Wenn es um Prostitution geht, wird diese häufig mit genau diesem Argument verteidigt.
Hinter dieser „Logik“ steht die sogenannte „Dampfkesseltheorie“. Diese besagt, wenn Männer sexuell nicht genügend zum Zuge kämen, müssten sie vergewaltigen, da ihr Trieb nicht beherrschbar sei und unbedingt ausgelebt werden müsse.
Bemerkenswert ist dabei zunächst, dass Männer hier als Wesen gezeichnet werden, die sich nicht beherrschen können, und die jederzeit Gewalttaten ausüben können, ja, vielleicht sogar müssen, wenn sie lange genug keinen Sex hatten. Das ist ein Männerbild, das demütigend ist. Lustigerweise bemerken viele Männer, die Prostitution mit diesem Argument der angeblich steigenden Vergewaltigungen verteidigen, gar nicht, dass sie sich selbst damit als unbeherrschte Wesen zeichnen, als Gewalttäter und unregulierbar. Weist man sie daraufhin („Du würdest also vergewaltigen, wenn Du sonst keinen Sex bekämst?“), sind sie empört und weisen dies von sich. Es seien „die anderen Männer“, die dies täten und vor denen man die Frauen schützen müsse. Anscheinend bemerken sie nicht, dass sie damit zugeben, sich selbst auch nicht für einen richtigen Mann zu halten.
Es bleibt auch die Frage, wieso Männer weiterhin draußen frei rumlaufen dürfen, wenn sie ihren Trieb und ihre Aggression nicht im Griff haben. Dann dürften sie weder verantwortungsvolle Posten übernehmen (Männer raus aus der Politik!) noch irgendwo allein mit einer Frau sein, nur für den Fall, dass… Am besten auch Ausgangssperre ab 18 Uhr.
Aber zurück zur Dampfkesseltheorie. Diese wurde bereits mehrfach widerlegt. Denn: Vergewaltigung ist keine sexuell motivierte Handlung, die aggressiv durchgeführt wird, sondern sie ist eine Aggression, die mit sexuellen Mitteln durchgeführt wird. Anders ausgedrückt: Es geht bei Vergewaltigung nicht um Sex, der erzwungen wird, sondern es geht um Gewalt, die aber sexuell ausgedrückt wird.
Das bedeutet konkret: Nein, Männer MÜSSEN nicht vergewaltigen, wenn sie lange keinen Sex hatten. (Überraschung.) Vergewaltigungen geschehen nicht, weil Männer sie ausüben MÜSSEN (weil wegen zu lange kein Sex), sondern weil Vergewaltiger sie ausüben WOLLEN. Zu vergewaltigen ist nichts, das „über einen kommt“, sondern es ist eine Entscheidung.
Was bedeutet das jetzt für Prostitution? Erstens, nein, wenn man Prostitution abschafft, gibt es nicht „mehr Vergewaltigungen“, denn wie gerade erläutert, haben Sex und Vergewaltigungen nicht so viel miteinander zu tun und zweitens, nein, wenn man Prostitution abschafft, gibt es auch deswegen nicht mehr Vergewaltigungen, weil Prostitution ja Vergewaltigung IST, nämlich Verkehr, bei dem kein Konsens hergestellt werden kann – und wenn man bezahlte Vergewaltigung abschafft, gibt es nicht „mehr“ Vergewaltigungen, sondern weniger. Das ist Mathe.
Aber immerhin geben die Rufer des Spruchs „Wenn wir Prostitution abschaffen, gibt es mehr Vergewaltigungen!“ damit, wenn auch unfreiwillig, eines zu: dass sie Prostitution selbst für Vergewaltigung halten. Und zumindest damit haben sie Recht.
© Huschke Mau