okay, dass irgendwo irgendeine sagt, dass sie es “freiwillig” tut, genauso wenig, wie partnerschaftliche Gewalt dadurch okay wird, dass eine Frau “freiwillig” bei ihrem schlagenden Mann bleibt.

          Diese Konzentration auf das “ja” der Frau erinnert an Victimblaming. Wir brauchen mehr politische Analyse, wir brauchen einen Blick darauf, in welchen UMSTÄNDEN das “JA” gegeben wurde, und dann sehen wir: Ein “Ja”, das gegeben wird, weil ein “Nein” hiesse, negative Konsequenzen zu tragen (nichts zu essen, kein Geld für die Miete, Schläge) kann kein Konsens sein.
          Abgesehen von der politischen Analyse fehlt mir auch oft der Blick auf die Freier. Warum wird andauernd das Verhalten derer, die sich prostituieren, kritisiert und zum 100. Mal durchgekaut? Wir sind doch schon lange an dem Punkt, an dem wir wissen, was Frauen dazu bringt, sich zu prostituieren.
          Drehen wir doch den Spieß mal um und betrachten die Freier. Während man einer Frau sehr wohl zugestehen muss, dass sie mit ihrem Körper machen kann, was sie will (oder muss, um zu überleben), kann man einem Menschen wohl kaum genehmigen, mit dem Körper eines anderen zu tun, was er will – das sind nämlich zwei verschiedene Paar Schuhe.

          Ist es okay, alles zu tun, um das eigene Überleben zu sichern, ist es okay, mit seinem eigenen Körper zu tun, was man möchte? Klares Ja.
          Ist es okay, sich sexuellen Zugang zum Körper einer anderen Person zu kaufen? Klares Nein.
          Das Main Echo hat mit einigen Freiern gesprochen und ich bin froh, dass sie der Freiersicht Raum gegeben haben. Die Interviews mit ihnen machen klar: Freier gehen zu Prostituierten,

          – weil sie es mögen, dass Frauen dort nicht nein sagen (können) und dass sie verfügbar sind (sein müssen)

          – weil sie es mögen, dass die Frauen dort ihre Grenzen nicht wahren dürfen (ein Freier z.B. bezeichnet alle deutschen Prostituierten als “Abzockerinnen”, bei denen es viel kostet und man wenig bekommt – es sollte also am besten auch noch kaum was kosten)

          – weil sie so mit anderen Männern “bonden” können, sich ihrer Zugehörigkeit zur privilegierten Gruppe sichern, sich ihrer (überlegenen) Männlichkeit versichern können, indem sie Frauen als Gruppe abwerten

          – weil sie Frauen in der Prostitution nicht wie Menschen behandeln müssen (“einfach mal das primitive Schwein raushängen lassen”, “Die Prostituierten müssen für mich Deutsch reden können. Aber ob sie freiwillig dort sind, das interessiert mich nicht. Da bin ich kalt.”,”Ob die Frauen freiwillig im Bordell sind, hat für mich eigentlich keine Rolle gespielt, solange sie leidenschaftlich dabei war.”)

          – weil der pornographisierte Sex, der üblich ist ausserhalb des Bordells und in dem alles auf die Bedürfnisse des Mannes konzentriert ist bei gleichzeitiger Lust an der Demütigung und Abwertung von Frauen, im Prinzip dasselbe ist wie das, was man im Puff bekommt (“Eigentlich merkt man gar keinen Unterschied, wenn man zu einer Prostituierten geht.”)

          Dass Sex Geld kostet, führt leider nicht dazu, dass Männer diesen Sex (der ja komplett auf allein ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist) dann mehr wertschätzen, im Gegenteil, es geht auf Kosten des Subjektstatus von Frauen.
          Der Blick des Freiers auf Frauen in der Prostitution und damit auf alle Frauen ist einer, der nur auf den sexuellen Nutzwert der Person, die gar nicht mehr als Person begriffen wird, ausgerichtet ist.
          Schauen wir uns mehr die Freier an! Hören wir ihnen zu! Dann wissen wir, was Prostitution ist – und warum Freiertum verboten gehört.

          Sperrbezirke

            In Deutschland ist es ja so, dass Prostitution legal ist, aber nicht entkriminalisiert. Verkürzt bedeutet das, es ist erlaubt, sich zu prostituieren, aber es gibt so viele Regeln, die dabei einzuhalten sind, dass es fast unmöglich ist, keine davon zu brechen.
            Was ganz klar sein muss, ist, dass die Forderung nach der Entkriminalisierung prostituierter Frauen eine Kernforderung des Abolitionismus ist. Strafen, Bussgelder, Regeln, die wir nicht einhalten können, helfen uns kein Stück und sorgen nur dafür, dass sich der Staat an dem Geld, das wir mühsam ervögeln, noch bereichert.
            Klar ist: Wenn es Sperrbezirke gibt, dann sollen die gegen die Verstöße zahlen, die Prostitution nachfragen. Und das geht, die Gesetze kann man so auslegen, dass die Freier zur Kasse gebeten werden, und nicht wir.
            Aber braucht es Sperrbezirke überhaupt?

            Ich kann verstehen, dass es Orte gibt, an denen Prostitution nicht stattfinden sollte. Kindergärten, Schulen… Freier, die Schulmädchen ansprechen (und das tun sie), braucht kein Mensch.
            Ausserdem sorgt die Tatsache, dass es Sperrbezirke gibt, dafür, dass Prostitution eben nicht überall stattfinden kann, nicht überall sichtbar ist und damit auch nicht normalisiert wird.
            Aber bringt das was, wenn sie gleichzeitig weiter stattfindet?
            Haben wir Frauen dadurch eine Option mehr bekommen, oder geht es nur darum, uns zu verdrängen?
            Ich habe immer gemischte Gefühle, wenn eine Stadt mal wieder feiert, dass sie einen Sperrbezirk durchgesetzt hat. Denn einerseits ist es ein ehrenwertes Motiv, zu sagen: „Wir finden Prostitution nicht normal, wir finden sie frauenverachtend, wir wollen das nicht.“
            Andererseits ändern Sperrbezirke nichts an der Realität, dass es Prostitution gibt.
            Keine Frau kann dadurch, dass es einen Sperrbezirk gibt, aussteigen.
            Das heisst, wir prostituieren uns weiter, oft, weil wir müssen, nur eben nicht mehr dort, wo jetzt der Sperrbezirk ist.
            Und das bedeutet unter Umständen: dort, wo es unsicherer ist. Im Gewerbegebiet, am Stadtrand, im Wald…
            Einerseits ist die Gefahr, vergewaltigt, umgebracht oder geschlagen zu werden, in Wohnungsbordellen, bei Haus- und Hotelbesuchen oder eben am Stadtrand nicht unbedingt kleiner. Andererseits ist es halt schon ein besseres Gefühl, wenn man schon anschaffen und mit potentiell gewalttätigen Freiern umgehen muss, es dann wo zu tun, wo noch andere Leute sind – in einem Hotel z.B.
            Oder auf dem Parkplatz neben dem Strich.

            Aber jetzt mal alle Sicherheitsmassnahmen, die wir prostituierten Frauen treffen (Kennzeichen aufschreiben, bei einem Hausbesuch einer Freundin die Adresse weitergeben,…) beiseite:

            Hat eine Gesellschaft, die duldet, dass Frauen sich prostituieren müssen um zu überleben, ja, die das sogar fördert und davon profitiert, ein Recht, eben diese Prostitution nicht sehen zu müssen?

            Es ist doch genau diese Doppelmoral, seit Jahrhunderten: Es gibt Prostitution und all die „ehrenwerten“ Männer nutzen sie, und das ist okay, aber die Prostitution selbst darf nicht sichtbar sein, und die prostituierten Frauen sind pfui Spinne.
            Wie ist das mit geschützten Räumen für prostituierte Frauen?
            (Mal abgesehen davon, dass Prostitution niemals sicher und ausserdem ein Übergriff an sich ist.)
            Oftmals werden Strassenstrichs und altgediente Prostitutionsorte aufgelöst. Dafür wird dann im Gewerbegebiet ein Laufhaus oder ein Eroscenter hingebaut.
            Das wollen viele von uns aber gar nicht, weil es das reinste Konkurrenzspektakel ist, weil wir weniger Verhandlungsfreiheit haben, mehr Vorschriften, weil wir dort weniger vom Geld behalten können. Es beschränkt uns noch mehr in der Prostitution, in der ja bekanntermassen die Wahl-, Entscheidungs- und Handlungsfreiheit eh nicht riesengroß ist.

            Andererseits, Prostitution einen Ort zuzuweisen, das ist auch problematisch. Wie beim Dortmunder Strassenstrich, an dem man Verrichtungsboxen aufstellte, und plötzlich wurde er zum größten Strich Europas, massenweise wurde südosteuropäische Frauen hingekarrt, weil ihre „Freunde“, Männer, Zuhälter befanden, da sei es legal und geregelt und das wäre doch auch mal eine Idee, dort eine Frau hinzustellen.

            Geschützte, zugewiesene Orte entwickeln also immer auch eine Sogkraft hinsichtlich Zuhälterei und Menschenhandel, und sie geben Freiern auch das Signal: es ist okay, was du tust, es ist hier ausdrücklich erlaubt.
            Wie also umgehen mit der Sichtbarkeit von und dem Schutz von Frauen in der Prostitution, ohne Prostitution zu normalisieren und zu akzeptieren?
            Sperrbezirke ja oder nein, und unter welchen Bedingungen, und warum seht ihr das, wie ihr es seht, aus welcher Position sprecht ihr?

            Es geht mir nicht um die Forderung nach dem Nordischen Modell, ihr wisst ja, dass ich mich dafür einsetze. Im Nordischen Modell werden Freier bestraft, und das ist auch richtig so. Das bedeutet, im ganzen Land ist sozusagen ein Sperrbezirk eingerichtet, und zur Verantwortung gezogen werden die Freier. Wichtig ist, dass wir bedenken, dass das NM aus 5 Säulen besteht und dass alle durchgesetzt werden müssen, das heisst, die Freier werden bestraft, gleichzeitig wird der Frau aber ein Hilfsangebot gemacht und sie hat ein Recht auf einen Ausstiegsplatz, also eine Möglichkeit, sich nicht weiter prostituieren zu müssen. Ohne das geht es nicht!

            „Liebe“ Freier, die ihr mir, der Exprostituierten und Aktivistin, Mails und Nachrichten schreibt,

              sonst antworte ich euch nie, aber heute bekommt ihr von mir mal eine Sammelantwort, an euch alle.

              Ich weiss, bei euch wird nichts ankommen, weil euch irgendwas fehlt im Kopf. Aber ich stelle jetzt mal ein bisschen Öffentlichkeit her, weil ihr sonst weiterhin denkt, dass ihr es mit mir ja machen könnt – hintenrum, heimlich, ohne dass es je jemand erfährt.

              Heute möchte ich euch sagen: ihr nervt. Echt jetzt.

              Es nerven die von euch, die zuerst gar nicht sagen, dass sie Freier sind, und die alles in Frage stellen, die erwarten, dass man EXTRA FÜR SIE Infos rauskramt und ihnen hinterherträgt, und zwar JEDE Info. Die Mühe mache ich mir nicht, weil ich genau weiss, es geht euch nicht darum, dass ihr überzeugt werden wollt, dass das, was ihr tut – mit Frauen schlafen, die keinen Bock auf euch haben, und ihr wisst das – falsch ist oder dass das Nordische Modell das richtige ist. Darum geht es euch nicht. Ihr tut nur so. In Wirklichkeit wollt ihr nur Energie absaugen. Ihr werdet euch nie ändern, weder in eurem Denken noch in eurem Handeln, egal, wie oft ihr die Illusion vermittelt. Alles, was ihr wollt, ist uns Aktivistinnen von der Arbeit abzuhalten. Spart euch eure halbseidenen Vorwürfe und aus der Luft gegriffenen Anschuldigungen, mögen eure Provokationen euch im Halse stecken bleiben.  Ich beschäftige mich nicht mit euch. Ich überzeuge keine Freier. Wer Freier ist, ist scheisse, und wer so unbedingt scheisse sein will, dem kann man eh nicht helfen. Ich spare mir meine Energie für wichtige Dinge auf. Ihr seid nicht wichtig. Mir egal, ob ihr verstanden haben werdet, dass es falsch ist, was ihr tut: das Nordische Modell kommt, und ihr werdet zur Verantwortung gezogen werden für das, was ihr tut, ob ihr begriffen habt, warum, ist völlig latte. Ich überzeuge jedenfalls keine Gewalttäter, ich rede nicht mit Vergewaltigern, ich diskutiere nicht mit Missbrauchern. Schreibt mir einfach nicht mehr. Und heult nicht rum, wenn ich euch nicht antworte – ich schulde euch nichts.

              Es nerven die von euch,  die mir empörte Mails schreiben, dass sie finden, ich würde gemeinerweise alle Freier in einen Topf werfen, aber dann wiederum verstünden sie es ja, ich wäre so hochtraumatisiert, dass ich sicher all die netten Freier vergessen hätte, nur die Arschlöcher wären mir in Erinnerung geblieben, kann man ja auch verstehen. Aber ihr seid natürlich keine Arschlöcher, ihr seid nicht gewalttätig, nee, ihr bringt immer Blumen mit und Pralinen, und ihr redet mit den Frauen, die ihr „besucht“ (bevor ihr, nach Blumen- und Pralinenübergabe, über sie drüberrutscht, wohl wissend, dass sie euch ohne die Kohle mit dem Arsch nicht anschauen würden). Was wollt ihr von mir? Ich bin nicht euer Ablasshandel. Bei mir wird kein reines Gewissen verteilt. Ihr werdet von mir nie hören „es gibt ja auch nette Freier, und da ist es nicht so schlimm, nein, DU bist kein Arschloch“. Denn DOCH, DU BIST EIN ARSCHLOCH, es geht nicht darum, wie ihr seid, sondern was ihr tut, und es gibt auch nette Betrüger und nette Bankräuber und sogar nette Mörder, worüber also reden wir hier? Schreibt mir einfach nicht mehr. Und heult nicht rum, wenn ich euch nicht antworte – ich schulde euch nichts.

              Es nerven die von euch, die mir ewig lange, hochgradig weinerliche Mails schreiben, in denen sie sich in ihrer Schuld suhlen, ohne es ernstzumeinen. Ja, ihr „wart“ mal Freier, ich habe es begriffen. Ja, „jetzt“ findet ihr das ganz schlimm, ich habe es begriffen. Ja, ihr habt euch in eine Frau aus dem Laufhaus, in das ihr immer geht, „verliebt“ und plötzlich fällt euch ein, dass Freier scheisse sind und dass dieser „Job“ der letzte Dreck ist und jetzt wollt ihr sie „retten“, weil Freier so schlimm sind. Fällt euch ja früh auf. Manche von euch schreiben mir, weil sie entdeckt haben, dass ihre Freundin anschaffen geht. Ich habe euch nichts zu sagen ausser: mir ist völlig unklar, wieso ihr erst dann versteht, dass prostituierte Frauen Menschen sind, mit denen man nicht so umgehen darf, wenn ihr diese Frau für EUCH ALLEIN haben wollt. Denn genau darum geht es. Ihr habt NICHTS begriffen. Es geht nicht um ihren Schmerz. Es geht, mal wieder, nur um EUCH: EUCH tut es weh. Ihr seid eifersüchtig, in eurer „Ehre“ verletzt, in eurem Besitzdenken angegriffen. Schwallt mich doch nicht voll, ey! Was wollt ihr? Einen Orden dafür, dass ihr entdeckt habt, dass Frauen Menschen sind? Schreibt mir einfach nicht mehr. Und heult nicht rum, wenn ich euch nicht antworte – ich schulde euch nichts.

              Es nerven die von euch, die sich anschleichen und auf verständnisvoll tun. Ich kenne euch gut. Ihr seid einsam. Ihr schafft es „da draussen“ nicht, eine Frau kennenzulernen. (Und alle Frauen, die sich weigern, euch kennenzulernen, werden ihre guten Gründe dafür haben.) Und jetzt denkt ihr euch, ey, die Exnutte da, das beschädigte Gut, die nimmt doch eh keiner mehr, und dann ist die bestimmt auch voll kaputt, und Grenzen ziehen kann die sicher eh nicht mehr, und wenn man der bissl Aufmerksamkeit gibt und was lieb ist, ist die bestimmt voll dankbar. Surprise, surprise: bin ich nicht. Ich bin nicht beschädigt. Ich bin nicht kaputt. Ich bin nicht unfähig, Grenzen zu ziehen. Ich bin nicht wertlos. Und wenn ich eins hinkriege, dann hinhören, wenn mein Radar meldet: „mit dem stimmt was nicht“. Spart euch eure pseudoverständnisvollen, schleimscheisserischen Nachrichten. Ich weiss was ihr wollt. Ihr wollt hier niemanden supporten. Ihr wollt Kontakt. Ihr seid einsam. Ihr denkt, ich und meine Kolleginnen von #NetzwerkElla wären ein gutes Ziel und leichte Beute. Ihr denkt, mit uns könnt ihr euch eure eigene kleine Privatnutte heranzüchten und euch dann noch groß fühlen, als Retter. Ich habe euch noch nie geantwortet und werde es auch nie. Schreibt mir einfach nicht mehr. Und heult nicht rum, wenn ich euch nicht antworte – ich schulde euch nichts.

              All eure PNs und Mails sind verlorene Liebesmüh. Ihr könnt mir seitenweise schreiben, rumjammern, schimpfen, mich bedrohen, mich vollschleimen, sonstwas. Es interessiert mich nicht – Ablage P!

              Go fuck yourself!