Wenn Freier einen darüber belehren, wie Prostitution wirklich ist…

    Ich als Exprostituierte, die sich für die Einführung der Freierbestrafung in Deutschland einsetzt und die offen darüber spricht, wie Prostitution so ist, bekomme andauernd Zuschriften von Freiern, die mich davon überzeugen wollen, dass es „nicht so ist“, wie ich es erlebt habe. Eigentlich veröffentliche ich die nicht, aber heute habe ich mich doch mal dazu entschlossen, damit ihr mal einen Einblick bekommt in die Art, wie Freier denken. Geschrieben hat mir einer aus der Kategorie, die wir im Bordell „Liebeskasper“ genannt haben. Er ist einer von den “netten Freiern”. Aber ist er deswegen harmlos?

    Das hier ist seine Mail:

    Betrachtet man diese seine Zuschrift analytisch, kann man folgendes feststellen:

    1. Er ist davon überzeugt, dass er anders ist. Nicht so schlimm wie die anderen.

    2. Eigentlich findet er es schlimm, Sex zu kaufen. Damit heuchelt er, ein Gewissen zu haben (als würde das etwas besser machen, wenn man weiss, dass etwas schlimm ist und man tut es trotzdem).Nur wenn ER es tut, dann ist es nicht so schlimm.

    3. Und ja, er findet, Prostitution ist Missbrauch. Aber er missbraucht nur ein kleines bisschen, denn er penetriert die Frau nicht, er lässt sich „nur“ einen runterholen. Das sei etwas, was er noch mit sich vereinbaren könne. Ein kleines bisschen Missbrauch, noch dazu von etwas ganz besonderem wie IHM, ist also okay.

    4. Er behauptet, dieser Frau gutzutun: mit langen Gesprächen, mit Massagen, indem er „auf ihre Wünsche eingeht“. Und er bemerkt nicht oder will nicht bemerken, dass er damit nur versucht, noch mehr aus dieser Frau rauszuholen als andere Freier: mit den Gesprächen versucht er, in ihre Privatssphäre einzudringen, sie muss Extraarbeit leisten (emotionale und psychische), indem sie sich auf ihn einstellt, ihm Sachen von sich verrät, damit er sich weiter „besonders“ fühlen kann, denn das ist, was er hier kauft. Sie muss ertragen, endlos von ihm gestreichelt, massiert, abgeleckt zu werden und sie muss vorgeben, dies seien ihre Wünsche, wo ihr einziger Wunsch wahrscheinlich doch ist, dass er geht (und sie nicht anfasst). Das ist auch Extraarbeit: noch so tun zu müssen, als gefiele es einem, 2 Stunden lang den Ekel, die Abscheu wegdrücken, lächeln, „ach du tust mir so gut, du bist so anders“ usw.

    5. Er bringt ihr Geschenke mit und glaubt, damit nicht so schlimm zu sein wie andere Freier, aber meint hier irgendwer, diese Geschenke mache er ihr selbstlos?

    6. Er nutzt ihre wirtschaftliche Lage aus, in dem er vorgibt, aus Gewissensgründen nicht mehr zu ihr kommen zu können, und holt sich so über Erpressung eine Bestätigung für sein Ego ab: er sei ihr „liebster Kunde“, habe sie ihm gesagt, „ein Lichtblick“. Er weiss genau, dass sie das Geld nötig hat, und das nutzt er, um sie sagen zu lassen, er sei doch nicht so schlimm wie die anderen. Danach kann er sagen, sie habe es ja so gewollt, unter Tränen habe sie ihn angefleht, nicht wegzubleiben. Ist das widerlich oder ist das widerlich?

    7. Wenn sie ihm wirklich so Leid tut und er der Samariter ist, als der er sich hier ausgibt, warum gibt er ihr dann nicht einfach das Geld und geht wieder? Aber nein, er missbraucht sie 2 Stunden lang, lässt sie noch emotionale und psychische Arbeit verrichten, indem er sie sein Ego und Selbstbild streicheln lässt und indem er sie aus purer Not sagen lässt, er müsse doch kein schlechtes Gewissen haben.

    8. Er hofft, dass sie aussteigt, weil „die anderen Freier“ ja so schlimm sind und sie kaputt machen. (Er natürlich nicht.) Und für den Fall, dass sie aussteigt, hat er ihr auch gleich seine private Nummer gegeben, damit er ihr dann „helfen“ kann. Er lässt sich versichern, dass sie ihn danach weitertreffen wird. Und er glaubt natürlich: ohne Kohle. Sprich: er denkt, er könne sich hier seine eigene kleine Privathure aus dem Bordell holen, natürlich kostenlos.

    9. Und so kommt er, der einer der schlimmsten Blutsauger unter den Freiern ist, zu dem Schluss: „Ich weiß, dass ich mit dem was ich tue auch zur Unterstützung der Prostitution beitrage und das ist schlecht.Trotzdem schäme ich mich dafür nicht, weil ich die Spanierin in einer schlimmen Gesamtsituation unterstütze und sie als das behandle was sie ist.Nämlich eine wundervolle Frau und ein wertvoller Mensch.“

    Dabei sollte er sich sehr wohl was schämen. Auch die Tatsache, dass er mir seitenweise Ergüsse schreibt, ist der Versuch, sich von mir emotionale Arbeit zur Aufrechterhaltung seines Selbstbildes zu erschleichen. Plus, glaubt eigentlich irgendwer, es sei cool, wildfremde Frauen mit ungebeten eingesandten detaillierten Schilderungen von „Streichelsex“ beeindrucken zu können? Was ist das anderes als ein Penisbild in Schriftform?
    Also hier, bitte schön, die Zuschrift von heute Nacht. Lest es euch durch und fragt euch, ob es auch harmlose Freier gibt. Oder teilt es und fragt eure Bekannten, die bisher der Meinung waren, es gäbe doch auch nette Freier, ob sie die jetzt immer noch so furchtbar NETT finden.

    Freiwilligkeit und Prostitution

      Als Exprostituierte bin ich oft müde davon, zum hundertsten Mal ausdiskutieren zu müssen, ob Prostitution freiwillig ist. Denn die Frage nach dem Existenzrecht von Prostitution hängt nicht davon ab, ob es irgendwo eine gibt, die es “freiwillig” macht.

      Wir brauchen mehr politische Analyse und weniger Fokusverschiebung auf die, die durch die Prostitution in der handlungsbeschränkteren Lage sind (das sind wir prostituierten Frauen). Prostitution wird nicht dadurch okay, dass irgendwo irgendeine sagt, dass sie es “freiwillig” tut, genauso wenig, wie partnerschaftliche Gewalt dadurch okay wird, dass eine Frau “freiwillig” bei ihrem schlagenden Mann bleibt.

      Diese Konzentration auf das “ja” der Frau erinnert an Victimblaming. Wir brauchen mehr politische Analyse, wir brauchen einen Blick darauf, in welchen UMSTÄNDEN das “JA” gegeben wurde, und dann sehen wir: Ein “Ja”, das gegeben wird, weil ein “Nein” hiesse, negative Konsequenzen zu tragen (nichts zu essen, kein Geld für die Miete, Schläge) kann kein Konsens sein.
      Abgesehen von der politischen Analyse fehlt mir auch oft der Blick auf die Freier. Warum wird andauernd das Verhalten derer, die sich prostituieren, kritisiert und zum 100. Mal durchgekaut? Wir sind doch schon lange an dem Punkt, an dem wir wissen, was Frauen dazu bringt, sich zu prostituieren.
      Drehen wir doch den Spieß mal um und betrachten die Freier. Während man einer Frau sehr wohl zugestehen muss, dass sie mit ihrem Körper machen kann, was sie will (oder muss, um zu überleben), kann man einem Menschen wohl kaum genehmigen, mit dem Körper eines anderen zu tun, was er will – das sind nämlich zwei verschiedene Paar Schuhe.

      Ist es okay, alles zu tun, um das eigene Überleben zu sichern, ist es okay, mit seinem eigenen Körper zu tun, was man möchte? Klares Ja.
      Ist es okay, sich sexuellen Zugang zum Körper einer anderen Person zu kaufen? Klares Nein.
      Das Main Echo hat mit einigen Freiern gesprochen und ich bin froh, dass sie der Freiersicht Raum gegeben haben. Die Interviews mit ihnen machen klar: Freier gehen zu Prostituierten,

      – weil sie es mögen, dass Frauen dort nicht nein sagen (können) und dass sie verfügbar sind (sein müssen)

      – weil sie es mögen, dass die Frauen dort ihre Grenzen nicht wahren dürfen (ein Freier z.B. bezeichnet alle deutschen Prostituierten als “Abzockerinnen”, bei denen es viel kostet und man wenig bekommt – es sollte also am besten auch noch kaum was kosten)

      – weil sie so mit anderen Männern “bonden” können, sich ihrer Zugehörigkeit zur privilegierten Gruppe sichern, sich ihrer (überlegenen) Männlichkeit versichern können, indem sie Frauen als Gruppe abwerten

      – weil sie Frauen in der Prostitution nicht wie Menschen behandeln müssen (“einfach mal das primitive Schwein raushängen lassen”, “Die Prostituierten müssen für mich Deutsch reden können. Aber ob sie freiwillig dort sind, das interessiert mich nicht. Da bin ich kalt.”,”Ob die Frauen freiwillig im Bordell sind, hat für mich eigentlich keine Rolle gespielt, solange sie leidenschaftlich dabei war.”)

      – weil der pornographisierte Sex, der üblich ist ausserhalb des Bordells und in dem alles auf die Bedürfnisse des Mannes konzentriert ist bei gleichzeitiger Lust an der Demütigung und Abwertung von Frauen, im Prinzip dasselbe ist wie das, was man im Puff bekommt (“Eigentlich merkt man gar keinen Unterschied, wenn man zu einer Prostituierten geht.”)

      Dass Sex Geld kostet, führt leider nicht dazu, dass Männer diesen Sex (der ja komplett auf allein ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist) dann mehr wertschätzen, im Gegenteil, es geht auf Kosten des Subjektstatus von Frauen.
      Der Blick des Freiers auf Frauen in der Prostitution und damit auf alle Frauen ist einer, der nur auf den sexuellen Nutzwert der Person, die gar nicht mehr als Person begriffen wird, ausgerichtet ist.
      Schauen wir uns mehr die Freier an! Hören wir ihnen zu! Dann wissen wir, was Prostitution ist – und warum Freiertum verboten gehört.

      Sperrbezirke

        In Deutschland ist es ja so, dass Prostitution legal ist, aber nicht entkriminalisiert. Verkürzt bedeutet das, es ist erlaubt, sich zu prostituieren, aber es gibt so viele Regeln, die dabei einzuhalten sind, dass es fast unmöglich ist, keine davon zu brechen.
        Was ganz klar sein muss, ist, dass die Forderung nach der Entkriminalisierung prostituierter Frauen eine Kernforderung des Abolitionismus ist. Strafen, Bussgelder, Regeln, die wir nicht einhalten können, helfen uns kein Stück und sorgen nur dafür, dass sich der Staat an dem Geld, das wir mühsam ervögeln, noch bereichert.
        Klar ist: Wenn es Sperrbezirke gibt, dann sollen die gegen die Verstöße zahlen, die Prostitution nachfragen. Und das geht, die Gesetze kann man so auslegen, dass die Freier zur Kasse gebeten werden, und nicht wir.
        Aber braucht es Sperrbezirke überhaupt?

        Ich kann verstehen, dass es Orte gibt, an denen Prostitution nicht stattfinden sollte. Kindergärten, Schulen… Freier, die Schulmädchen ansprechen (und das tun sie), braucht kein Mensch.
        Ausserdem sorgt die Tatsache, dass es Sperrbezirke gibt, dafür, dass Prostitution eben nicht überall stattfinden kann, nicht überall sichtbar ist und damit auch nicht normalisiert wird.
        Aber bringt das was, wenn sie gleichzeitig weiter stattfindet?
        Haben wir Frauen dadurch eine Option mehr bekommen, oder geht es nur darum, uns zu verdrängen?
        Ich habe immer gemischte Gefühle, wenn eine Stadt mal wieder feiert, dass sie einen Sperrbezirk durchgesetzt hat. Denn einerseits ist es ein ehrenwertes Motiv, zu sagen: „Wir finden Prostitution nicht normal, wir finden sie frauenverachtend, wir wollen das nicht.“
        Andererseits ändern Sperrbezirke nichts an der Realität, dass es Prostitution gibt.
        Keine Frau kann dadurch, dass es einen Sperrbezirk gibt, aussteigen.
        Das heisst, wir prostituieren uns weiter, oft, weil wir müssen, nur eben nicht mehr dort, wo jetzt der Sperrbezirk ist.
        Und das bedeutet unter Umständen: dort, wo es unsicherer ist. Im Gewerbegebiet, am Stadtrand, im Wald…
        Einerseits ist die Gefahr, vergewaltigt, umgebracht oder geschlagen zu werden, in Wohnungsbordellen, bei Haus- und Hotelbesuchen oder eben am Stadtrand nicht unbedingt kleiner. Andererseits ist es halt schon ein besseres Gefühl, wenn man schon anschaffen und mit potentiell gewalttätigen Freiern umgehen muss, es dann wo zu tun, wo noch andere Leute sind – in einem Hotel z.B.
        Oder auf dem Parkplatz neben dem Strich.

        Aber jetzt mal alle Sicherheitsmassnahmen, die wir prostituierten Frauen treffen (Kennzeichen aufschreiben, bei einem Hausbesuch einer Freundin die Adresse weitergeben,…) beiseite:

        Hat eine Gesellschaft, die duldet, dass Frauen sich prostituieren müssen um zu überleben, ja, die das sogar fördert und davon profitiert, ein Recht, eben diese Prostitution nicht sehen zu müssen?

        Es ist doch genau diese Doppelmoral, seit Jahrhunderten: Es gibt Prostitution und all die „ehrenwerten“ Männer nutzen sie, und das ist okay, aber die Prostitution selbst darf nicht sichtbar sein, und die prostituierten Frauen sind pfui Spinne.
        Wie ist das mit geschützten Räumen für prostituierte Frauen?
        (Mal abgesehen davon, dass Prostitution niemals sicher und ausserdem ein Übergriff an sich ist.)
        Oftmals werden Strassenstrichs und altgediente Prostitutionsorte aufgelöst. Dafür wird dann im Gewerbegebiet ein Laufhaus oder ein Eroscenter hingebaut.
        Das wollen viele von uns aber gar nicht, weil es das reinste Konkurrenzspektakel ist, weil wir weniger Verhandlungsfreiheit haben, mehr Vorschriften, weil wir dort weniger vom Geld behalten können. Es beschränkt uns noch mehr in der Prostitution, in der ja bekanntermassen die Wahl-, Entscheidungs- und Handlungsfreiheit eh nicht riesengroß ist.

        Andererseits, Prostitution einen Ort zuzuweisen, das ist auch problematisch. Wie beim Dortmunder Strassenstrich, an dem man Verrichtungsboxen aufstellte, und plötzlich wurde er zum größten Strich Europas, massenweise wurde südosteuropäische Frauen hingekarrt, weil ihre „Freunde“, Männer, Zuhälter befanden, da sei es legal und geregelt und das wäre doch auch mal eine Idee, dort eine Frau hinzustellen.

        Geschützte, zugewiesene Orte entwickeln also immer auch eine Sogkraft hinsichtlich Zuhälterei und Menschenhandel, und sie geben Freiern auch das Signal: es ist okay, was du tust, es ist hier ausdrücklich erlaubt.
        Wie also umgehen mit der Sichtbarkeit von und dem Schutz von Frauen in der Prostitution, ohne Prostitution zu normalisieren und zu akzeptieren?
        Sperrbezirke ja oder nein, und unter welchen Bedingungen, und warum seht ihr das, wie ihr es seht, aus welcher Position sprecht ihr?

        Es geht mir nicht um die Forderung nach dem Nordischen Modell, ihr wisst ja, dass ich mich dafür einsetze. Im Nordischen Modell werden Freier bestraft, und das ist auch richtig so. Das bedeutet, im ganzen Land ist sozusagen ein Sperrbezirk eingerichtet, und zur Verantwortung gezogen werden die Freier. Wichtig ist, dass wir bedenken, dass das NM aus 5 Säulen besteht und dass alle durchgesetzt werden müssen, das heisst, die Freier werden bestraft, gleichzeitig wird der Frau aber ein Hilfsangebot gemacht und sie hat ein Recht auf einen Ausstiegsplatz, also eine Möglichkeit, sich nicht weiter prostituieren zu müssen. Ohne das geht es nicht!

        Amnesty International und die Prostitution

        Gestern fand eine Veranstaltung im Leipziger Museum der Bildenden Künste statt, bei der wir Frauen vom Netzwerk Ella über Prostitution gesprochen haben. Dagegen wurde bereits im Vorfeld protestiert.

        Weil es anscheinend UNMÖGLICH und UNERTRÄGLICH ist, wenn prostituierte Frauen über Prostitution reden. Geht ja wirklich gar nicht!

        Eine Gruppe, die bei den Protestierenden (Berufsverband erotische und sexueller Dienstleistungen usw) dabei war, war AMNESTY.

        Amnesty möchte anscheinend nicht, dass Betroffene sprechen.

        Das wundert uns nicht, hat Amnesty uns Frauen in der Prostitution doch schon vor Jahren unter den Bus geworfen, als sie forderten, “Sexarbeit” komplett zu entkriminalisieren und damit EXPLIZIT AUCH FREIERTUM, MENSCHENHANDEL UND ZUHÄLTEREI MEINTEN.

        Begründet haben sie das damit, dass jeder Mensch ein Recht auf Sex hätte und dass es DISKRIMINIERUNG wäre, Männern zu verbieten, sich diesen zu kaufen.

        Für uns hingegen ist klar: es gibt ein Recht auf die eigene Sexualität, aber es gibt kein Recht, jemanden dafür zur Verfügung gestellt zu bekommen.

        Und: wer dafür ist, dass Freier, Zuhälter und Menschenhändler straffrei bleiben, der ist nicht FÜR uns Prostituierte, sondern GEGEN UNS.

        Auch die Wortmeldungen heute sehen wir kritisch. So wurde uns heute von einer “Forscherin” attestiert, wir seien “viel zu enotional”. Unterton: “Ihr seid ja voll die Opfer, ihr könnt nur rumheulen, aber ich, ich kann ja denken.”

        Überraschung! Wir können das auch! (Und einige von uns sind übrigens auch selber Forscherinnen.) Der Vorwurf, Frauen seien zu “emotional”, ist altbekannt patriarchal. Ihr beschwert euch, wir würden hier “auf Opfer machen”, aber ihr seid es, die uns reduzieren auf unsere Opfergeschichte, ihr seid es, die damit sagen, wir seien ja nur Nutten, unfähig, zu denken oder eine politische Analyse zu betreiben. Das ist frauenverachtend ohne Ende, wundert uns aber nicht.

        Zum Schluss natürlich noch der Vorwurf, wir seien Rassistinnen, weil wir angesprochen haben, unter welchen BEDINGUNGEN Frauen aus den ärmsten Ländern Europas hier anschaffen müssen.

        Die ZUSTÄNDE sind rassistisch, und wir kritisieren sie – von euch dazu kein Ton. Nur das AUSSPRECHEN der Kritik stört euch. Was hier in Deutschland stattfindet, ist übelster Kolonialismus. Südosteuropäische Frauen dürfen unseren Männern hier die Schwänze lutschen, um zu überleben. Von euch dazu KEIN TON. Aber diesen Missstand zu benennen ist dann rassistisch? Kommt mal wieder klar!

        Wir wundern uns nicht über euch. Aber wir wundern uns, dass ihr euch immer noch Menschenrechtsorganisation nennt. Seid doch wenigstens ehrlich und bezeichnet euch künftig als FREIERUNDZUHÄLTERRECHTSORGANISATION.

        Ihr habt hier dagegen protestiert, dass Prostituierte über Prostitution sprechen. Amnesty hat für uns jede Glaubwürdigkeit verloren.

        Fick Dich, Amnesty!

        (Huschke)

        Rote Overknees

          Diesen Samstag werden meine Kolleginnen vom Netzwerk Ella und ich im Museum der Bildenden Künste Leipzig darüber sprechen, warum Prostitution Gewalt ist. Anlass ist Yoko Onos Ausstellung zu Gewalt gegen Frauen. Mehrere von uns exprostituierten Frauen haben Gegenstände eingereicht, die als Ausstellungsobjekt zu sehen sein werden. Ich habe meine roten Overknees hergegeben, in meiner Zeit in der Prostitution habe ich sie oft getragen, jetzt werden sie dort zu sehen sein.
          Das ist mein Text dazu.

          Der Name, den ich mir gegeben habe, um zu sprechen, ist Huschke.
          „Huschke“ ist ostpreussischer Dialekt und bedeutet „eine Frau, die nicht richtig da ist“. Mein “Nachname” war ein Vorschlag meines Katerchens. Auf kurdisch heisst „Huschke Mau“ „meine Schwester“.

          Ich habe mehrere Geschwister. Als Kinder haben wir von Anfang an extreme Gewalt durch meinen Stiefvater erlebt. Er hat uns mehrfach fast totgeprügelt. Fast jeden Tag war irgendwas. Manchmal musste ich stundenlang nackt strammstehen und mich anschreien lassen. Oder er hat vorgegeben, mich ertränken zu wollen und sehr lange meinen Kopf unter Wasser gedrückt. Er hat auch mehrfach versucht, uns alle in einer Amokfahrt mit dem Auto umzubringen. Wie sich das angehört hat, wenn meine Mutter von ihm vergewaltigt wurde, weiss ich noch genau.

          Ab der Pubertät hat sich mein Stiefvater mir dann auch sexuell genähert. Daran kann ich mich aber nicht gut erinnern. Mit 17 bin ich von Zuhause weggelaufen. Zuerst war ich in einer Mädchenzuflucht, aber dann nicht mehr. Da ich allein und arm war und weder Support noch Selbstbewusstsein hatte, habe ich angefangen, mich zu prostituieren, um irgendwie an Geld zu kommen. Die Ämter waren mit meinem Fall ja überfordert und haben für alles ewig gebraucht.
          Dann habe ich einen Polizisten kennengelernt, er hat mir gezeigt, wie das „richtig“ geht, sich zu prostituieren. Es hat nicht lange gedauert, und ich war alkohol- und drogenabhängig und hab bei Bekannten geschlafen. Suizidgedanken und selbstverletzendes Verhalten kenne ich schon seit meiner Kindheit.

          Ich habe trotzdem nebenbei mein Studium geschafft und bin jetzt Doktorandin.
          Aber es hat mehr als 10 Jahre gebraucht, aus der Prostitution wieder richtig rauszukommen. Geholfen hat mir dabei mein Katerchen. Ohne ihn hätte ich irgendwann hingeschmissen.

          Das hier sind rote Overknees, ein Stammfreier hat sie mir geschenkt. Ich fand sie immer unfassbar klischeehaft, aber ich habe sofort begriffen, was mir der Freier damit sagen will: du bist nur eine Nutte, du bist nur zum ficken gut, du bist nur für mich da, und nur für das eine. Sonst bist du nix.
          Das hat mein Stiefvater auch immer gesagt. Erst mit Ende 20 habe ich erfahren dürfen, dass ich vielleicht noch was anderes bin und kann als die Ficke zu sein. (Aber manchmal zweifle ich noch daran.)

          Mein Stiefvater war vermutlich auch Freier. Er hat mehrmals so Andeutungen gemacht. Und er hat auch mehrmals gesagt, ich gehöre ihm und er würde mich gern mal an seine Freunde „ausleihen“. Das wäre sein Recht. Er hat mich geprägt und hat vorgezeichnet, wo ich mal landen werde.

          Prostitution ist die Ursache von Gewalt. Mein Stiefvater war sehr wahrscheinlich Frauenkäufer und damit Frauenhasser und hat an uns seinen Hass abgeladen und uns auf sexuelle Benutzung reduziert.

          Prostitution ist die Konsequenz von Gewalt. Denn all meine Freier haben profitiert davon, dass mein Stiefvater mich schon vorher gebrochen hat.

          Und Prostitution ist selbst auch Gewalt. Manchmal habe ich Freier von mir runterschubsen müssen, weil sie mich so an das erinnert haben, was mein Steifvater mit mir gemacht hat. Wenn das passiert ist, hab ich immer keine Luft mehr bekommen.

          Manchmal hab ich diese Erstickungsanfälle heute noch.
          Die ÄrztInnen sagen, da is nix.
          Aber ich als Frau weiss, wir sind umgeben und betroffen von so viel Gewalt, dass man da gar nicht hindurchatmen kann.

          // Huschke Mau, Mai 2019

          Warum ist Prostitution Gewalt? Eine Reflexion bzgl. des heutigen Internationalen Hurentages

          Frauen in der Prostitution sind erheblicher Gewalt ausgesetzt. Alle Frauen sind das, aber wir sind eine besondere Zielgruppe dafür. Ich möchte heute nicht von der Gewalt „drumherum“ reden, von den über 80 Morden an prostituierten Frauen in Deutschland seit 2002, von all den ungezählten und unangezeigten Vergewaltigungen, Übergriffen, Bedrohungen.

          Sondern heute möchte ich darüber sprechen, warum Prostitution an sich Gewalt ist.

          Prostitution ist Gewalt, weil das JA, das wir prostituierte Frauen zum sexuellen Akt geben, eigentlich nicht den sexuellen Akt betrifft. Es betrifft nur das Geld. Es ist ein „Ja“ zum Geld, das wir brauchen, es bleibt ein „Nein“ zum Sex. Der Sex an sich ist nicht gewollt. Wir nehmen ihn „in Kauf“ – daher kommt dieser Begriff auch, „etwas in Kauf nehmen“. Du kaufst etwas, ich will es nicht, muss es aber dulden.

          Wir reden in Deutschland seit Jahren über Konsens. Darüber, dass Sex ein enthusiastisches JA! Von beiden Seiten braucht. Darüber, dass ein „Ich mag eigentlich nicht, aber mach halt“, ein „Ja“ aus Angst, ein erpresstes „Ja“, ein „ich dulde es“ oder ein Zustand, in dem weder nein noch ja gesagt werden kann (z.B. durch Ohnmacht, Intoxikation, Betrunkensein) nicht ausreicht, um von einem gegebenen Konsens sprechen zu können. Die sexuellen „ehelichen Pflichten“, vormals im Gesetz verankert und mit dem Zusatz versehen, die Frau habe den Mann dabei gefälligst nicht merken zu lassen, dass sie ihn lediglich erduldet, wurde aus dem Gesetzbuch gestrichen. Wir sind der Meinung, dass keine Frau Sex erdulden muss, den sie eigentlich nicht möchte.

          Warum sollte das anders sein, nur weil ein Geldschein die Hände wechselt?

          Finden wir, dass es Frauen zumutbar ist, Sex zu erdulden, den sie eigentlich nicht möchten, ja oder nein? Das ist die Frage.

          Immer wieder kommt dann das „Argument“, Prostitution sei halt Sexarbeit, und wie bei jeder Arbeit käme es halt vor, dass man sie manchmal nicht gerne macht. Arbeit an sich sei ja schon Zwang. Ich stimme zu, dass Arbeit unter kapitalistischen Bedingungen Zwang ist, aber was bedeutet das dann für Prostitution, also für „Sexarbeit“? Das ist dann halt Sex unter Zwang. Und das sollen wir dann okay finden, nur weil andere Leute unter kapitalistischen Bedingungen zu anderen Dingen gezwungen sind, z.B., Arbeiten zu verrichten, die sie eigentlich ablehnen? Das ist kein Argument, zu sagen, Sex unter Zwang ist okay, weil, andere stehen zwangsweise an der Nähmaschine oder am Fliessband. Das eine Unrecht macht das andere nicht wett. Es ist dies ein reines Ablenkungsmanöver. Davon mal abgesehen lässt sich daran eben gut zeigen, dass Prostitution eben keine „SexARBEIT“ ist: denn Arbeit unter Zwang wäre Zangsarbeit, aber Sex unter Zwang kann niemals Zwangsarbeit sein, er ist immer sexueller Missbrauch, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung.

          „Ja, aber wenn sie es doch freiwillig macht!“, kommt dann natürlich. Aber wozu ist es für die Frage, ob Prostitution an sich Gewalt ist, relevant, ob die Frau sich dieser Situation „freiwillig“ aussetzt? Entweder Prostitution ist Gewalt, oder sie ist keine Gewalt. Betrachten wir sie als Gewalt, ist es unerheblich, ob die Frau „freiwillig“ die Gewalt erduldet. Es ändert nicht unsere Definition von Gewalt, genauso, wie es nicht unsere Definition von partnerschaftlicher Gewalt ändern würde, wenn wir sehen, dass eine Frau „freiwillig“ bei ihrem schlagenden Partner bleibt. Die „Freiwilligkeit“ ist ein Strohmannargument, denn für die Definition von Gewalt ist nicht das individuelle Befinden der empfangenden Person als Massstab anzulegen, sondern eine  objektive Definition. Legen wir nämlich das Empfinden der betreffenden Person als Massstab an, hätten wir ein großes Problem, z.B. Kindesmissbrauch anzuklagen (der ja auch „sanft“ daherkommen kann, ohne zusätzliche Gewaltanwendung) oder partnerschaftliche Gewalt, die manche Frauen aufgrund ihrer Sozialisation als Stalking empfinden, oder Vergewaltigung, die manchmal erst später als Vergewaltigung erkannt wird (ich z.B. habe erst vor ein paar Jahren begriffen, dass ich auch von meinen Partnern vergewaltigt worden bin, weil das Drüberrutschen über mich als eine bewusstlose oder vor Angst eingeschüchterte oder sonstwie nicht reaktive Person für mich persönlich eh Alltag war, so dass ich den Gewaltcharakter gar nicht mehr bemerkt habe).  Was Gewalt ist, liegt also nicht im Empfinden der betreffenden Person, sondern ist objektiv definiert.

          Aber nehmen wir jetzt mal an, Prostitution wäre keine Gewalt. Nehmen wir an, sie wäre okay, sie könne freiwillig geschehen und man könnte klar trennen zwischen freiwilliger und erzwungener Prostitution, und nur die erzwungene Prostitution wäre schlecht. Dann müssen wir uns trotzdem fragen, was mit den Freiern ist. Denn ganz klar kann ein Freier nicht genau wissen, ob die Frau, mit der er da schläft, es freiwillig tut oder nicht. Er kann es deswegen nicht wissen, weil er ihr Geld dafür gibt, dass sie ja sagt. Und sie braucht ja dieses Geld. Also, das muss man konstatieren, hat er mit einer Person Sex, bei der er nicht genau wissen kann, ob sie das gerne tun möchte. ER kann nicht ausschliessen, dass er gerade eine Vergewaltigung begeht, denn ein sexueller Akt mit einer Person, die nicht möchte, ist ja Vergewaltigung, und es ist die Verantwortung einer jeden einen sexuellen Akt ausübenden Person, auszuschliessen, dass sie gerade eine Vergewaltigung begeht. Er aber nimmt dies in Kauf. Er ist ein Mensch, der nicht genau weiss, ob er gerade eine Vergewaltigung begeht, und der den sexuellen Akt trotzdem ausübt, weil ihm seine Befriedigung wichtiger als den Konsens der anderen Person festzustellen. Im Mindesten ist das grob fahrlässig. Wollen wir sowas? Wollen wir, dass es Sex gibt, bei dem der Mann nachher nicht genau wird sagen können, ob er vom Gegenpart gewollt war? Ist das nicht ein bisschen wenig? Ist das ein Vorbild? Und warum sagen wir, das sei okay, weil Geld dafür fliesst – wo es doch in allen anderen Bereichen NICHT ok wäre?

          Freiersein bedeutet, Gewalt auszuüben. Nicht nur gegenüber der Frau, die man gerade im Bett hat, sondern auch gegenüber anderen Frauen. Denn der größte Teil der Frauen in der Prostitution wird immer gezwungen werden müssen, es gibt nicht so viele „freiwillige“, und wer Freier ist, der macht, das Prostitution sich für Dritte lohnt, der macht das Geschäft von Zuhältern, Betreibern, Menschenhändlern einträglich, und der sorgt als zahlender Kunde dafür, dass andere sagen: „Schau mal, der zahlt, hier ist Nachfrage, lass also mal ein paar Frauen für das Angebot hinstellen.“ Es gibt keine Prostitution ohne Zwangsprostitution oder Menschenhandel, und selbst, wenn die eine Frau „freiwillig“ drin wäre, sorgen ihre Kunden dafür, dass Prostitution sich für Menschen lohnt, die andere dazu zwingen, sie auszuüben.

          Und meint eigentlich irgendjemand, ein Freier würde vergessen, dass er gerade über eine Frau drübergerutscht ist, von der er nicht wissen kann, ob sie wollte, oder bei der er sehen konnte, dass sie NICHT wollte, und er hat es trotzdem getan? Warum sollte diese erlernte Regel dann nicht auch für andere Frauen gelten? Warum sollte man sie nicht auch auf andere Frauen anwenden?

          Ja. Prostitution ist Gewalt. Und das Stigma sorgt dafür, dass wir nicht darüber sprechen. Weil wir uns schämen sollen.

          Aber es ist nicht das Stigma, das uns tötet, es sind die Freier, es ist die Prostitution.

          Prostitution tötet. Sie tötet jede Gleichberechtigung, sie tötet jeden Respekt, sie tötet das Konzept von Konsens, sie tötet Sex, den beide wollen und gut finden, und sie tötet uns.

          Prostitution tötet.

          Könnt ihr damit leben?

          Wir Frauen aus der Prostitution nicht, und zwar buchstäblich.

          80 tote Frauen in Deutschland seit 2002.

          Ich war ein paar Mal verdammt nah dran, eine von ihnen zu sein, durch eigene oder fremde Hand. Und ich vergesse das nicht, denn manchmal ist mir überhaupt nicht recht, überlebt zu haben und jeden Tag weiter überleben zu müssen.

          Huschke Mau, Juni 2019

          „Liebe“ Freier, die ihr mir, der Exprostituierten und Aktivistin, Mails und Nachrichten schreibt,

            sonst antworte ich euch nie, aber heute bekommt ihr von mir mal eine Sammelantwort, an euch alle.

            Ich weiss, bei euch wird nichts ankommen, weil euch irgendwas fehlt im Kopf. Aber ich stelle jetzt mal ein bisschen Öffentlichkeit her, weil ihr sonst weiterhin denkt, dass ihr es mit mir ja machen könnt – hintenrum, heimlich, ohne dass es je jemand erfährt.

            Heute möchte ich euch sagen: ihr nervt. Echt jetzt.

            Es nerven die von euch, die zuerst gar nicht sagen, dass sie Freier sind, und die alles in Frage stellen, die erwarten, dass man EXTRA FÜR SIE Infos rauskramt und ihnen hinterherträgt, und zwar JEDE Info. Die Mühe mache ich mir nicht, weil ich genau weiss, es geht euch nicht darum, dass ihr überzeugt werden wollt, dass das, was ihr tut – mit Frauen schlafen, die keinen Bock auf euch haben, und ihr wisst das – falsch ist oder dass das Nordische Modell das richtige ist. Darum geht es euch nicht. Ihr tut nur so. In Wirklichkeit wollt ihr nur Energie absaugen. Ihr werdet euch nie ändern, weder in eurem Denken noch in eurem Handeln, egal, wie oft ihr die Illusion vermittelt. Alles, was ihr wollt, ist uns Aktivistinnen von der Arbeit abzuhalten. Spart euch eure halbseidenen Vorwürfe und aus der Luft gegriffenen Anschuldigungen, mögen eure Provokationen euch im Halse stecken bleiben.  Ich beschäftige mich nicht mit euch. Ich überzeuge keine Freier. Wer Freier ist, ist scheisse, und wer so unbedingt scheisse sein will, dem kann man eh nicht helfen. Ich spare mir meine Energie für wichtige Dinge auf. Ihr seid nicht wichtig. Mir egal, ob ihr verstanden haben werdet, dass es falsch ist, was ihr tut: das Nordische Modell kommt, und ihr werdet zur Verantwortung gezogen werden für das, was ihr tut, ob ihr begriffen habt, warum, ist völlig latte. Ich überzeuge jedenfalls keine Gewalttäter, ich rede nicht mit Vergewaltigern, ich diskutiere nicht mit Missbrauchern. Schreibt mir einfach nicht mehr. Und heult nicht rum, wenn ich euch nicht antworte – ich schulde euch nichts.

            Es nerven die von euch,  die mir empörte Mails schreiben, dass sie finden, ich würde gemeinerweise alle Freier in einen Topf werfen, aber dann wiederum verstünden sie es ja, ich wäre so hochtraumatisiert, dass ich sicher all die netten Freier vergessen hätte, nur die Arschlöcher wären mir in Erinnerung geblieben, kann man ja auch verstehen. Aber ihr seid natürlich keine Arschlöcher, ihr seid nicht gewalttätig, nee, ihr bringt immer Blumen mit und Pralinen, und ihr redet mit den Frauen, die ihr „besucht“ (bevor ihr, nach Blumen- und Pralinenübergabe, über sie drüberrutscht, wohl wissend, dass sie euch ohne die Kohle mit dem Arsch nicht anschauen würden). Was wollt ihr von mir? Ich bin nicht euer Ablasshandel. Bei mir wird kein reines Gewissen verteilt. Ihr werdet von mir nie hören „es gibt ja auch nette Freier, und da ist es nicht so schlimm, nein, DU bist kein Arschloch“. Denn DOCH, DU BIST EIN ARSCHLOCH, es geht nicht darum, wie ihr seid, sondern was ihr tut, und es gibt auch nette Betrüger und nette Bankräuber und sogar nette Mörder, worüber also reden wir hier? Schreibt mir einfach nicht mehr. Und heult nicht rum, wenn ich euch nicht antworte – ich schulde euch nichts.

            Es nerven die von euch, die mir ewig lange, hochgradig weinerliche Mails schreiben, in denen sie sich in ihrer Schuld suhlen, ohne es ernstzumeinen. Ja, ihr „wart“ mal Freier, ich habe es begriffen. Ja, „jetzt“ findet ihr das ganz schlimm, ich habe es begriffen. Ja, ihr habt euch in eine Frau aus dem Laufhaus, in das ihr immer geht, „verliebt“ und plötzlich fällt euch ein, dass Freier scheisse sind und dass dieser „Job“ der letzte Dreck ist und jetzt wollt ihr sie „retten“, weil Freier so schlimm sind. Fällt euch ja früh auf. Manche von euch schreiben mir, weil sie entdeckt haben, dass ihre Freundin anschaffen geht. Ich habe euch nichts zu sagen ausser: mir ist völlig unklar, wieso ihr erst dann versteht, dass prostituierte Frauen Menschen sind, mit denen man nicht so umgehen darf, wenn ihr diese Frau für EUCH ALLEIN haben wollt. Denn genau darum geht es. Ihr habt NICHTS begriffen. Es geht nicht um ihren Schmerz. Es geht, mal wieder, nur um EUCH: EUCH tut es weh. Ihr seid eifersüchtig, in eurer „Ehre“ verletzt, in eurem Besitzdenken angegriffen. Schwallt mich doch nicht voll, ey! Was wollt ihr? Einen Orden dafür, dass ihr entdeckt habt, dass Frauen Menschen sind? Schreibt mir einfach nicht mehr. Und heult nicht rum, wenn ich euch nicht antworte – ich schulde euch nichts.

            Es nerven die von euch, die sich anschleichen und auf verständnisvoll tun. Ich kenne euch gut. Ihr seid einsam. Ihr schafft es „da draussen“ nicht, eine Frau kennenzulernen. (Und alle Frauen, die sich weigern, euch kennenzulernen, werden ihre guten Gründe dafür haben.) Und jetzt denkt ihr euch, ey, die Exnutte da, das beschädigte Gut, die nimmt doch eh keiner mehr, und dann ist die bestimmt auch voll kaputt, und Grenzen ziehen kann die sicher eh nicht mehr, und wenn man der bissl Aufmerksamkeit gibt und was lieb ist, ist die bestimmt voll dankbar. Surprise, surprise: bin ich nicht. Ich bin nicht beschädigt. Ich bin nicht kaputt. Ich bin nicht unfähig, Grenzen zu ziehen. Ich bin nicht wertlos. Und wenn ich eins hinkriege, dann hinhören, wenn mein Radar meldet: „mit dem stimmt was nicht“. Spart euch eure pseudoverständnisvollen, schleimscheisserischen Nachrichten. Ich weiss was ihr wollt. Ihr wollt hier niemanden supporten. Ihr wollt Kontakt. Ihr seid einsam. Ihr denkt, ich und meine Kolleginnen von #NetzwerkElla wären ein gutes Ziel und leichte Beute. Ihr denkt, mit uns könnt ihr euch eure eigene kleine Privatnutte heranzüchten und euch dann noch groß fühlen, als Retter. Ich habe euch noch nie geantwortet und werde es auch nie. Schreibt mir einfach nicht mehr. Und heult nicht rum, wenn ich euch nicht antworte – ich schulde euch nichts.

            All eure PNs und Mails sind verlorene Liebesmüh. Ihr könnt mir seitenweise schreiben, rumjammern, schimpfen, mich bedrohen, mich vollschleimen, sonstwas. Es interessiert mich nicht – Ablage P!

            Go fuck yourself!

            Wenn Du in der Prostitution warst und Dich schämst, weil Du oft daran denkst, zurückzugehen, dann ist das hier für DICH

              Shoutout an alle Frauen, die in der Prostitution waren und die mir wegen meines “Wiedereinstiegsgedankenkreisel”-Textes geschrieben haben, dass sie diese Gedanken, in die Prostitution zurückzugehen, kennen und sich schämen – und auch an alle, die sich zu schreiben nicht getraut haben, die die Gedanken aber auch kennen.

              Ihr seid nicht allein. Ich bin seit 4 Jahren Aktivistin, und ich habe nicht nur vom Gefühl her begriffen, dass Prostitution schadet, sondern kann die politische Analyse auswendig und ihr könnt mich nachts wecken, um 2, und ich diskutiere das knallhart mit euch aus.
              TROTZDEM habe ich diese Gedanken mich wieder zu prostituieren immer noch, und ich möchte, dass ihr wisst, dass ihr nicht allein damit seid.
              Es gibt so viele Gründe, zurückzugehen. Geldnot. Traumareinszenierung. Euch hat was getriggert. All die kleinen constant reminders im Alltag, bei denen Männer euch zeigen, dass ihr nur sexualisierte Objekte seid und die euch denken machen, dass ihr dann wenigstens Kohle dafür nehmen könnt. Der Gedanke, unwert zu sein, und die Erinnerung daran, dass ihr, wenn schon keinen Respekt, aber wenigstens doch mal Geld wert ward. All die Sehnsucht nach der Betäubung, nach dem alten Schmerz, in dem man sich zu Hause fühlt, weil man nie was anderes als diesen SChmerz als Zuhause empfinden durfte. Ich kenne es. So viele von uns kennen es. Eigentlich kenne ich keine Frau aus der Prostitution, die diese Gedanken nicht hat. IHR SEID NICHT ALLEIN!
              Und bitte schämt euch nicht dafür. Diese Gedanken, das seid nicht IHR. Das sind Gedanken, die auf eurer Kopffestplatte installiert worden sind, aber nicht von EUCH. Es ist das Trauma, das da spricht, all die schlimmen DInge, die euch angetan worden sind in all ihrer Scheissigkeit. Es ist wie ein Radio, das dauernd im Hintergrund dudelt, aber ihr habt es nicht angemacht und ihr habt den Sender auch nicht eingestellt, also verdammich, bitte schämt euch nicht dafür, was da für ein Programm läuft. Ihr könnt nichts dafür, und es ist scheisse genug, dass dieses Kackradio in eurem Zimmer steht und vor sich hin plärrt.
              Ihr habt euch doch nicht selbst drauf konditioniert, euch weh zu tun.
              All diese beschissene Sozialisierung, all der Missbrauch, die sexuelle Gewalt, die bescheuerte Ungleichheit.
              Sich prostituieren, mit Männern mitgehen, die gewalttätig oder respektlos sind, demütigende Sexpraktiken mitmachen, sich mit Drogen oder Alkohol abschiessen, sich die Arme aufschneiden, hungern, kotzen, whatever.
              RESIST!
              Diesen Film habt doch nicht IHR eingelegt!
              Also schämt euch nicht dafür.
              Ich kann ja nur sagen, was mir hilft. Mir hilft, vorher die Entscheidung zu treffen, es nicht zu tun. Wenn ich in schwachen Momenten anfange, mit mir selber die Pors und Cons zu diskutieren, weiss ich, dass ich verloren habe. Es ist dasselbe wie mit dem rauchen aufzuhören. Ich entscheide vorher: ich gebe nicht nach! Und in dem schwachen Moment weiss ich: gerade habe ich SEhnsucht nach etwas Schädlichem, aber ich halte die Sehnsucht aus, sie geht vorbei, und ICH GEBE NICHT NACH.
              Ihr seid so tolle Frauen, ich bin so berührt davon, dass ihr mir schreibt. Bitte schämt euch nicht. Diese Gedanken zu haben heisst nicht, dass wir dumm sind oder labil oder es heimlich gut oder geil fanden, was da passiert ist.
              Jede Drogenabhängige, jede Alkoholikerin, jede geprügelte Ehefrau hat den Gedanken, zurückzugehen.
              Das ist sowas von normal, und wenn wir uns schämen, SCHÄMEN SICH DIE FALSCHEN!
              Ich bin gerade noch so berührt von euren Nachrichten und im Kitschmodus, also hier, LIEBE, für alle, und Kraft und nur das Beste, und ein kleiner Reminder für die, auch in unserer Bewegung, die uns wegen unserer Ehrlichkeit sagen, wir seien labil und würden der Bewegung schaden, wenn wir über diese Gedanken sprechen, und wir sollten nicht mehr öffentlich reden deswegen: GO FUCK YOURSELF, CAUSE WE DON´T CARE!

              Über Victimblaming

                “Du hattest doch eine Wahl, man hat immer eine Wahl”

                “Du wolltest es doch so, und jetzt magst du nicht zugeben, dass du dabei Spass hattest”

                “Als du dafür Geld bekommen hast, hast du dich ja auch nicht beschwert”

                “Warum hast du überhaupt damit angefangen, du hättest alles anders machen können”

                “Warum hast du dich nicht von deinem Freund getrennt, als du gemerkt hast, dass er dich in die Prostitution bringen möchte”

                “In den Videos sieht es aber überhaupt nicht aus, als hättest du dabei Angst gehabt”

                “Du bist doch klug genug, warum landet so eine Frau in der Prostitution, da gibt es doch ganz andere Möglichkeiten”

                “Es sind immer alle anderen schuld und nie du, es war doch aber deine Entscheidung”

                “Warum hast du dich auch in so einem Umfeld rumgetrieben”

                “Ich kenne so viele Frauen, die missbraucht worden sind, und keine ist in der Prostitution gelandet, es muss also an dir liegen”

                “Du hättest doch jederzeit damit aufhören können, was hat dich denn bitte gehindert”

                “Es gibt genug Hilfesysteme, Jugendamt, Polizei und Beratungsstellen, warum haben die dir nicht geholfen, das muss an dir liegen”

                “In Deutschland muss niemand obdachlos sein oder sich für Essen prostituieren, warum hat dir kein Amt geholfen, vielleicht hast du dich nicht gut ausgedrückt bei denen”

                “Wenn er so schlimm war, warum bist du dann wieder zurückgegangen”

                “Wenn ein Freier gewalttätig wird schmeisst man ihn raus und gut, warum hast du das nicht getan”

                Warum
                Warum
                Warum

                Warum hast du
                Warum hast du nicht
                Du hättest xyz tun sollen

                … Du hattest einen zu kurzen Rock an, warum warst du auch nachts im Park, du wusstest dass er shady ist warum bist du mit ihm mitgegangen. Das ewige Lied des Patriarchats.

                Hört auf die Opfer zu beschuldigen. Es gibt niemals einen Grund oder eine Entschuldigung, sexuelle Übergriffe, ob bezahlt oder nicht, im Verhalten derer zu suchen, die sie erlitten haben.
                Beschuldigungen, Beschämungen führen zum Schweigen derer, die sowas erlebt haben.
                Wenn darüber nicht gesprochen wird, existiert das Problem öffentlich auch nicht. Es gibt dann kein Problem, es ist also auch keine politische Analyse der Gesamtsituation von Nöten – und wenn es keine Analyse gibt, bedarf es auch keiner veränderten Handlungen und alles kann so bleiben, wie es ist.

                ES DARF ABER NICHT SO BLEIBEN, WIE ES IST.

                Deswegen:

                Wer Opfer beschuldigt und beschämt, steht auf der Seite der Täter.
                Hört auf damit!

                #EndVictimBlaming

                Es war, als würde diese Gesellschaft zu mir sagen: „Prostitution ist nicht das Problem, damit ist alles cool. Du bist das Problem.“

                Dankesrede anlässlich der Verleihung des Nikolaus-Einkraft-Preises im rheinland-pfälzischen Landtag.

                Vielen Dank für die nette Laudatio und auch für den Preis.

                Mein Name ist Huschke Mau, ich war, mit Pause, 10 Jahre in der Prostitution. Wie bei so vielen Frauen und Mädchen war ich sexuell traumatisiert, in einer ökonomischen Notlage und hatte einen Mann, der mich in die Prostitution eingeführt hat. Bei mir war dieser Mann ein deutscher Polizist – mein erster Zuhälter. Ich war in Wohnungsbordellen und im Escort.

                Mein Ausstieg hatte lange gedauert, mehrere Jahre. Als ich mich an eine Fachberatungsstelle gewandt und um Hilfe beim Ausstieg gebeten habe, hat man mir gesagt: „Der Job ist nicht das Problem, das ist ein Beruf wie jeder andere. Aber wenn SIE das nicht mehr machen wollen, gehen Sie doch einfach nicht mehr ins Bordell und fertig.“ Ich habe nie wieder nach Hilfe gefragt.
                Ich habe lange nicht gesprochen über das, was ich in der Prostitution erlebt habe. Wenn ich die Wohnung verlassen habe, habe ich auf plakatwandgroße Puffwerbung geblickt. Wenn ich ein Taxi bestellt habe, musste ich dazusagen, dass ich eins ohne Bordellwerbung möchte. Wenn ich Zeitung gelesen habe, wurde von „Sexarbeit“ gesprochen. Es war, als würde diese Gesellschaft zu mir sagen: „Prostitution ist nicht das Problem, damit ist alles cool. Du bist das Problem.“ Durch die permanente Konfrontation damit, was man mit mir und anderen Frauen und Mädchen machen kann, habe ich lange geschwiegen.

                2014 ist mir dann der Kragen geplatzt, als ich ein Interview mit einer Bordellbetreiberin gelesen habe, die beschrieb, das einzige, was an Prostitution traumatisierend sei, sei das Stigma. Mit den Freiern sei alles friedlich und okay.

                Daraufhin habe ich meinen ersten Text geschrieben, er hiess „Ich hab die Schnauze voll von euch ProstitutionsbefürworterInnen“. Schon nach 3 Tagen war er in andere Sprachen übersetzt worden. Seitdem habe ich immer weitergeschrieben, ich habe auf Vorträgen und Podien gesprochen und aufgeklärt. Aufgeklärt darüber, was in der Prostitution wirklich passiert. Darüber, dass Prostitution immer Gewalt ist, weil Konsens nicht erkauft werden kann. Darüber, dass die Legalisierung nur Bordellbetreibern und Zuhältern nützt, aber nicht uns von der Prostitution betroffenen Frauen. Darüber, dass wir Prostituierten keine Ausstiegshilfen bekommen, sondern nur Bussgelder. Darüber, dass sich nichts am System ändert, denn selbst wenn eine von uns den Ausstieg schafft, wird sofort die nächste rangeholt, den Prostitution ist ein Geschäft, das sich lohnt – für Bordelbetreiber und Zuhälter. Für uns Betroffene lohnt es sich nicht, wir bleiben mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung zurück.

                Wir brauchen nicht nur den Ausstieg der Frauen aus der Prostitution. Wir brauchen den Ausstieg der ganzen Gesellschaft aus der Prostitution! Und das geht nur, indem wir anerkennen, dass Prostitution sexuelle Gewalt ist und die Täter bestrafen.

                Im Januar 2018 habe ich das Netzwerk Ella gegründet. Wir sind ein Zusammenschluss von Frauen, die in der Prostitution waren oder noch sind. Wir sind uns einig, dass wir darin Gewalt erlebten und noch erlebten und wir fordern das Nordische Modell. Wir fordern, dass die Gesellschaft hinschaut, wenn es darum geht, was Freier mit prostituierten Frauen machen und dass sie in die Verantwortung genommen werden. Aber die Gesellschaft schaut noch viel zu wenig hin.

                Neulich war ich in München auf einer vom Kofra ausgerichteten Konferenz. Zwei Frauen vom Netzwerk Ella, Marlen und Sophie, waren mit mir da. Als Sophie berichtete, sie sei mit 14 durch einen älteren Mann zur Prostitution angeleitet worden, wurde sie von einer Frau aus dem Publikum gefragt, was mit den 14-jährigen Mädchen denn bitte nicht stimme, dass sie sich so einfach anquatschen und prostituieren liessen. Ich habe mich darüber sehr aufgeregt. Es ist nicht die Frage, was mit den Mädchen nicht stimmt – es ist die Frage, was mit den Männern nicht stimmt, dass sie 14-jährige Mädchen ansprechen, missbrauchen und in die Prostitution bringen, sie dort kaufen und verkaufen. Aber die Männer werden nicht beschämt, es sind immer noch wir von der Prostitution betroffenen, die beschämt werden.

                Ich spreche jetzt seit 4 Jahren mit Medien, PolitikerInnen, Behörden und vielen, vielen Menschen über Prostitution. Mein Ziel ist es, ein Problembewusstsein zu schaffen, denn Prostitution findet nicht irgendwo statt, sondern mitten unter uns, und der einzige Weg, damit umzugehen, ist meiner Meinung nach, das Nordische Modell einzuführen, bzw. das Abolitionistische Modell.

                Wir Abolitionistinnen von heute sind nicht die ersten, die auf die Idee gekommen sind, dass Prostitution frauenverachtend ist und dass es eine Doppelmoral ist, die Frauen zu beschämen, zu überwachen und zu bestrafen, und die Freier davonkommen zu lassen.
                Wir sind auch nicht die ersten, die begriffen haben, dass gegen Prostitution vorzugehen nicht heissen darf, gegen Prostituierte vorzugehen.
                Frauen in der Prostitution haben oft keine Wahl. Wir brauchen andere Optionen, Alternativen. Freier hingegen haben die Wahl. Niemand, keine Notlage, zwingt sie, uns zu kaufen und zu missbrauchen. Diesen Wechsel der Blickrichtung braucht es.

                Als Brunhilde Schierl von der Einkraftstiftung zu mir Kontakt aufgenommen hat, hat mich das sehr gefreut. Auf einem langen Spaziergang haben wir uns kennengelernt, sie hat mir von der Einkraftstiftung erzählt und ich ihr vom Netzwerk Ella. Dabei ist deutlich geworden, dass wir beide gegen sexuelle Gewalt an Frauen kämpfen, und dass wir beide dies mit der Würde des Menschen begründen.

                Mit diesem Preis wird anerkannt, dass es für uns Frauen aus der Prostitution, und als solche definiere ich mich noch immer, auch wenn ich mittlerweile Doktorandin bin, schwer ist, über unser Trauma zu sprechen. Dass es uns was kostet – Schlaf, Seelenfrieden, Kraft, Energie, ein Leben ohne Angst.
                Ich hätte nie sprechen können, wenn hinter mir nicht so viele Wesen stünden, die mir Kraft geben. Die Tatsache, dass es schon im Kaiserreich Abolitionistinnen gab, gibt mir Kraft. Die Tatsache, dass ich die beste Katze der Welt habe, gibt mir Kraft. Die Tatsache, dass es Frauen gibt, die solidarisch mit mir und mit uns sind, gibt mir Kraft. Und auch diese Anerkennung heute gibt mir Kraft. Dafür möchte ich mich recht herzlich bei Frau Schierl bedanken und auch bei den Organisatorinnen dieser Verleihung.

                Ich war eine der ersten Aussteigerinnen, die gesprochen haben. Mit dem Netzwerk Ella werden noch viele folgen. So lange, bis man uns nicht mehr ignorieren kann.
                Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.