One Billion Rising 2019 – Sprengt die Ketten!

    Gestern, am 14. Februar, habe ich als Prostitutionsaussteigerin bei One Billion Rising München sprechen dürfen. Das hat mich sehr gefreut, denn wenn es gegen Gewalt gegen Frauen geht, wird die Prostitution oft nicht erwähnt. Im Gegenteil, in Deutschland wird sie oft noch immer als “körperliche Liebe” oder “sexuelle Dienstleistung” bezeichnet. Dabei ist Prostitution das Gegenteil sexueller Selbstbestimmung: der eine Part will Sex, der andere nicht – Geld soll das regeln.
    Die Zustimmung der prostituierten Frau erfolgt zum Geld, nicht zum Sex. Der Sex bleibt ungewollt. Und ungewollter Sex ist Missbrauch, Vergewaltigung.
    KONSENS KANN NICHT ERKAUFT WERDEN.

    Prostitution ENTSTEHT aus Gewalt, denkt doch an all die Frauen, die in der Prostitution sind, und die als Kind missbraucht worden oder später vergewaltigt oder zur Prostitution gezwungen worden sind.
    Prostitution IST Gewalt, denn ein NEIN kann nicht wegbezahlt werden.
    Prostitution FÜHRT ZU Gewalt, über 80 Morde an prostiuierten Frauen seit 2002 allein in Deutschland.

    Aber Prostitution schadet nicht nur UNS prostituierten Frauen, die wir Traumata davontragen, sie schadet auch EUCH nichtprostituierten Frauen, die ihr das Frauenbild, das eure Brüder, Väter, Partner und Kollegen aus den Bordellen mitnehmen, ausbaden müsst (immerhin 1,2 Millionen Männer gehen pro Tag in Deutschland ins Bordell) und sie schadet DER GESELLSCHAFT, denn es gibt keine Freiheit, wo ein Geschlecht das andere kaufen kann. Deswegen geht Prostitution auch alle an!

    Prostitution ist sexistisch, rassistisch und klassistisch, und die Frage steht im Raum, wozu wir denn bitte eine sexistische, rassistische und klassistische Institution brauchen. So eine Institution gehört ABGESCHAFFT!

    Wir prostituierten Frauen fordern das gesetzlich verbriefte RECHT auf Ausstieg (9 von 10 wollen sofort aussteigen, aber sie können nicht), wir fordern das RECHT, überleben zu können, ohne uns zu prostituieren und das RECHT auf ein Leben ohne Gewalt!

    Ich fordere euch alle auf, seid solidarisch, informiert euch, schaut hin! Kommerzialisierter sexueller Missbrauch darf nicht länger als Arbeit definiert werden!

    Es geht für Prostituierte, aber gegen Prostitution!

    Keine Frau soll Gewalt aushalten müssen, und kein Mann soll Gewalt ausüben dürfen, AUCH NICHT, WENN ER DAFÜR BEZAHLT!

    Sprengt die Ketten!

    (c) Huschke Mau

    Ein Donnerstagnachmittag im Puff

    Der Text ist zuerst bei den Störenfriedas (hier) erschienen.

     

    Dieser Text ist ein Tagebucheintrag aus dem Jahr 2005, als Huschke noch gar nicht Huschke hieß, sondern als SvenjaoderCharlotteoderwieauchimmer im Puff rumsaß.

    Warum gestern dieser Zusammenbruch, dieses totale Absacken und Aufgeben?

    Vielleicht kann ich diesen Job nicht mehr machen, vielleicht halte ich es jetzt schon nicht mehr aus, dass dieses verlogene System existiert, wo alte, geile Männer junge Mädels ficken, ja, sich richtiggehend zurechtzüchten – denn so wie früher „geschändete“ oder „gefallene“ Mädchen in die Prostitution gegeben wurden (gängige Praxis im Mittelalter – und danach auch noch, einmal „entehrt“ kommts ja nicht mehr drauf an) – so werden auch jetzt Töchter von ihren Vätern, Brüdern, Großvätern und Onkeln missbraucht und steigen danach folgerichtig in diese Branche ein und werden weiterhin behandelt wie Dreck, kriminalisiert, diskriminiert und missbraucht.

    An meiner Notlage, an der ich eine Teilschuld auch dem deutschen Staat zuschiebe, der es eben nicht für nötig hält, missbrauchten, misshandelten, „asozialen“ Kindern eine Chance, eine zweite wenigstens, wenn die Startbedingungen an denen Kinder nunmal nichts ändern können schon so beschissen war, zu geben, an dieser Notlage jedenfalls verdienen gleich mehrere Männer und patriarchale Systeme: meine Freier, mein Zuhälter und der deutsche Staat. Ich wurde benutzt und rausgeschmissen aus der Gesellschaft, als sei es meine Schuld gewesen, dass ich misshandelt wurde, und jetzt stehe ich im Abseitsjeder kann mit mir tun was er will, scheinbar kann mich jeder, der es nur will, ficken, naja, nicht mehr ganz jeder, jetzt nur noch die, die zahlen, und am liebsten hätten sie es ja, würde ich ihnen endlich alle Löcher zur Verfügung stellen, und daran verdienen die Herren vom Finanzamt ja gerne auch noch was, nicht wahr, mal abgesehen vom Zuhälter, dem ich sein Haus, seinen Jeep, seine S-Klasse erficke, während auch er mich freilich ficken kann, wenn er will, selbstredend, siehe sein Umgang auch mit meiner Kollegin, die ihm gegenüber nicht nein sagen darf sonst krachts.

    Und auch der Freier hat viel davon, doch nimmt er sich zuweilen noch viel mehr heraus als er eigentlich darf, aber mein Gott, was soll man schon nicht dürfen mit einer, die so viele Schwänze lutscht, mit einer, die nach Freierlogik ja demzufolge den ganzen Tag geil sein muss, und auch dafür müsste man sie bestrafen, wahrscheinlich braucht sie es nur mal wieder so richtig besorgt.

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