„Das ist doch alles nur, weil Du Männer hasst“

    Ja. Diesen Spruch höre ich in letzter Zeit sehr, sehr häufig. Dazu muss ich gar nichts gesagt haben – ich muss nur im Raum sein. Allein das ist für manche Menschen – Männer wie Frauen – anscheinend eine Provokation.

    Woran liegt das?

    Nicht an mir.

    Sondern an der Männergewalt.

    Zunächst mal: es ist schon auffallend schräg, Frauen, die schwere Kindesmisshandlung, sexuelle Gewalt, Menschenhandel und Prostitution er- und überlebt haben, Männerhass zu unterstellen. Und zwar als EINZIGE Reaktion. Bei allem, was sie sagen.

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    Der Strafplanet

      Gestern war ich wieder mit meiner örtlichen Bezugsgruppe zur aufsuchenden Arbeit in Bordellen. Und ich möchte heute über ein Gefühl reden, das dabei immer wieder in mir hochkocht: Wut. Heiße, ohnmächtige, verzweifelte, kochende Wut.

      Dass man getroffen, erschüttert, traurig, verzweifelt ist nach der aufsuchenden Arbeit, dass einem das Herz wehtut, das wird jede verstehen.

      Aber die Wut. Was macht man mit der Wut?

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      „Die ehemalige Prostituierte Huschke Mau“ – und was mich daran ankotzt

        Es ist mal wieder soweit: meine google alerts spülten mir heute einen Artikel ins Mailfach, in dem ich erwähnt werde, und zwar als „Huschke Mau, eine ehemalige Prostituierte“.

        Eine ehemalige Prostituierte. Und sonst nichts.

        Es trifft mich jedes Mal wie ein Faustschlag in die Magengrube.

        Kann sich eigentlich irgendjemand da draußen vorstellen, wie scheiße es ist, darauf reduziert zu werden, immer wieder?

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        Internationaler Tag gegen Menschenhandel 2025

          Heute ist Internationaler Tag gegen Menschenhandel. Etwa 50 – 60% des internationalen Menschenhandels betreffen sexuelle Ausbeutung. Die überwältigende Mehrheit der Betroffenen sind Frauen und Mädchen: 92%.

          Auch ich bin durch Menschenhandel in die Prostitution gekommen und möchte heute ein Bewusstsein darüber wecken, dass wir falsche Bilder von Menschenhandel im Kopf haben. Denn wird in Deutschland darüber gesprochen, denken viele an aus Südosteuropa verschleppte, im Kofferraum geschmuggelte und schließlich im Heizungskeller des Bordells angekettete Frauen. Fakt ist: die meisten Menschenhandelsfälle sehen nicht so aus. Menschenhandel KANN mit Sklaverei, körperlicher Gewalt und Entführung zu tun haben. Aber auch mit: Ausnutzen von Notlagen. Schuldknechtschaft (z.B. das „Abarbeiten“ von „Reisekosten“). Drohungen. Täuschungen.

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          Sexueller Konsens

            Neulich entgegnete mir in einer Diskussion über die verbotene Nutzung von Prostitution ein Mann folgendes: „Was Schweden da macht, ist verrückt! Es ist ja gar nicht erwiesen, dass das alle Frauen unfreiwillig machen!“

            Und da wurde mir klar, wir müssen mal über Konsens sprechen. Denn es gibt verschiedene Definitionen davon – und der Mann sprach von einer anderen Definition als die, die in Schweden genutzt wird. In Schweden muss nämlich nicht bewiesen werden, dass eine das unfreiwillig macht, bevor eingegriffen wird – sondern es muss bewiesen werden, dass sie es freiwillig macht.

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            Was bewirkt das Nordische Modell? Effekt Nr. 5: weniger Menschenhandel, Zwangsprostitution und Zuhälterei

              In Ländern mit Nordischem Modell gehen Menschenhandel, Zuhälterei und Zwangsprostitution deutlich zurück – vor allem durch die gesunkene Nachfrage. Wo weniger Freier aktiv sind, lohnt sich Prostitution wirtschaftlich nicht, und damit verschwinden auch Zwangsprostitution und Menschenhandel. In Deutschland gibt es zwar Polizeirazzien, aber sie ändern nichts am System: Die Nachfrage ist hoch, kriminelle Netzwerke profitieren, der Markt floriert. Solange Männer Frauen kaufen, wird es Menschen geben, die sie verkaufen.

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              Was bewirkt das Nordische Modell? Effekt Nummer 4: Reduzierung schwerer Gewalt gegen Frauen in der Prostitution

                Ein Freier, der in Deutschland zu einer Prostituierten geht, tut dies mit einem anderen Mindset als ein Freier in Schweden. In Deutschland ist Freiertum nichts Illegales, das Verhalten des Freiers wird also vom Gesetzgeber gedeckt. Er fühlt sich dadurch im Recht und meint, ein Anrecht auf die gekaufte Sexualität zu haben. Gewalt oder Übergriffigkeit kann er hinter dem Begriff „Dienstleistung“ verstecken. Die Regeln, die Prostitution betreffen – Anmeldung, Steuern, Sperrbezirk – betreffen fast ausschließlich die Frau. Das macht sie erpressbar und erhöht ihre Verwundbarkeit.


                In Schweden hingegen wissen Männer, dass bereits das Anbieten von Geld für Sex strafbar ist. Sie fürchten soziale und rechtliche Konsequenzen wie Geldstrafen, familiären Streit oder gesellschaftliche Ächtung. Sie wissen, dass die Frau die Polizei rufen kann, ohne selbst belangt zu werden. Das verändert das Machtverhältnis leicht zugunsten der Frauen.

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                Was bewirkt das Nordische Modell? Effekt Nummer 3: Weniger Frauen in der Prostitution & der erleichterte Ausstieg

                  In Ländern mit dem Nordischen Modell sinkt die Zahl prostituierter Frauen signifikant – dank verringerter Nachfrage, erleichtertem Ausstieg und Rückgang von Menschenhandel. In Schweden halbierte sich die Straßenprostitution bis 2008. Dänemark hatte zehnmal mehr Prostituierte, obwohl es weniger Einwohner hat. 2008 arbeiteten in Schweden nur noch ca. 600–1.000 Frauen in der Prostitution – zwei Drittel weniger als zuvor.

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                  Ein paar nächtliche Gedanken kurz vor Ostern

                    Vor einiger Zeit habe ich mich der aufsuchenden Arbeit eines Vereins in meiner Stadt angeschlossen. Das bedeutet, ich gehe mit in die Bordelle. Wir bringen den Frauen kleine Geschenke mit, schwatzen ein bisschen mit ihnen, geben ihnen Kärtchen des Vereins, damit sie wissen, an wen sie sich wenden können, falls sie Hilfe brauchen.


                    Davor, in die Bordelle zu gehen, hatte ich lange Hemmungen. Angst, dass blöde Erinnerungen hochkommen. Aber mir war auch der Gedanke unangenehm, vor einer halbnackten Frau zu stehen, ich angezogen, sie in der Prostitution, ich nicht (mehr)… und wie verhält man sich da, „auf der anderen Seite“? Wäre ich die halbnackte Frau im Puff, wüsste ich zumindest, welche Rolle ich zu spielen hätte.

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